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Schneefall passt nicht in den Plan
Aus deutscher Sicht vorzüglich: Der Auftakt der Alpinen Skiweltcupsaison am Rettenbachgletscher bei Sölden
Am vergangenen Wochenende begann die 61. Weltcupsaison im Alpinen Skilauf. Seit 26 Jahren wird der Auftakt mit einem Riesentorlauf für Damen und Herren am Rettenbachgletscher bei Sölden im Tiroler Ötztal gefeiert. Beide Rennen konnten heuer durchgeführt werden, was schon einmal als Erfolg zu verbuchen war. Der Klimawandel macht die Gletscherrennen nicht einfacher. Der einzige Schönheitsfehler: Der Start des Riesentorlaufs der Damen am Sonnabend verzögerte sich um eine halbe Stunde, weil es geschneit hatte. Das passt nicht in den Plan, wenn man wochenlang eine Kunstschneepiste präpariert hat. Bevor es losgehen konnte, musste der Neuschnee also weg, um das gefrorene Salzwassergemisch wieder zum Glänzen zu bringen.
Der frühe Weltcupauftakt dient vor allem der Skiindustrie, die das Wintergeschäft bewerben muss. Den Athleten dient er zur Standortbestimmung. Aus deutscher Sicht verlief er diesmal vorzüglich.
Beim besagten Riesentorlauf der Damen belegte Emma Aicher (SC Mahlstetten) Rang drei. Es war ihr mit Abstand bestes Riesentorlaufergebnis im Weltcup. In allen anderen Disziplinen hatte die 22jährige schon auf dem Podest gestanden. Das wortkarge Ausnahmetalent wechselte 2020 vom schwedischen Verband in den deutschen, was ihr aus Baden-Württemberg stammender Vater möglich machte.
Mit ihrem starken Auftritt in Sölden untermauerte Aicher ihre Rolle als Favoritin für den Gesamtweltcuptitel 2026/27. Im Vorjahr wurde sie noch knapp Zweite hinter US-Superstar Mikaela Shiffrin. Shiffrin führte in Sölden nach dem ersten Durchgang, fiel jedoch auf Rang sieben zurück. Aichers Chancen haben sich mit Shiffrins Ankündigung, weniger Slalomrennen zu fahren, enorm verbesseret. Im Vorjahr gewann Shiffrin neun von zehn Slaloms und wurde einmal Zweite. Damit legte sie die Basis für den Gesamtweltcupsieg; ohne die Punkte aus ihrer Paradedisziplin wird dieser im heurigen Winter um einiges schwieriger. Andere Konkurrentinnen sind für Aicher kaum in Sicht. Stark zeigte sich in Sölden auch Kira Weidle-Winkelmann (SC Starnberg). Die Abfahrtsspezialistin fuhr erst ihren zweiten Weltcupriesentorlauf überhaupt und dabei auf Rang 26. Dagegen hatte sich Technikroutinier Lena Dürr (SV Germering) mehr als Rang 22 ausgerechnet.
Der Sieg ging an die US-Amerikanerin Paula Moltzan, die ihr erstes Weltcuprennen gewann. Mit 32 Jahren ist sie die älteste Siegdebütantin, die es je im Weltcup gab. Nur um eine Hundertstelsekunde geschlagen geben musste sich die für Albanien startende Italienerin Lara Colturi. Auch für sie wäre es der erste Sieg in einem Weltcuprennen gewesen. Doch Colturi ist erst 19, und ihr erster Sieg dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Auch bei den Herren fuhren drei Läufer des Deutschen Skiverbandes in die Punkteränge. Fabian Gratz (TSV Altenau) bestätigte seine starke Form aus dem Vorjahr mit einem sechsten Platz. Anton Grammel (TV Kressbronn) schob sich mit einem starken zweiten Lauf von Rang 30 auf Rang 15 vor. Alexander Schmid (SC Fischen) fiel nach einem schwächeren zweiten Lauf von Platz neun auf Platz 21 zurück. Doch der ehemalige Weltklasseläufer kommt nach zwei Kreuzbandrissen der Spitze immer näher.
Der Sieg ging an Lucas Pinheiro Braathen, der ebenfalls einen Verbandswechsel hinter sich hat. Nach einem Streit um seinen Privatsponsor verließ er das norwegische Team 2023 und fährt seit 2024 für das Heimatland seiner Mutter, Brasilien. Hinter ihm reihten sich in Sölden die Schweizer Stars Loïc Meillard und Marco Odermatt ein. Odermatt, Gesamtweltcupsieger der letzten vier Jahre, wird dieser Titel auch heuer trotz einer Kampfansage von Braathen nur schwer zu nehmen sein. In den Speed-Disziplinen ist er Braathen und anderen Technikspezialisten weit voraus.
Der Alpine Skiweltcup läuft schleppend an, was kein Wunder ist, denn Winter ist es noch nirgends so richtig. Im November stehen nur Slaloms für Damen und Herren im finnischen Levi (14.–15.11.) und im österreichischen Gurgl (21.–22.11.) auf dem Programm, bevor es Ende des Monats in die USA geht. Dort fahren die Damen einen Slalom und einen Riesentorlauf in Killington, während für die Herren das erste Speed-Wochenende in Copper Mountain ansteht.
In Deutschland wird der Weltcuptross für Speed-Rennen in Garmisch-Partenkirchen haltmachen. Die Herren tragen dort am 20. und 21. Februar eine Abfahrt und einen Super-G aus, die Damen am 27. und 28. Februar zwei Abfahrten. Die Rennen finden nach der Alpinen Ski-WM in Crans Montana statt und läuten das Saisonfinale ein. Möglicherweise zeichnet sich dann bereits ein Gesamtweltcuptitel für Emma Aicher ab. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
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