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24.03.20262 Leserbriefe
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Die Staatspartei
SPD in Not
Die Staatskanzlei in Mainz perdu, in München das Rathaus noch dazu, vor zwei Wochen mit 5,5 Prozent in Baden-Württemberg das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik – in der SPD wird mal wieder die Frage gestellt, wie es weitergeht und wo das alles noch enden soll. Allerdings hat das inzwischen einen etwas unernsten Zug – es ist ja alles gesagt, und darüber, wie aus der SPD noch einmal eine 30- oder 40-Prozent-Partei werden könnte, denkt in dieser Partei ohnehin kein Mensch mehr nach. Die austauschbaren Parteiführungen organisieren seit 20 Jahren einen Rückzug: Kürzlich erst war zu hören, dass im 1996 nicht weit entfernt vom alten Vorwärts-Haus eingeweihten Willy-Brandt-Haus demnächst drei von sechs Etagen nicht mehr von der Partei genutzt und vermietet werden.
Die ungelöste und für den Apparat sowie die Abgeordneten spannende Frage ist, ob dieser Rückzug in eine zu verteidigende Stellung irgendwo zwischen 15 und 20 Prozent bundesweit führt oder in wilder Flucht endet. Jeder Funktionär weiß, dass die SPD alle Merkmale einer Arbeiterpartei längst verloren und auf dem Höhepunkt der neoliberalen Hegemonie ganz bewusst mit der arbeitenden Klasse der Bundesrepublik gebrochen hat. Sie ist heute sozial und politisch eine Beamten- und Akademikerpartei, also eine Partei, die Milieus vertritt, die überwiegend »vom Staat« leben – und zwar, bislang jedenfalls, ganz gut. Sie konkurriert um diese Stimmen vor allem mit den Grünen und inzwischen auch mit der Linkspartei.
Die SPD, und darin erschöpft sich ihre gegenwärtige politische Funktion, ist heute mehr Staatspartei, als sie es je war. Die Politik der Partei und die Interessen der Wählerschaft stehen, anders als einst, in keinem chronischen Spannungsverhältnis mehr. Deshalb wird auch ganz gewiss nicht das passieren, wovor CSU-Chef Markus Söder am Montag glaubte, warnen zu müssen: Man möge »aus den Wahlergebnissen die richtigen Schlüsse« ziehen »bei der SPD« und bitteschön nicht versuchen, »linker zu werden«. Klar, das wäre ein Weg – aber eben der einer anderen Partei. Und davon, dass derlei verboten ist, muss Söder noch nicht einmal mehr die Führung der Linkspartei überzeugen.
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Emmo Frey aus Dachau 25. März 2026 um 12:17 UhrOb es noch irgendeinen Sinn hat, dieser heruntergekommenen »Staatspartei« einen vielleicht hilfreichen Hinweis zu geben, weiß ich nicht. Es wäre ganz einfach, die SPD müsste mit den vielen Lügen der Regierung und aller willfährigen Medien aufhören. Größte Lüge: Russland bedroht uns, wir müssten irrwitzig aufrüsten, für Soziales gibt’s weniger Geld usw. Das ist doch alles heiße Luft, welcher Wähler soll das glauben? Andere Lüge: Mit dem Etikett der deutschen Staatsräson in Bezug auf Israel wird das Morden in und um Palästina gerechtfertigt und mit Waffenlieferungen unterstützt. Wer will denn so eine Regierungspartei noch wählen? Sicherlich braucht Israel keinen politischen Nachhilfeunterricht aus Deutschland, aber Waffen für Völkermord will doch kein deutscher Wähler. Kann das die SPD noch erkennen oder steuert sie weiter blind auf die Unterschreitung der Fünf-Prozent-Hürde in allen deutschen Parlamenten? Die Frage ist also, hat die SPD noch die Kraft oder den Mut, die Koalition zu beenden und Neuwahlen anzugehen, aber dann bitte mit einem lügenfreien, völlig neuen Programm. Ich fürchte, die SPD arbeitet weiter an ihrem Untergang zur Splitterpartei. Schade.
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B.S. aus Ammerland 23. März 2026 um 19:44 UhrEin altes indianisches Sprichwort sagt: »Wenn dein Pferd tot ist – steig ab!« Liebe Genossen (oder wie auch immer), lasst das ewige Versteckspiel und kommt aus euren Sprechblasenbunkern hervor und ergebt euch einer Realität, derer ihr seit 40 Jahren nicht mehr gerecht werdet. Volksverblödung überlasst den Ewig-Rechten in den Parteien, die vorgeben etwas fürs Volk zu tun. Schröder, Scholz und Klingbeil sind die letzten Sargnägel einer Arbeiterpartei, die diesen Namen seit Jahrzehnten nicht mehr verdienen! Und merkt auf, die FDP hat bereits aufgegeben. Aber ihr könnt ihr gerne Gesellschaft leisten!
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