Gegründet 1947 Dienstag, 27. Januar 2026, Nr. 22
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben

Gedicht zeigen

  • 24.01.2026

    Herr und Hund

    Ja, ich weiß, es fällt nicht immer leicht. / Und dann steigt die Mühe, die es kostet, / Wie ein Preis, wenn er dem Wucher weicht. / Junges Eisen glänzt und altes rostet.
    Von Thomas Gsella
  • 17.01.2026

    Prisma

    Im Prisma fremder Zeiten geht ein Fenster auf, / Man sehnt sich nach Veränderung, dem Unterschied, / Und eingewoben ist in alles, was geschieht, / Ein Muster, das sich störrisch hält im Abverkauf.
    Von Andreas Paul
  • 10.01.2026

    Mir zur Feier

    Ich bin der, der Hundehaufen / liegenlassen als Arrest- / grund begreift und Böllerkaufen / gerne andern überlässt. // Ich bin der, der bei erklärten / Pointen nicht mehr drüber lacht.
    Von Stefan Gärtner
  • 03.01.2026

    Willy

    1945 war er acht. / Die Russen gaben ihm Brot und / 98prozentigen Schnaps. // Später saß er ein. / Wegen Asozialität.
    Von Florian Günther
  • 27.12.2025

    Widmung

    Dezembervögel / schwirren durchs Gesichts- / feld, fallen früh ins Dunkel, / flimmern, Brosamen gleich.
    Von Kai Pohl
  • 24.12.2025

    Friedensdenkschrift der EKD

    Die Kirchenväter klecksen in die Bücher, / Der Pazifismus sei nicht zeitgemäß. / Sie falten ihn in sanft papierne Tücher / Und putzen sich das rosige Gesäß.
    Von Marco Tschirpke
  • 20.12.2025

    Der christliche Festkreis

    Kauft man tausend Kilo Scheißdreck / Und verreckt an Katerwein, / Ist die Weihenacht im Anmarsch, / Humba, humba täterä.
    Von Thomas Gsella
  • 13.12.2025

    Die Betrogene

    Und als in völlig unverhoffter Röte / ihr Monat noch einmal dem Schritt entrann, / als wenn sich hier ein neues Leben böte / und finge mit der Jugend wieder an (…)
    Von Stefan Gärtner
  • 06.12.2025

    landadellitanei

    wir arbeiten so lange / an uns selbst / bis niemand sich mehr traut / uns zu berühren // wir reden so viel / über alles über alle / damit niemals jemand / gemeint sein muss.
    Von Vincent Sauer
  • 29.11.2025

    Fragment

    In dieser Gegend hatte man mich ausgesetzt: / schutzlose Häuser, Behelfsunterkünfte, / die Wolken: Projektionsflächen für schlimme Laserfinger.
    Von Kai Pohl
  • 22.11.2025

    Erdbeernasen in die Politik!

    Sie lungern / täglich / vor der alten / Kaufhalle herum. // Trinken / Schnaps und / sehen sich / die Leute an. // Den einen / kenne ich von / früher.
    Von Florian Günther
  • 15.11.2025

    Kassandro

    ​Neulich fiel mir wieder ein / Der Kollege Robert Kurz. / Ich erinnere mich, sein / Lebenswerk war dies: Den Sturz / Des Systems mit viel Behagen / Pro Quartal vorherzusagen. ​
    Von Marco Tschirpke
  • 12.11.2025

    Erntedank

    Wilder Reigen Erntedank / Bunte Bänder an Gewändern / In der Firma ist man krank / Was nicht ist lässt sich nicht ändern.
    Von Andreas Paul
  • 08.11.2025

    Tagebücher

    Heute morgen: Am Romane, / später gab’s mit Katja Tee. / Dazu sehr viel Post. »Die Fahne / hoch«? Wenn ich aufs Ende seh!
    Von Stefan Gärtner
  • 01.11.2025

    Mein tägliches Paris

    Jeden Morgen auf der Hunderunde / Schlürf ich »Café noir« und Gipfeli / »Pour une demi heure« (ne viertel Stunde) / Im »Café«, das nenn ich »Mon Paris«.
    Von Thomas Gsella
  • 25.10.2025

    Sosopol

    Rasieren am offenen Fenster, / im niemals endenden Rauschen, / 12 Meter über dem Meer.
    Von Kai Pohl
  • 18.10.2025

    Das Ende eines Traums

    Sie wissen: Wer nicht fragt, bleibt dumm, / So fragen mich recht viele. / Seit Jahren fragen sie, warum / Ich nicht für Deutschland spiele.
    Von Thomas Gsella
  • 11.10.2025

    Der Erwählte

    Wenn der Bruder mit der Schwester – / nein, wir malen’s uns nicht aus. / Denn erst ruft wer: »Fester, fester!«, / und dann kommt ein Kind heraus.
    Von Stefan Gärtner
  • 04.10.2025

    Mitte im Schatten des Tairauqitna

    Neptunbrunnen, Bombenloch in schwarzem Gips. / Auf der Stadtbahntrasse Gentlemen mit Schlips, / Vollzeitopfer, die das Leergut tragen. / Nachts zur Weltzeit hat der Fuchs das Sagen.
    Von Kai Pohl