Sicher ist Böhmermanns Schwalbe-Clip Teil der vielbeschworenen «Verrohung des politischen Diskurses», die er ja nicht mildert, indem er sie fortspinnt. Er hat sie aber nicht erfunden, und der grobe Keil gehört so zum groben Klotz wie die Heuchelei zum rechten Rand.
Der Elternabend war eigentlich okay: keine nervigen Zwischenfragen von hochbegabten Eltern, keine quälende Diskussion über Social Media, und für den Elternbeirat hat sich auch wieder jemand gefunden.
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war zu groß. / Kein Schatten auf des Landes Wasseruhren, / und auf den Fluren sind die Nazis los. // Den Früchtchen liegt es nah, randvoll zu sein; / sie freun sich auf die arischeren Tage: Die Rasse sucht Vollendung, keine Frage, (…)
Abo
Wenn sich Eliten zu Anwälten von »Opfern« machen, ist den Opfern im Zweifel weniger geholfen ist als den Eliten. Doch neben schlechten Anwälten gibt es auch sehr gute. Etwa Saba-Nur Cheema und Meron Mendel.
Mit Rainer Maria Rilke durchs Jahr: Da stieg er ein. O reine Übersteigung! / Ein Esel schreit! O AfD im Ohr! / Und alles schwieg. Doch unter der Verschweigung / ging in der Straßenbahn das Üble vor.
Robert Pfallers Reader »Klare Striche zu wunden Punkten« versammelt Gespräche und kleine Reden (übrigens auch zu Humor und schönen Autos), was den Effekt hat, dass sich dieselben Thesen in je anderen Worten wiederholen.
Und also stehst du da wie ohne Haupt; / da ist bloß Hintern und daran zwei Ohren, / wie man halt ist, ist man »intakt« geboren, / und wie’s der Herrgott schlampig drangeschraubt.
Identitätspolitik ist ja, wenn es drauf ankommt, wer spricht, und da ist es dann egal, wie man’s tut, solange die »Message« stimmt, und werde sie auch fadenscheinig unter Literatursignalen versteckt.
Die Juristen Christoph Möllers und Nils Weinberg haben in ihrem Buch »Öffentliche Kunstfreiheit« eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Eine Behörde kann ein Bild nicht einfach aus dem Verkehr ziehen. Die schlechte: Es gibt keinen Anspruch auf Förderung.
Kaum war nach dem frühen deutschen Ausscheiden die Trainerfrage offen, las ich wieder begeistert jede Zeile: Wie, gemessen an der Weltlage, nichtig! Wie, aus demselben Grund, mitreißend! Das »Virilquatsch«-System Klopp: »›Geil‹ und ›Power‹ sind die Eckpfeiler seines Universums.«
Abo
Im Funktionsdress alt vom Rade / steigen und ins Grün am Pfade / durch die Nase, dass es kracht, / rotzen: hättst du nie gemacht. // Um den Hitler nicht zu stählen / mal was halbwegs Linkes wählen / oder, später, mit Bedacht, / Willy: kam nicht in Betracht.
Abo
In einem kleinen, zarten Vortrag ging Norbert Elias dem »Fußballsport im Prozeß der Zivilisation« auf den Grund. Wer sich fragt, warum er trotz aller FIFA-Grotesken noch immer an diesem Sport hängt, wird hier fündig.