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Ski Alpin

Die Zukunft liegt in der Halle

In Sölden startet am Wochenende die 61. alpine Skiweltcupsaison

Foto: Pontus Lundahl/TT News Agency via REUTERS
Es geht bergab

An diesem Wochenende beginnt die 61. Saison des Alpinen Skiweltcups mit Riesenslaloms für Männer und Frauen am Rettenbachgletscher bei Sölden im Tiroler Ötztal. Nichtskifans wundern sich jedes Jahr, warum die Saison lange vor dem eigentlichen Winter beginnt, doch dafür gibt es eine einfache Erklärung: Für die Skiindustrie ist der frühe Weltcupauftakt wichtig, um die Werbetrommel für die kommende Skisaison zu rühren. Schließlich sollen Hotels gebucht und die neueste Ausrüstung an die Kunden gebracht werden.

Den frühen Termin zu halten, wird freilich immer schwieriger. Der Klimawandel macht dem Skisport zu schaffen. In diesem Sommer gab es auf keinem der Alpengletscher einen kontinuierlichen Skibetrieb. Es war schlicht zu warm. Dadurch fehlt nicht nur der Schnee auf den Pisten, auch die Lifte werden aufgrund der Gletscherschmelze instabil. Am Matterhorngletscher bei Zermatt blieb ein weißes Band übrig, das jedoch ausschließlich dem Schweizer Skiteam zur Verfügung stand. Andere Teams mussten andere Lösungen finden. Dazu zählten neben zusätzlichen Reisen nach Südamerika (Argentinien und Chile) oder Neuseeland auch das Training in Skihallen. Im Alpincenter Hamburg-Wittenburg machten Slalomasse aus mehreren Ländern Station. Auf den wenigen Pisten, die ab Herbst in den Alpen befahrbar waren, wurde um Plätze gefeilscht. Teilweise waren zehn Kurse für ebenso viele Teams nebeneinander gesteckt.

Weltweit gibt es etwa 130 Skihallen. Die größte steht seit 2024 in Shanghai. Darin hat sogar eine Gondelbahn Platz. In Europa werden rund 30 Skihallen betrieben, nicht nur an Orten wie Hamburg-Wittenburg, sondern auch in Wintersportregionen. Seit 2020 gibt es etwa in Oslo eine 36.000 Quadratmeter große Halle. In Österreich fordert die Präsidentin des Österreichischen Skiverbandes, Roswitha Stadlober, vehement eine eigene. Dafür sollen die Steuerzahler aufkommen, Skifahren sei schließlich Teil der österreichischen Identität. Stadlober gibt sich kompromisslos: »Wenn wir in Österreich die Skisport-DNA weiterhin in uns tragen wollen, braucht es eine Skihalle.«

Zurück zur kommenden Saison: Nicht am Start sein wird der achtfache Weltcupgesamtsieger Marcel Hirscher aus Österreich. Vor zwei Jahren wagte Hirscher nach fünfjähriger Pause ein Comeback im Team der Niederlande, das Land, aus dem seine Mutter stammt. Er belegte in Sölden Rang 23, riss sich jedoch wenige Wochen später das Kreuzband. Nun will er es, mittlerweile 37jährig, noch einmal wissen, fühlt sich für die Rennen am Wochenende allerdings noch nicht fit genug. Warum kommt er überhaupt noch einmal zurück? Böse Zungen behaupten, es gehe um die Vermarktung seiner 2021 gegründeten Skifirma, er selbst feiert die sportliche Herausforderung.

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Hirscher gewann den Gesamtweltcup von 2012 bis 2019 achtmal in Folge. Es schien ein Rekord für die Ewigkeit zu sein. Doch nun kommt ihm der Schweizer Marco Odermatt schon gefährlich nahe. Odermatt gewann den Gesamtweltcup zuletzt fünfmal hintereinander, und auch in diesem Jahr kann ihm wohl nur eine Verletzung in die Quere kommen. Zu regelmäßig fährt er in drei von vier Disziplinen (Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf) aufs Podest. Ein ernst zu nehmender Konkurrent ist nicht in Sicht.

Schwieriger dürfte die Titelverteidigung bei den Damen ausfallen. Im Vorjahr holte US-Superstar Mikaela Shiffrin ihren insgesamt sechsten Gesamtweltcuptitel, doch konnte sie diesen erst im allerletzten Rennen sichern. Ihre Herausforderin war die erst 22jährige, für den SC Mahlstetten startende Emma Aicher, die 2020 vom schwedischen zum deutschen Verband wechselte. Aicher ist die einzige Rennläuferin, die in allen Disziplinen an den Start geht und regelmäßig punktet. Sie sollte auch in diesem Jahr Shiffrins größte Konkurrentin sein. Ihre wortkargen Interviews sind Kult.

Bei den Damen werden in Sölden für den DSV vier weitere Läuferinnen an den Start gehen: die Routiniers Lena Dürr (SV Germering) und Kira Weidle-Winkelmann (SC Starnberg) sowie Fabiana Dorigo (TSV 1860 München) und Jana Fritz (TSG Reutlingen). Auch bei den Männern stehen insgesamt fünf Läufer auf der Liste: Fabian Gratz (TSV Altenau), im Vorjahr 11. im Riesenslalomweltcup, der ehemalige Topläufer Alexander Schmid (SC Fischen), der sich nach zwei Kreuzbandrissen wieder an die Spitze herangekämpft hat, Anton Grammel (TV Kressbronn, 17), Jonas Stockinger (SC Herzogsreut, 25) und der Weltcup-Debütant Nickco Palamaras (SC Garmisch), der bei Trainingsrennen in Südamerika überzeugen konnte.

Für den Internationalen Skiverband FIS, der den Alpinen Skiweltcup betreibt, ist in diesem Jahr einiges neu. Im Juni 2026 wurde beim FIS-Kongress mit dem 58jährigen Rechtsanwalt Alexander Ospelt aus Liechtenstein ein neuer Präsident gewählt. Ospelt setzte sich hauchdünn gegen den 64jährigen schwedisch-britischen Unternehmer und Multimillionär Johan Eliasch durch, der das Amt 2021 als Quereinsteiger übernahm. Eliasch versprach, der FIS höhere Einnahmen zu bescheren, hinterließ jedoch einen finanziellen Scherbenhaufen. Geld blendet. Ob Ospelt bessere Arbeit macht, wird sich zeigen. Die Zukunft des Skisports ist keine einfache.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.10.2026, Seite 16, Sport

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