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Aus: Ausgabe vom 26.02.2026, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Berliner Krankenhausbewegung

Vivantes-Töchter wollen Gleichstellung

Von Niki Uhlmann

Karl Marx lehrte, dass der Lohn in etwa dem entspricht, was der Prolet benötigt, um seine Arbeitskraft zu reproduzieren. Dazu zählt Gesundheit. Diese Ware wollen Staat und Kapital möglichst billig produzieren, um die Lohnkosten zwecks Wettbewerbsfähigkeit und höherer Profitabilität zu senken. So kommt es, dass rund 2.500 Beschäftigte des kommunalen Berliner Krankenhausbetreibers Vivantes in Subunternehmen ausgegliedert sind und dort weniger verdienen als ihre Kollegen. Diese »Zwei-Klassen-Belegschaft«, wie ihre Gewerkschaft Verdi das Joch nennt, wollen die Benachteiligten nicht länger akzeptieren und haben anlässlich neuer Verhandlungen am Mittwoch zum Streik geblasen.

Bis Sonnabend früh sei in den Kliniken der Hauptstadt mit Verzögerungen zu rechnen, berichtete der RBB: Bestreiken werde Verdi »Gastronomie, Logistik und Reinigung. Ärzte und Pflegefachkräfte zählen nicht dazu«. Im Klartext: Mögen die ausgegliederten Beschäftigten auch nur mittelbar mit den Patienten und Behandlungen zu tun haben, läuft ohne sie nix. Etwa die Reinigung der medizinischen Instrumente, wie ein Vivantes-Sprecher dem Sender erklärte. Für Donnerstag ist eine Kundgebung vor dem Berliner Abgeordnetenhaus angesetzt.

Ein »Factsheet« von Verdi, das jW vorliegt, liefert die Gründe dafür: »Bereits im Koalitionsvertrag von 2016 zwischen SPD, Grünen und Linken wurde die Angleichung der Gehälter an den Tarifvertrag des Mutterkonzerns (TVöD) zugesagt.« Das »Outsourcing zum Zweck der Tarifflucht« sollte demnach beendet werden. In den Koalitionsverträgen 2021 und 2023 seien die Versprechen erneuert worden. Auf eine endgültige Gleichstellung, respektive Reintegration in den Mutterkonzern, warten die Beschäftigten bis heute.

Besonders bemerkbar macht sich das im Geldbeutel. Die Gewerkschaft rechnet vor, dass eine »Reinigungskraft im OP mit fünf Jahren Berufserfahrung« ab dem 1. Mai monatlich 610 Euro weniger verdienen würde als im Mutterkonzern, sofern weder Landesregierung noch Vivantes einlenken. Das schlage durch auf die Betriebsrente, so dass den Benachteiligten Altersarmut drohe.

Trotzdem mauert der Konzern. Sein Angebot orientiere sich am Tarifabschluss bei der ebenfalls ausgegliederten ­Charité Facility Management, deren Beschäftigte »den Kompromiss erst nach einem langen Streik akzeptiert« hatten. Vorgesehen sei eine Angleichung der Tabellenentgelte bis 2030, aber eine Absenkung der Jahressonderzahlung für Neubeschäftigte und vor allem keine tarifliche Zusatzrente. Entsprechend groß ist das Streikpotential. Die Streiks präventiv eindämmen zu lassen, sei Vivantes vor Gericht gezogen, berichtete Verdi am Montag. Allem Anschein nach steht in den Berliner Krankenhäusern ein Arbeitskampf mit harten Bandagen an.

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