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Nahostkonflikt

Riads Kriegsallianz wird größer

Jemen: Schwere Angriffe der Ansarollah. Emirate und Ägypten kommen Saudis zu Hilfe

Foto: Abdulnasser Alseddik/AP Photo/dpa
Der von Saudi-Arabien mit Krieg überzogene Jemen ist zugleich von Hunger und Dürre betroffen (Ras Imran, 20.10.2026)

Der Krieg im Jemen weitet sich schier unaufhaltsam aus: Bei einem Raketenangriff auf ein Trainingslager in der zentraljemenitischen Provinz Schabwa haben die Ansarollah am Montag 58 jemenitische Einsatzkräfte getötet und 200 verletzt, zitiert Al-Dschasira den Gouverneur der Provinz. Laut einem Sprecher der von Saudi-Arabien unterstützten »Jemenitischen Streitkräfte« habe die im Westen als »Huthis« bekannte Gruppe drei ballistische Raketen auf das Lager Al-Alam nahe der Stadt Atak abgefeuert, so die BBC. Das Lager diene als Ausbildungszentrum für Rekruten der Streitkräfte und der Polizei. Da es sich um eine Einrichtung für Kräfte der inneren Sicherheit und kein militärisches Ziel handle, stelle der Angriff laut Informationsminister Moammar Al-Erjani ein Kriegsverbrechen dar. Die Behörden in Schabwa hatten den Anschlag zuvor als »feigen Terrorakt« bezeichnet. Der Militärsprecher der Ansarollah, Jahja Sari, erklärte, die Raketen hätten eine Ansammlung von Kräften des »saudischen Feindes« getroffen, das Lager werde von saudischen Offizieren betrieben.

Bei Kämpfen und Luftangriffen in der Provinz Tais im Südwesten des Landes wurden an den vorhergehenden Tagen 129 Ansarollah-Kämpfer getötet und 176 weitere verletzt, teilten die »Jemenitischen Streitkräfte« laut Agentur Anadolu am Montag abend mit. Tais, mit rund 1,5 Millionen Einwohnern nach der Hauptstadt Sanaa die zweitgrößte Stadt des Landes, ist nahezu vollständig abgeriegelt. Das Welternährungsprogramm hatte vergangene Woche bekanntgegeben, dass es dort keinen Zugang zu mehr als 600.000 Menschen hat, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Ein saudischer Luftangriff auf ein Wohnhaus in der von den Ansarollah kontrollierten nördlichen Provinz Saada habe am Sonntag mindestens zehn Menschen das Leben gekostet und 23 weitere verletzt, darunter Frauen und Kinder. Laut Angaben des jemenitischen Gesundheitsministeriums in Aden von vergangener Woche wurden seit dem 6. August bei den Kämpfen im Land mindestens 1.282 Menschen getötet.

Unterdessen wächst die Front gegen die Ansarollah. So haben sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bereiterklärt, im Krieg wieder eine aktivere Rolle zu übernehmen und Zahlungen an die sogenannten Südlichen Streitkräfte im Jemen wiederaufzunehmen, berichtete der Guardian am Sonnabend. Im Gegenzug habe Saudi-Arabien zugesagt, den »Jemenitischen Streitkräften« auch weiterhin mit der Luftwaffe beizustehen. »Die neue Kooperationsvereinbarung ist das erste konkrete Anzeichen dafür, dass sich der tiefe Graben zwischen den VAE und Saudi-Arabien über die Zukunft des Jemen allmählich schließt«, heißt es im Guardian weiter.

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Während für Saudi-Arabien seit Kriegsbeginn 2015 die Bekämpfung der Ansarollah im Norden und Westen im Mittelpunkt stand, hatten die Emirate Separatisten mit Aussicht auf eine mögliche Abspaltung Südjemens unterstützt. Im Januar erklärten die VAE jedoch, sich vollständig aus Jemen zurückzuziehen, und kappten daraufhin ihre Finanzströme, nachdem Saudi-Arabien Waffenlieferungen der Emirate für die Südstreitkräfte bombardiert hatte. Die Wiederaufnahme ihrer Finanzierung durch die Emirate erfolgte, nachdem die Ansarollah nicht nur Ziele nahe der Frontlinie im Norden und Westen, sondern in den vergangenen Tagen auch vermehrt Aden im Süden angegriffen hatten. Dort befinden sich Teile der international anerkannten, jedoch seit Jahren verfassungsrechtlich illegitimen Regierung. Vergangene Woche haben die Ansarollah in der bedeutenden Hafenstadt den Flughafen sowie den Präsidentenpalast mit Raketen beschossen und dabei mindestens fünf Personen getötet.

Auch Ägypten könnte wieder aktiv in den Krieg einsteigen. So erklärte Präsident Abd Al-Fattah Al-Sisi, er werde eine Sondersitzung des Parlaments einberufen, um den Streitkräften seines Landes die Befugnis zu erteilen, Saudi-Arabien zu verteidigen. In einer Rede am Sonnabend bat er um Zustimmung und erklärte, Ägypten werde »unsere Brüder am Golf niemals, niemals vergessen«. Außerdem versicherte Sisi der saudischen Staatsführung, Kairo werde »alle notwendigen Maßnahmen zu ihrem Schutz ergreifen«. In den Jahren nach Kriegsbeginn 2015 war die ägyptische Marine bei der Durchsetzung der saudischen Seeblockade gegen Jemen im Roten Meer aktiv, zog sich später jedoch zurück. Ein erneutes Einschreiten werde voraussichtlich keine Präsenz im Jemen selbst bedeuten, sondern Luftabwehr sowie maritime Operationen wie die Bekämpfung von Piraterie und den Schutz der saudischen Küste umfassen, erläuterten Militäranalysten gegenüber Reuters. Eine Abstimmung im ägyptischen Parlament wird kommende Woche erwartet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.10.2026, Seite 7, Ausland

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