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Sechzehn Tonnen Kleinholz
Auf die Ohren: Die gutgelaunte Holzfällersport-WM in Stuttgart
Am vergangenen Wochenende standen in der Stuttgarter Porsche-Arena die 21. Weltmeisterschaften im Holzfällersport an. Wie wenige andere Sportarten ist dieser mit dem Namen eines Unternehmens verknüpft. An dem Maschinenbauunternehmen Stihl aus Waiblingen in Baden-Württemberg, das ein Patent auf den Namen »Timbersport« besitzt, kommt niemand vorbei, der sich über Holzfällersport kundig machen will. Im Internet betreibt die Firma alle entsprechenden Plattformen. Auch die WM läuft unter dem Namen Stihl Timbersports World Championships.
Stihl wurde 1926 gegründet. Seit Anfang der 70er Jahre ist sie die weltweit führende Marke für Motorsägen. Wettbewerbe im Holzfällersport veranstaltet Stihl seit den 80er Jahren in den USA. Dank eines ausgefeilten Marketingkonzepts breitete sich der Sport bald weltweit aus. Er war wesentlicher Bestandteil der Anfang der 2000er Jahre vom Sportfernsehsender ESPN veranstalteten »Great Outdoor Games«.
Die Ursprünge des Holzfällersports liegen im Australien des späten 19. Jahrhunderts. Forstarbeiter, die für die Anzahl gefällter Bäume bezahlt wurden, sollen sie veranstaltet haben. Daher stammt auch der bis heute verwendete Werbeslogan »Original Extreme Sport«.
Im Holzfällersport gibt es mehrere Disziplinen, bei denen mit Axt, Zugsäge oder Motorsäge Bäume durchschnitten werden müssen. Die Disziplinen tragen Namen wie »Standing Block Chop« und »Single Buck«. Als Königsdisziplin gilt »Hot Saw«: Hier wird mit spezialgefertigten, 80 PS starken, 30 Kilogramm schweren Motorsägen mehrere Male ein Baumstamm mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern durchschnitten.
Die Timbersports World Championships gibt es seit 2005. Es gewinnt, wer nach sechs Disziplinen die höchste Punktezahl hat. Es treten zwölf Athleten an. Der Teamwettbewerb wird als Staffel mit vier Disziplinen ausgetragen. Ungefähr 16 Tonnen werden bei einer WM zu Kleinholz verarbeitet.
Obwohl die stärksten Athleten aus Neuseeland, Australien und den USA kommen, finden die Weltmeisterschaften in Europa statt. In Neuseeland, Australien und den USA gibt es eigene prestigeträchtige Wettbewerbe. Stuttgart war nach 2013 und 2023 zum dritten Mal Veranstalter. Dreimal fand die WM in Bayern statt: 2007 und 2008 in Oberstdorf, 2021 in München. Die WM in diesem Jahr war eine besondere, da Stihl seinen 100. Geburtstag feierte.
Zum ersten Mal gab es 2026 auch eine WM für Frauen. Allerdings nicht am vergangenen Wochenende in Stuttgart, sondern im Juni in Budapest. Dort kämpften auch die »Rookies« der Männer (jünger als 25) um den WM-Titel. Die erste Weltmeisterin bei den Frauen kommt aus Kanada: Andrea Hand setzte sich vor der Tschechin Karolina Urbanová und der US-Amerikanerin Lauren Bergman durch. Die 53jährige Veteranin Alrun Übing aus Rheinland-Pfalz wurde starke Siebte. Bei den Rookies gewann Mathew Gower aus Neuseeland.
Wettbewerbe im Holzfällersport ähneln Turnieren im Darts. Es ist Stimmung in der Halle. Mit 6.500 Fans an beiden Tagen war die Arena in Stuttgart ausverkauft. Viele Tickets gingen an Angestellte von Stihl, von denen es in Deutschland rund 6.000 und weltweit 20.000 gibt. Auch der junge Familienvater Felix erhielt seine Tickets über eine beim Unternehmen angestellte Verwandte. In den Stuttgarter Nachrichten fasste er die Atmosphäre so zusammen: »Laut, bunt, viele Lichter und einfach eine super Stimmung. Die Athleten wirken locker und als ob sie selbst auch Spaß hätten. Das ist einfach was ganz anderes und gefällt mir gut.«
Im Teamwettbewerb sah das Publikum einen neuen Sieger. Erstmals gewann weder Neuseeland noch Australien, sondern Kanada – und das auch noch in der neuen Weltrekordzeit von 41,30 Sekunden. Im Finale bezwangen die Kanadier die USA, Australien landete auf Platz drei. Deutschland war im Viertelfinale klar an Australien gescheitert.
Auch im Einzel kommen die Weltmeister in der Regel aus Neuseeland oder Australien. Erst dreimal konnte sich ein US-Athlet durchsetzen, zuletzt 2024. In diesem Jahr war wieder Australien an der Reihe. Der 31jährige Brayden Meyer gewann nach 2019 seinen zweiten Titel. Silber holte Matthew Cogar aus den USA, Bronze der Kanadier Ben Cumberland. Der neuseeländische Titelverteidiger Jack Jordan war nicht am Start, da er in der neuseeländischen Ausscheidung an seinem Bruder Shane Jordan gescheitert war. Dieser belegte bei der WM Platz vier. Bester Deutscher war der 38jährige Hesse Danny Martin auf Rang zehn.
2023 hatte Martin bei der WM in Stuttgart sensationell Bronze gewonnen. Der Niederbayer Robert Ebner holte 2012 in St. Johann in Tirol gar Silber. Martin und Ebner verbleiben bei je sieben deutschen Meistertiteln. Rekordsieger ist der 2021 bei einem Schneemobilunfall tödlich verunglückte Dirk Braun aus Winterberg in Nordrhein-Westfalen. Braun wurde 2007 und 2008 auch Europameister. Neben den dreien konnte sich bei den seit 2001 ausgetragenen Deutschen Meisterschaften bisher nur ein weiterer Athlet in die Siegerliste eintragen: Der Schwarzwälder Werner Brohammer holte von 2001 bis 2004 die ersten vier Titel.
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