Erpresserisches Angebot
Von Knut Mellenthin
Verlockend ist das »Angebot« offenbar nicht, das Donald Trump am Dienstag Iran gemacht hat und mit dem er die Islamische Republik nach 24 Kriegstagen – das sind jetzt schon doppelt so viele wie bei der israelisch-US-amerikanischen Aggression im Juni 2025 – zum »Verhandlungstisch« zu zwingen hofft. Fünf Tage Zeit hat der immer verrückter wirkende US-Präsident der iranischen Seite eingeräumt, sich seinem Forderungskatalog zu unterwerfen, der vermutlich in allen Punkten vorher mit Israels Premier Benjamin Netanjahu abgesprochen und von diesem gebilligt wurde.
Dass der Fisch anbeißt, kann man mit hoher Sicherheit ausschließen. Die Gesichter in Teheran wechseln, vor allem aufgrund der barbarischen israelisch-US-amerikanischen Mordpraxis, aber Kapitulationsbereitschaft signalisieren alle nicht. Aus den sofortigen Ablehnungen des vergifteten Angebots aus Washington ragt eine Bemerkung des iranischen Militärsprechers Ebrahim Zolfaghari durch ihren sarkastischen Humor hervor: »Hat das Niveau eurer inneren Konflikte den Punkt erreicht, wo ihr mit euch selbst verhandelt?«
Unverständlich bleibt nur, warum die iranische Führung darauf verzichtet, ihre Todfeinde – denn um nichts weniger geht es offensichtlich – am wirkungsvollsten dadurch bloßzustellen, dass sie deren Drohungen und »Angebote« konsequent im vollen Wortlaut veröffentlicht. Für Menschen, die in diesen Tagen in jeder Stunde mit ihrem Tod konfrontiert sind, zeigt das erstaunlich wenig Mut, Entschlossenheit – und Realismus.
Nun denn, die New York Post behauptet, alle 15 Punkte von Trumps letztem »Angebot« zu kennen: Iran soll seine Anreicherungsanlagen schließen, sein angereichertes Uran abtransportieren lassen, Zahl und Reichweite seiner Raketen zwangsweise reduzieren, all seine Verbündeten in der Region im Stich lassen. Die Aussicht, dass als Gegenleistung wenigstens die Sanktionen aufgehoben würden, was allein bezüglich der beschlagnahmten Konten einem Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar entspräche, ist einen Dreck wert. Never! So einfach und klar scheint das in diesem Moment wohl in Teheran. Inschallah.
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Leserbrief von Der Proletarier aus 400 32 Göteborg (26. März 2026 um 12:22 Uhr)Die Bourgeoisie hat das Völkerrecht durch das Faustrecht ersetzt, und für schwedische Politiker ist es jetzt offensichtlich, dass der moralische Kompass danach festgelegt wird, wie die USA und Israel handeln. Trotz der Tatsache, dass Trump mehrmals behauptete, der Krieg sei gewonnen, führt der Iran weiterhin täglich Drohnen- und Raketenangriffe gegen seine Feinde durch. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die iranische Herrschaft kurz vor dem Fall steht und die Straße von Hormus für die USA und ihre Verbündeten weiterhin gesperrt ist. Wie Trump hat sich auch die Regierung Tidö (Die Christdemokraten, Die Liberalen, Die Moderaten und Die Schwedendemokraten) voll und ganz dem bürgerlichen Opportunismus verschrieben. Vor einigen Wochen war der Regierung klar, dass eine schwedische Beteiligung ausgeschlossen war. Doch als die USA ihren Fuß niederlegten, dauerte es nur wenige Tage, bis der Rücken des Premierministers wie ein schlampiger Papierstrohhalm zusammenbrach. Jetzt werden Schweden und 20 weitere Länder stattdessen als Türsteher für das Reich fungieren. In einer gemeinsamen Erklärung von letzter Woche heißt es, dass der Iran seine Angriffe einstellen muss und dass die Unterzeichnerländer bereit sind, den USA dabei zu helfen, den freien Transport durch die Straße von Hormus sicherzustellen. Die Angriffe des Iran werden verurteilt. US-amerikanische und israelische Angriffe werden heruntergespielt. Premierminister Kristerssons Schweden ist ein gehorsamer Vasall. Das Unvermeidliche des Imperialismus: Konflikte sind das Ergebnis von Kapital, das eine ständige Expansion erfordert. Anstelle von Krieg und Krisenzeiten braucht die Arbeiterklasse eine Politik des Friedens und des Wohlergehens. Etwas, das die heutigen Politiker weder für wünschenswert noch für möglich halten. Wenn sowohl die Sozialdemokraten und die Linkspartei die Abrüstungsforderungen komplett fallen gelassen haben, steht die Kommunistische Partei immer mehr allein für die Grundsätze des Völkerrechts ein.
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Leserbrief von Bonekamp (26. März 2026 um 06:43 Uhr)Eine der 15 Forderungen ist wohl auch die absolute Immunität der USA für die kriegerischen Handlungen. Diese Forderung tauchte nur kurz in den Medien auf. Es gibt aber auch einen Einblick, wie Amerika all die geführten Kriege diplomatisch managt. Trumps Andeutung, dass Iran ihn ein großes Geschenk gemacht habe, könnte darauf hinweisen, dass es an der Börse auffällige Aktionen gab und hunderte Millionen Gewinn gemacht worden sind.
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Leserbrief von Rayan aus Unterschleißheim (26. März 2026 um 03:43 Uhr)Die USA und Israel hatten u. a. die letzten beiden Verhandlungen genutzt, um hinterrücks völkerrechtswidrige Angriffskriege zu starten. Es wäre absolut irre, mit solchen Typen, die darüber hinaus glasklar zu den mindestens faschistoiden Menschheitsverbrechern zählen, weiter verhandeln zu wollen. Von daher sind Irans Dementi absolut glaubwürdig. Denn so irre sind nicht einmal religiotische Fundamentalisten, gleich ob muslimisch, christlich oder jüdisch. Daher ist das ganze Blabla des narzisstischen Vollirren namens Trump und seiner Fanboys und -girlies nichts weiter als ein weiterer, diesmal allerdings selten dümmlicher, Propaganda-Spin des »Werte-Westens«.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (25. März 2026 um 19:01 Uhr)Der Iran verringert mit jedem Start die Zahl und Reichweite seiner Raketen. Eine Trump-Forderung wird also schon erfüllt.
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