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Jugendproteste

Gen Z legt los

Früher als erwartet: Während sich die Repressionsorgane in Stellung bringen, beginnt der Jugendprotest mit ersten Uniblockaden

Von Annuschka Zak
Foto: Jasmine Rochereul
Kein Bock auf Kriegsvorbereitungen: Studenten blockieren das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität (Berlin, 28.10.2026)

Es brodelt – auch in der Bundesrepublik. In mehr als 20 Städten haben Schüler und Studenten zu Demonstrationen am Sonnabend mobilisiert, doch die »Generation Z« wartet nicht brav ab: Schon am Mittwoch legte sie in einigen Städten los. Wer hinter dem Bündnis »Gen Z regelt«, das die Proteste organisiert, steckt, ist bisher nicht abschließend geklärt.

»In verschiedenen europäischen Ländern lehnt sich die Jugend gegen die Krise des Kapitalismus auf«, sagte Luis, Student an der Freien Universität (FU) Berlin, am Mittwoch nachmittag gegenüber junge Welt. Es sei an der Zeit, diese Bewegung an die FU zu tragen und auch hier mit möglichst vielen Kommilitonen und Kollegen den Kampf gegen Kürzungen und Kriegsvorbereitungen zu organisieren, so Luis, der aktiv beim »Gen Z regelt FU«-Komitee und bei »Waffen der Kritik« mitwirkt.

Am Mittwoch hatten die Studenten des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft an der FU frei: Mit einer Blockade protestierten um die hundert jungen Demonstranten gegen Kürzungspolitik und Militarisierung. »Der TU fallen die Gebäude auseinander, und uns an der FU werden nun bald die letzten Reste kritischer Lehre ersatzlos gestrichen. Wir nehmen den anhaltenden Sozialabbau, die Aussicht auf den Schützengraben statt auf Seminar und Ausbildung und die Zerstörung unserer Hochschulgebäude durch gezielte Unterfinanzierung nicht hin«, prangerte das Aktionskomitee in einer Pressemitteilung an. »Gen Z regelt« sei berlinweit zu Grundübereinstimmungen gekommen. »Wir sprechen uns gegen die Militarisierung und Aufrüstung Deutschlands, die Einführung der Wehrpflicht und die Komplizenschaft in Kriegsverbrechen aus«, so die Studierenden, die zur Teilnahme an den Protesten am Sonnabend aufrufen. Die Demo ist angemeldet: »Eine Versammlung ist mit 10.000 Teilnehmenden für 14 Uhr am Brandenburger Tor von dem Bündnis ›Gen Z regelt‹ angezeigt«, bestätigte Polizeioberkommissarin Anika Keller am Mittwoch gegenüber junge Welt.

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Die Proteste der »Generation Z« haben auch Hamburg erreicht, wo Demonstranten ein Gebäude der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) blockierten. Die unangekündigte Aktion auf dem Kunst- und Mediencampus Finkenau begann gegen 7.30 Uhr und zog laut polizeilichen Angaben etwa 50 Teilnehmer an. Aufnahmen eines dpa-Reporters belegen, dass die Eingänge mittels Baustellenabsperrungen und Mülltonnen versperrt wurden, während Slogans wie »Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft« durch ein Megafon gerufen wurden.

Indes schlottern die Einsatzbehörden der BRD weiter vor Schülern und Studenten: Es gehöre zur bekannten Vorgehensweise linker Akteure, »vorhandene und legitime demokratische Diskurse zu beeinflussen, diese um ihre ideologischen Positionen zu ergänzen und gesellschaftlichen Protest zu radikalisieren«, erklärte der Inlandsgeheimdienst Verfassungsschutz am Mittwoch im Handelsblatt. Er warnte zudem vor Teilen der »linksextremistischen Szene«, die zu den bundesweiten Schülerprotesten aufrufe, und vor »Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus«. Laut Bundesinnenministerium überwacht der Inlandsgeheimdienst verstärkt einschlägige Internetseiten und soziale Netzwerke.

Kleiner Vorgeschmack: »Gerade auch in der Innenstadt wird am Sonnabend eine sehr starke Polizeipräsenz sichtbar sein, auch Drohnen werden zum Einsatz kommen. Eines ist klar: Krawallmacher werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln aus ihrer vermeintlichen Anonymität holen und sehr konsequent gegen solche Straftäter vorgehen«, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth aus Hamburg schon am Montag gegenüber jW.

Während die Repressionsorgane für Sonnabend aufrüsten – nicht nur verbal –, unterstützt die GEW die jungen Menschen – zumindest verbal. »Die Bedingungen in unseren Schulen sind so schlecht!« betonte Markus Harnisch, Sprecher der GEW Berlin, im Gespräch mit jW. »Wir können das Bedürfnis der Schülerinnen und Schüler, zu protestieren, sehr gut nachvollziehen und begrüßen es auch, wenn Schülerinnen sich für ihre Rechte einsetzen«, so Harnisch am Mittwoch. Es sei wichtig, dass die Jugend sich selbst für ihre Interessen einsetze.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.10.2026, Seite 4, Inland

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