Medienimperium auf Trump-Linie
Von Sebastian Edinger
Erst im vergangenen Jahr hat die US-amerikanische Filmproduktionsfirma Skydance die Übernahme des Hollywoodkonzerns Paramount Global abgeschlossen. Schon steht die aus der Übernahme hervorgegangene Paramount Corporation vor dem nächsten großen Deal. Offenbar wird sich das Skydance-Paramount-Konglomerat unter CEO David Ellison noch in diesem Jahr die Film- und Fernsehgesellschaft Warner Bros. Entertainment einverleiben. Entstehen würde ein gigantisches Medienimperium – unter Kontrolle eines engen Vertrauten von US-Präsident Donald Trump.
Allein in der US-Filmindustrie hätte Paramount-Warner einen Marktanteil von über 30 Prozent. Auch in den Bereichen Streaming und klassisches Fernsehen entstünde ein neues Schwergewicht. Dazugehören würden unter anderem die Sender CNN, CBS News, Nickelodeon, MTV, HOB, Discovery Channel sowie der US-Betrieb der Social-Media-App Tik Tok. Mit einem Jahresumsatz von rund 70 Milliarden US-Dollar (ca. 60,3 Mrd. Euro) wäre der Zusammenschluss der größte Medienkonzern der USA und unter den Top 3 weltweit.
Eine grundsätzliche Einigung bezüglich der Übernahme wurde Ende Februar erreicht. Laut Ellison soll die Fusion im dritten Quartal abgeschlossen werden. Dass die Kartellbehörden den Deal stoppen, ist Beobachtern zufolge trotz der enormen Marktmacht unwahrscheinlich – auch wegen des Einflusses von Trump, der strategische Leitungsposten der Kartellbehörden längst mit Vertrauten besetzt hat. Von dem neuen Zusammenschluss dürfte sich der Präsident großen Einfluss auf die Medienlandschaft erhoffen. Paramount hatte bereits den Nachrichtensender CBS auf Trump-Linie gebracht. Ellisons Vater, der Techmilliardär Larry Ellison, hat nun in Aussicht gestellt, bei Trumps Hasssender CNN genauso vorzugehen – einschließlich der Absetzung bestimmter Moderatoren.
Dabei sah es zunächst schlecht aus für die Ellisons. Im Dezember hatte Warner ein konkurrierendes Angebot von Netflix über 82,7 Milliarden Dollar angenommen. In diesem Modell wäre CNN in ein unabhängiges Unternehmen ausgelagert worden. »Sie haben einen sehr großen Marktanteil«, klagte Trump damals laut The New Yorker über Netflix. »Ich werde in diese Entscheidung involviert sein.« Später betonte er, das Justizministerium werde sich darum kümmern, und wetterte selbst immer wieder gegen Netflix. Letztlich bekam Paramount Gelegenheit, ein finales Angebot abzugeben, und packte rund 111 Milliarden auf den Tisch. Netflix zog sich aus dem Bieterwettbewerb zurück und Paramount bekam den Zuschlag.
Möglich wurde das Megaangebot von Paramount auch durch eine Eigenkapitalzulage von Larry Ellison, der gemeinsam mit dem Investmentfonds Redbird Capital Partners 47 Milliarden beisteuert. Ellison junior hatte den Investoren jährliche »Kostensynergien« von mindestens sechs Milliarden durch die Fusion zugesagt. Bei einer Mitarbeiterversammlung vergangene Woche betonte er, das Gros der Einsparungen solle nicht durch Stellenabbau erreicht werden. Wie der Hollywood Reporter berichtete, waren die Belegschaften davon alles andere als überzeugt.
Die Aktionäre sind jedenfalls zuversichtlich, dass ordentlich gekürzt wird. Schon als die Warner-Führung im vergangenen Oktober angekündigt hatte, Übernahmeangebote Dritter zu prüfen, stieg der Kurs auf einen Schlag um 16,9 Prozent. Einen weiteren kräftigen Sprung gab es im Dezember, als Paramount sein nachgebessertes Angebot vorlegte und Netflix aus dem Rennen ausstieg. Die Paramount-Aktie verzeichnete Ende Februar, als die Einigung mit Warner verkündet wurde, ein Plus von 32 Prozent. Allerdings ging der Wert kurz darauf wieder zurück, als Ratingagenturen die Bonität des fusionierten Unternehmens herabstuften.
Der demokratische Senator Bernie Sanders hatte schon im letzten Jahr gewarnt, dass in den USA sechs Konglomerate 90 Prozent der Medien kontrollieren und die Dominanz der Oligarchen weiter zunehme. Mit Blick auf den Paramount-Warner-Deal sagte er nun, eine Familie, »die rechtsgerichteten, mit Trump verbündeten Elisons«, könnte bald kontrollieren, »was Hunderte Millionen Menschen jeden Tag ansehen, lesen und durchscrollen«.
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