-
14.01.2019
- → Feuilleton
Heuer ohne
Immer wenn ich Geburtstag habe, passiert etwas Blödes. Im Winter des Jahres 1969 fing es an. Ich wurde geboren, und schlagartig war die weltweite Studentenrevolte vorbei. Kurz danach ist der 1. FC Nürnberg aus der Bundesliga abgestiegen.
Zehn Jahre später, 1979, wurde ich zehn Jahre alt. Daraufhin übernahmen vollbärtige Mullahs den Iran, und die Sowjetunion marschierte in Afghanistan ein. Den Zusammenhang habe ich wegen meiner Jugend nicht verstehen können.
Wieder zehn Jahre später, 1989, wurde ich 20, und Günter Schabowski verzettelte sich auf einer Pressekonferenz. Vollbärtige Protestanten übernahmen daraufhin die DDR. Diesen Zusammenhang habe ich immer noch nicht verstanden.
Und so weiter. 1999: Ich 30, Deutsche werfen Bomben auf Jugoslawien. 2009: Ich 40, die Deutschen werfen die SPD aus der Bundesregierung (und ich werde aus der Linkspartei geworfen).
Und nun? 2019? Was kommt zu meinem Fünfzigsten? Die SPD geht unter? Die Linke spaltet sich? Großbritannien zerfällt in vier Teile? Venezuela fällt in die USA ein? Ausfallen wird jedenfalls mein Geburtstag in diesem Jahr, Vorsichtsmaßnahme! Dann steigt vielleicht nur der Club ab.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!