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»Berlin Security Conference«

Im Rüstungslabyrinth

Bei der »Berlin Security Conference« versammeln sich Techfirmen, Waffenproduzenten und -lobbyisten. »Special guest« ist der ukrainische Präsident Selenskij

Von Annuschka Zak
Foto: Annuschka Zak
Mit Invasionen kennt sich die israelische Waffenschmiede Elbit Systems ja aus: Ausstellungsstück auf der »BSC 2026« (Berlin, 3.11.2026)

Das Networking beginnt schon in der Schlange. Bei drei Grad Außentemperatur sind die Anzugträger ohne Jacke not amused über die organisatorischen Schwierigkeiten, die zu einer ewigen Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle führen. Bis zu drei Stunden warteten die Teilnehmer der »Berlin Security Conference« am Dienstag morgen auf Einlass, ganz schön lang bei einem Ticketpreis von rund 3.500 Euro. Der angekündigte »Special guest« könne der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sein, wird gemunkelt. Ein Startupper in auffälligen Ledermokassins sucht das Gespräch mit einem KfW-Banker, der für Rüstung zuständig ist. Schade: Die Eröffnungsrede von Marie-Agnes Strack-Zimmermann haben sie verpasst.

Die Berliner »Sicherheitskonferenz« findet zum 25. Mal statt, das Vienna House in Lichtenberg hat sich in eine Art Rüstungslabyrinth verwandelt. Das Who’s who der Kriegsindustrie trifft sich hier mit Politik und Kapital: 111 Ausstellerfirmen haben ihre Stände aufgebaut. Unter ihnen Hensoldt, IAI, Taurus Systems, die Bundeswehr, Unternehmerverbände, Siemens, Microsoft. Und viele andere, die ein Stück vom Kuchen abhaben möchten. Diesjähriges Partnerland der Konferenz ist Litauen, Staatschef Gitanas Nausėda eröffnete die Konferenz. Themen laut Website: Bekämpfung der anhaltenden »russischen Einmischung«, EU und NATO: Synchronisierung von Abschreckung und Verteidigung, »Indopazifikraum« und die Initiative »ReArm Europe«. Ein Fokus liege auch auf »hybrider Kriegführung und unbemannten Systemen«.

»Russland ist unsere größte Bedrohung, nutzt konventionelle und hybride Bedrohungen gegen uns«, leutet Eva-Charlotte Proll, Chefredakteurin und Herausgeberin des Behördenspiegel, die Diskussionsrunde im Kellersaal des Hotels ein. »Abschreckung durch Wachsamkeit: Wie lässt sich die russische Einmischung eindämmen?« ist das Thema der ordengeschmückten Sprecher. Die Russische Föderation nutze »die Eskalation zur Umsetzung ihrer imperialen Interessen«, sagt der Verteidigungsminister des Kosovo ins Mikrofon. Er wirbt für eine schnelle »Integration der Westbalkanstaaten« in die EU. Detlef Wächter, Ständiger Vertreter der BRD im NATO-Rat und Leiter der Ständigen Vertretung bei der NATO in Brüssel, meint zu wissen: »Was Russland macht, ist ein Zeichen der Verzweiflung, nicht der Stärke.« Der Befehlshaber des Allied Joint Force Command Brunssum, Bundeswehr-General Ingo Gerhartz, bringt – wieder einmal – das Jahr 2029 aufs Tapet. Vielleicht gäbe es bis dahin einen Fall des Artikels 5. Der NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 des Washingtoner Vertrags besagt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein NATO-Mitgliedsland als ein Angriff gegen alle Mitglieder des Kriegsbündnisses gewertet wird. »Solange der Kreml sieht, dass ihr immer noch Visa an Russen verteilt«, nuschelt Generalleutnant (a. D.) Frederick Benjamin Hodges, ehemaliger Kommandierender General der US-Armee in Europa, mit breitem amerikanischem Akzent. Und führt seinen Satz nicht zu Ende. Ihm ginge es nicht um eine bessere Verhandlungsposition Kiews, nein, die Ukraine müsse »Russland besiegen. Dann fliegen auch keine Drohnen mehr am Leipziger Flughafen rum.«

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Wo man hinschaut, tummeln sich Anzugträger und Uniformierte zwischen Ständen mit den ausgestellten Drohnen und anderem Kriegsgerät. »Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich einzubringen für die Sicherheit Deutschlands und Europas«, sagt Torsten Grundmann vom Reservistenverband. Als Jugendlicher sei er Abonnent von junge Welt gewesen. Es riecht nach Hähnchen, die Warteschlangen an den Buffets sind lang. Der Sprecher des israelischen Waffenproduzenten Elbit Systems Germany möchte junge Welt kein Statement geben, er kenne die Berichterstattung der Zeitung.

»Wir sind ein ganz klassischer Wirtschaftsverband«, erklärt Reinhold von Ungern-Sternberg vom Verband »Der Mittelstand BVMW« an seinem vergleichsweise schlichten Stand. Wenn Unternehmen merkten, dass es in der Autoindustrie weniger zu holen gibt, dafür aber im Verteidigungssektor mehr, dann überlegten sie: Wie kann man Geld verdienen, und wie kann man zudem einfach Mitarbeitende weiterbeschäftigen? »Da hängen ganze Familien und Regionen dran«, so von Ungern-Sternberg gegenüber junge Welt. Genau wie in den Gebieten, die durch Kriegsgerät zerstört werden. Am späten Nachmittag verstärkt die Polizei noch einmal ihr Aufgebot vor dem Hotel, Autos und Straßenbahn kommen nicht mehr durch. Die Gerüchte stimmten: Selenskij ist da.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.11.2026, Seite 4, Inland

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