Israel überzieht Libanon mit Bomben
Von Jörg Tiedjen
Die Evakuierungsanordnung kam diesmal nicht von seiten der israelischen Armee. Vielmehr war es die Hisbollah, die am Freitag morgen alle Einwohner im Norden Israels anwies, sich mindestens fünf Kilometer von der Grenze zum Libanon zurückzuziehen, wie der libanesische Fernsehsender Al-Majadin berichtete. Grund seien bevorstehende Vergeltungsmaßnahmen für die andauernde israelische Aggression gegen den Zedernstaat. In der Nacht hatte die Hisbollah bereits eine Reihe von Luftangriffen auf Ziele in Israel gestartet. Attackiert wurden der israelische Marinestützpunkt in Haifa sowie Militärstellungen im Grenzbereich und auf den von Israel besetzten Golanhöhen.
Zur gleichen Zeit verstärkte Israel seine Bombardierungen in dem Nachbarland. Al-Majadin sprach am Freitag mittag von »einer der umfangreichsten Angriffswellen der letzten Tage«, bei der »erhebliche Schäden an Gebäuden und Geschäften« verursacht würden. Am Donnerstag abend hatte Israels Armee alle Einwohner im Süden Beiruts zur sofortigen Evakuierung aufgefordert, um ihr Leben zu retten, wie Al-Majadin berichtete. Dort leben drei- bis vierhunderttausend Menschen. Zudem wurden sie gewarnt, in den Süden des Landes zu fliehen, für den die Besatzer schon am Mittwoch einen Räumungsbefehl ausgegeben hatten. Nach Behördenangaben von Freitag vormittag wurden seit Montag 123 Menschen im Libanon von der israelischen Armee getötet.
Die Hisbollah hatte am Montag morgen ihre Kampfhandlungen gegen Israel wiederaufgenommen. Zur Begründung verwies Hisbollah-Chef Naim Kassem in einer Rede am Mittwoch abend darauf, dass Israel die seit Ende 2024 geltende Waffenruhe permanent breche und dieser Zustand nicht länger tragbar sei. Auch wurden die erneuten Angriffe auf Israel mit der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ali Khamenei am Sonnabend vergangener Woche begründet.
In seiner Rede reagierte Kassem auch auf eine Entscheidung der libanesischen Regierung von Montag, der Hisbollah jegliche militärische Tätigkeit zu verbieten. In scharfer Weise hielt er Präsident Joseph Aoun entgegen, sich gegen den Widerstand und nicht gegen Israel zu wenden und so das Land einem »unersättlichen Angreifer« auszuliefern. Der Forderung nach einer Niederlegung der Waffen erteilte Kassem unter Verweis auf das »Recht auf Widerstand« eine kategorische Absage. Eine ursprünglich für Donnerstag in der französischen Hauptstadt Paris anberaumte internationale Geberkonferenz, die das Ziel hat, die reguläre libanesische Armee gegenüber der Hisbollah zu stärken, wurde unterdessen auf April verschoben.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
REUTERS/Amr Alfiky04.03.2026Knapp 800 Tote in Iran
Mohammed Aty/REUTERS02.03.2026Widerstandsachse im Visier
Bilal Hussein/AP/dpa25.02.2026Dauerbeschuss trotz Waffenruhe
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 07.03.2026 -
Vom Schwelbrand zum Luftkrieg
vom 07.03.2026 -
Beweise für Verbrechen der Nakba
vom 07.03.2026 -
Trump will Irans Kapitulation
vom 07.03.2026 -
Pacto Histórico geeint zur Parlamentswahl
vom 07.03.2026