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»Convoy to Cuba«

Befürchten Sie militärische Aktionen gegen den Konvoi?

Das Mindeste, was gerade für Kuba getan werden kann, ist, humanitäre Hilfe bereitzustellen, sagt Grasa Guevara

Interview: David Siegmund-Schultze
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
Aktivisten in Miami halten eine Pressekonferenz ab in Solidarität mit dem Konvoi nach Kuba (17.3.2026)

Am Sonnabend soll der »Convoy to Cuba« auf der Insel eintreffen. Warum nehmen Sie als Delegation des »Bloque Latinoamericano Berlin« daran teil?

In erster Linie aus internationalistischer und menschlicher Solidarität mit dem, was in Kuba geschieht – Donald Trump versucht, das Land auszulöschen. Außerdem ist Kuba der Schlüssel zu Lateinamerika. Trumps Vorstoß gegen Venezuela und Kuba ist eine Offensive gegen unsere Region und gegen jede Möglichkeit, uns von imperialistischer Politik zu befreien. Deswegen müssen wir uns einsetzen, dort hinreisen und Aktionen gegen diesen Imperialismus starten, der die Menschheit ruinieren will, damit das eine Prozent der Gesellschaft immer mehr Reichtum an sich reißen kann.

Der Konvoi ist von der »Global Sumud Flotilla« nach Gaza inspiriert.

Mit dem Beispiel Gazas hat sich eine Phase des internationalistischen Kampfes eröffnet, in der wir, die wir in Ländern des globalen Nordens leben, eine entscheidende Rolle dabei spielen können, genozidale Prozesse zu stoppen und emanzipatorische politische Projekte aufzubauen. Die kubanische Regierung ist eine der wenigen, die eine Politik der direkten Konfrontation mit dem Imperialismus verfolgt. Kuba stellt heute ein Beispiel für Würde dar. Das Mindeste, was wir als soziale Bewegungen tun können, ist, humanitäre Hilfe bereitzustellen. Aber wir müssen auch daran mitwirken, weltweit die Macht der Menschen von unten her aufzubauen, um nicht nur Trump zu stoppen, sondern ein politisches Projekt für das Ende der Unterdrückung zu entwickeln.

Welche Hilfsgüter bringen Sie nach Kuba?

Wir haben 30 Kilogramm Medikamente dabei, die wir durch kleine Aktionen zusammenbekommen haben. Außerdem beteiligen wir uns an einer Spendenkampagne, um Solarmodule zu kaufen, damit sich die Krankenhäuser vom nationalen Stromnetz unabhängig machen und nicht auf Erdöl angewiesen sind. Diese Initiative des politischen Bildungsforums »The People’s Forum« in New York hat bereits rund eine halbe Million US-Dollar eingebracht. In Deutschland läuft die Initiative über die von Kubaner*innen angestoßene Kampagne »Licht und Energie für Kubas Krankenhäuser«.

Die aktuelle Lage ist sehr ernst. Im ganzen Land ist der Strom ausgefallen.

Was Kuba derzeit erlebt, ist ein Zusammenbruch des nationalen Stromnetzes. In den vergangenen Jahren hat die Regierung begonnen, eine Energiewende einzuleiten und Solaranlagen zu installieren. Leider ist ein Teil des Systems weiter vom Öl abhängig. Wegen der Blockade ist es sehr schwierig, das nationale Stromnetz aufrechtzuerhalten. Sollte sich das noch viele Monate hinziehen, werden die Folgen katastrophal sein. Humanitäre Hilfe für das Land und eine geeinte Front gegen Trumps Aggression nicht nur in Kuba, sondern auch in Venezuela und im Iran, sind notwendiger denn je.

Am Montag hat der US-Präsident gesagt, er werde mit Kuba machen, was er will. Befürchten Sie, dass das US-Militär gegen den »Convoy to Cuba« vorgehen könnte?

Der Konvoi verfügt über sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen, und unsere Bereitschaft zum Widerstand ist sehr hoch. Wir werden nicht auf Provokationen hereinfallen. Ich glaube nicht, dass eine militärische Eskalation geplant ist, denn die Welt beobachtet derzeit genau, was in Kuba geschieht, und Washington versucht mit allen Mitteln, das Ansehen der sozialen Bewegungen zu untergraben, die der kubanischen Bevölkerung helfen wollen.

Trump sagt vieles, er hat uns erzählt, er habe den Krieg im Iran gewonnen, doch die USA schneiden ziemlich schlecht ab. Er sagte, er führe die beste Regierung in der Geschichte, doch die Inflation ist völlig außer Kontrolle geraten. Er ist ein notorischer Lügner, und seine Prahlerei ist nur Ausdruck von Ohnmacht.

Wird es am Sonnabend auch Aktionen in Deutschland geben?

Wir rufen mit verschiedenen Organisationen zu einer Aktion vor der US-Botschaft in Berlin am Sonnabend um 13 Uhr auf. Über die sozialen Netzwerke des Bloque Latinoamericano oder der Kampagne »Hände weg von Lateinamerika« wollen wir die Menschen dafür mobilisieren, an der Aktion teilzunehmen und sie gemeinsam mit uns zu organisieren.

Grasa Guevara ist Mitglied des Bloque Latinoamericano Berlin und nimmt an der internationalen Solidaritätsflottille »Nuestra América – Convoy to Cuba« teil

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.03.2026, Seite 3, Ausland

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→Leserbriefe
  • Wilfried Schubert aus Güstrow 20. März 2026 um 12:29 Uhr
    Kuba ist tatsächlich in großer Gefahr. Es bedarf dringend der internationalen Solidarität. US-Präsident Trump erklärte kürzlich: »Ich glaube, ich werde die Ehre haben, Kuba in irgendeiner Form zu übernehmen. Ob ich es befreie oder es einnehme, ich denke, ich könnte damit machen, was ich will. Sie sind im Moment eine sehr geschwächte Nation. Kuba, das ist eine wunderschöne Insel. Tolles Wetter. Ob ich es befreie oder einnehme – ich kann damit machen, was ich will.« So der selbsternannte Präsident des Friedensrates. Ein Stück Kuba, Guantanamo, halten die USA widerrechtlich besetzt. Bereits Fidel Castro hatte den Pachtvertrag gekündigt. Derweil plagt bereits der dritte großflächige Stromausfall innerhalb von vier Monaten Kuba. Venezuela fällt als Öllieferant aus. Ein Lichtblick ist, dass zwei russische Tanker auf dem Weg nach Kuba sind. Kuba braucht dringend unsere Solidarität in Wort und in der Tat.
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