Teheran gesprächsbereit
Von Von Knut Mellenthin
Donald Trump hat eine »wunderschöne, riesige Armada« in den Mittleren Osten geschickt, um die iranische Führung an den Verhandlungstisch zu treiben. Und er scheint ziemlich sicher, dass ihm das gelingen wird. »Sie wollen einen Deal«, das wisse er genau, erzählte der US-Präsident am Freitag im Weißen Haus vor Journalisten. »Hoffentlich schließen wir einen Deal.« Und auf die Frage, was er anderenfalls tun würde, antwortete er vielsagend mit »Wir werden sehen«. Er habe den Iranern ein Ultimatum gestellt. Präzisieren wollte er diese Aussage aber vor der Presse nicht. »Die Iraner wissen Bescheid«, war alles, was Trump sich bei dieser Gelegenheit entlocken ließ.jW
Damit könnte die Sache erledigt sein. Denn iranische Politiker haben vielfach kategorisch klargestellt, unter Drohungen und Druck seien sie nicht zu Verhandlungen bereit. Dass Trump genau das versucht und sich an keine Spielregeln der Diplomatie hält, ist zweifelsfrei und offensichtlich. Aber trotzdem: Irans Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, postete am Sonnabend auf seinem X-Account, Gespräche mit den USA über das iranische Atomprogramm nähmen trotz der erhöhten Gefahren einer militärischen Konfrontation Gestalt an. Bei der Etablierung eines »strukturierten Rahmenwerks« für Verhandlungen zwischen Iran und den USA bewege man sich »trotz des künstlichen Medienhypes um einen Krieg« voran.
Einen Tag vorher hatte Laridschani Moskau besucht, um mit Präsident Wladimir Putin zu sprechen. Offiziell wurde über den Inhalt des Treffens lediglich mitgeteilt, dass es neben der Verbesserung der bilateralen Beziehungen auch um »regionale und internationale Schlüsselthemen« ging. Wenige Stunden nach Laridschanis Posting war dann der Außenminister Katars zu Gast in Teheran. Das kleine Fürstentum, das nicht nur eine politische Sonderrolle spielt, sondern auch den größten US-Militärstützpunkt in der Region beherbergt, hatte bei der Vermittlung und Organisierung der Gespräche zwischen Washington und Teheran in der ersten Jahreshälfte 2025 eine zentrale Rolle gespielt. Zur Zeit sind weitere Staaten – darunter die Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien – bemüht, einen militärischen Zusammenstoß zwischen den USA und Iran, durch den schwere Schäden für den ganzen Nahen und Mittleren Osten befürchtet werden, zu verhindern.Mezopotamyaİlke TV
Aber der Spielraum ist aus Sicht der US-Administration gering. Trumps Verhandlungsführer Steve Wittkoff hatte im Januar offen die Bedingung genannt, womit er aber nichts Überraschendes oder Neues sagte: Die Islamische Republik muss die Anreicherung von Uran einstellen, ihre angesammelten Vorräte an angereichertem Nuklearmaterial abtransportieren lassen, die Zahl ihrer Mittelstreckenraketen reduzieren – Langstreckenraketen besitzt Iran gar nicht, auch wenn dieser Begriff häufig in westlichen Medien auftaucht – und ihre Unterstützung für ihre Verbündeten in der Region, die »Achse des Widerstands«, zurückfahren. Nichts davon scheint verhandelbar, wenn man die konstanten Aussagen iranischer Politiker ernst nimmt.
Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Konfrontation wird durch Medienberichte erhöht, die seit Donnerstag veröffentlicht wurden. Ausgangspunkt war eine Untersuchung des in Washington ansässigen Institutes for Science and International Security (ISIS), in der aufgrund von Satellitenfotos behauptet wurde, es gebe Arbeiten an zwei zentralen Anlagen der iranischen Nuklearindustrie, die während des Zwölftagekrieges im vergangenen Juni von israelischen und US-amerikanischen Streitkräften angegriffen und vermutlich weitgehend zerstört worden waren. ISIS zufolge wurden Dächer über den Gebäuden in Isfahan und Natanz errichtet und Tunneleingänge mit Erde bedeckt. Zweck sei vermutlich, weitere Arbeiten gegen Luftaufnahmen abzuschirmen. Eine Wiederaufnahme der Tätigkeit in den iranischen Atomanlagen gilt israelischen und US-amerikanischen Aussagen zufolge als Kriegsgrund.
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