Große, schöne Schulden
Am Dienstag beginnt in Abu Dhabi eine weitere Runde der Verhandlungen zwischen USA, Russland und der Ukraine. US-Präsident Donald Trump kündigte am Donnerstag an: »Es wird ein großes, schönes Abkommen werden, und alle werden begeistert sein.« Es werde mehr als die Ukraine, es könnte »ganz Europa umfassen«. In deutschsprachigen Zeitungen schrillen verschiedene Alarmglocken.
Die FAZ meldet am Sonnabend direkt aus dem Kopf des russischen Präsidenten: »Man weiß schließlich, welche ›Friedensordnung‹ Putin sich für Europa vorstellt: eine, über die seine Panzer wachen. Und man weiß, dass Trump Putin aus der Hand frisst, wenn der ihm gute Geschäfte in Aussicht stellt. Gut für den Trump-Clan, aber schlecht für die Ukraine, die Opfer eines solchen Deals werden würde. Die Folgen, die es für das freie Europa hätte, wenn Putin sich die Ukraine unterwerfen und danach auch noch deren militärisches Potential für seine imperialistischen Pläne einsetzen könnte, waren Trump schon immer egal. Die Europäer müssen daher jetzt so intensiv wie möglich auf die Politiker in der Trump-Administration und im alten wie im neuen Kongress einwirken, die dem Präsidenten in den Arm fallen könnten, wenn er Putin die Ukraine schenken beziehungsweise verkaufen will, um als Friedenspräsident in die Geschichte einzugehen.«
Auch die Neue Zürcher Zeitung kennt das Gesprächsergebnis vorab: »Weil Verhandlungen mit Wladimir Putin ein ums andere Mal im Sand verliefen, drehen Steve Witkoff und Jared Kushner, die Sonderemissäre des amerikanischen Präsidenten, nun am ganz großen Rad: Eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa wollen sie mit den Russen vereinbaren. Das ergibt einen gewissen Sinn. Es ist genau das, was der russische Diktator immer wollte und was er seinem Volk als Sieg verkaufen könnte. Putin geht es um das Abstecken der russischen Einflusssphäre in Europa, das Zurückdrängen der NATO aus Osteuropa, die Anerkennung der territorialen Eroberungen in der Ukraine.«
Die Welt am Sonntag merkt dagegen an, dass die Westeuropäer zwar wegen des herbeikommentierten Trump-Putin-Komplotts angstvoll tun, vor allem aber ein reales Problem haben: Ihnen mache »auch die finanzielle Unterstützung der angegriffenen Ukraine zu schaffen. Das Volumen der EU-Kredite für das Land dürfte auf mehr als 200 Milliarden Euro steigen. Die bisherigen EU-Kreditprogramme summieren sich auf rund 166 Milliarden Euro. Zusätzlich sind für 2027 rund 46 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.« Die Zeitung schlussfolgert: »Die gemeinsame Aufnahme von Krediten – aus Sicht Deutschlands lange Zeit ein Tabu – wird im Angesicht des Krieges offenbar normal.« (as)
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