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Aus: Ausgabe vom 21.02.2026, Seite 2 / Ansichten

Teile und herrsche

Westliche Medien spekulieren über einen Bruch in Kubas Staatsführung
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Rubios Ziel ist klar: Der US-Außenminister mit exilkubanischer Familie will die sozialistische Republik zerstören

In der Kuba-Berichterstattung westlicher Medien sind Halbwahrheiten, Spekulationen und Falschmeldungen nichts Neues. Eine vom US-Nachrichtenportal Axios am Mittwoch verbreitete Meldung über angebliche Geheimgespräche zwischen US-Außenminister Marco Rubio und Raúl Guillermo Rodríguez Castro, dem Enkel und Vertrauten des ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro, ist deshalb mit Vorsicht zu betrachten.

Kubas Regierung habe auf Anfrage Gerüchte über Gespräche zwischen den USA und einem anderen Castro-Familienmitglied, Alejandro Castro Espín, bestritten, räumte Axios ein. Statt dessen habe Havanna mitgeteilt: »Es gibt keinen hochrangigen Dialog zwischen der Regierung der USA und Kuba. Es gibt nicht einmal einen Dialog auf mittlerer Ebene. Es hat einen Austausch von Botschaften gegeben.« Telesur und andere lateinamerikanische Medien meldeten einen Tag später, Kubas ständiger UN-Vertreter Ernesto Soberón Guzmán habe den Axios-Bericht am Donnerstag als »Spekulation« zurückgewiesen.

Doch obwohl Axios nach eigenen Angaben keine Bestätigung dafür erhalten hatte, wird – nicht etwa im Konjunktiv, sondern als Fakt – behauptet: »Die Gespräche zwischen Rubio und Raúl Guillermo Rodríguez Castro umgehen die offiziellen Regierungskanäle Kubas.« Und während die New York Times und der Miami Herald noch US-amerikanische und kubanische Quellen zitierten, die aussagten, dass derzeit keine substantiellen Verhandlungen stattfinden, und auch der rechte Nachrichtenkanal Fox News vom US-Außenministerium keine klärende Stellungnahme dazu erhielt, frohlockte Ciber Cuba: »Ein Riss im Castro-Regime? Kontakte mit den USA enthüllen interne Spaltungen.«

Eine Woche zuvor hatte das im spanischen Valencia von stramm antikommunistischen Exilkubanern betriebene Onlineportal bereits verbreitet: »Der Leiter der US-Mission in Kuba, Mike Hammer, deutete an, dass Washington Gespräche mit hochrangigen Persönlichkeiten innerhalb der Machtstruktur der Insel führt, und legte nahe, dass es in Kuba eine Figur geben könnte, die derjenigen entspricht, die Delcy Rodríguez im jüngsten venezolanischen Prozess darstellt.«

Während Lügen überprüft und widerlegt werden könnten, ist Gerüchten, die denselben Zweck erfüllen, nicht beizukommen. Medienkampagnen sind ein integraler Bestandteil psychologischer Kriegführung. Und die klassische Methode »Teile und herrsche«, die darauf abzielt, Vertrauen zu unterminieren und Misstrauen zu säen, gehört seit jeher dazu. (vh)

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