»Ripley will unsere Organisation schwächen«
Das chilenische Unternehmen geht in Peru gegen Gewerkschafter vor. Ein Gespräch mit Hugo Visosa
Ihre Gewerkschaft Sutragrisa streitet für bessere Arbeitsbedingungen in peruanischen Filialen des chilenischen Einzelhandelsunternehmens Ripley. Wie ist die aktuelle Lage für die Beschäftigten?
Unsere Gehälter stagnieren seit sechs Jahren. Während der Coronapandemie hatten wir auf Lohnerhöhungen verzichtet, weil das Unternehmen angab, keine finanziellen Spielräume zu haben. Vor vier Jahren forderten wir dann eine Anhebung um 60 Sol pro Monat, das entspricht etwas mehr als 15 Euro. Ripley hatte das auch zunächst angeboten, aber dann zurückgezogen. Mittlerweile ist diese Erhöhung zu gering. Die Lebenshaltungskosten in Peru sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Gleichzeitig macht Ripley hier kräftige Gewinne, weil die Betriebskosten, besonders Personal, minimal sind. In Peru verdient man nur ein Drittel des Gehalts eines Beschäftigten in Chile. Zusätzlich benötigen unsere Kollegen höhere Zusatzleistungen wie Familien- oder Schulzulagen. Ripley gewährt den nicht gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten mittlerweile bessere Leistungen. Außerdem geht das Unternehmen heftig gegen uns Gewerkschafter vor.
Wie das?
Die wichtigsten Führungskräfte von Sutragrisa werden entlassen. Ich erhielt am 19. August eine Kündigung. Vergangene Woche wurde ein weiterer Kollege entlassen, und er ist bereits das fünfte gekündigte Mitglied unserer Verhandlungskommission. Ripley behauptet, wir würden unsere Arbeitspflichten verletzen, zielt aber darauf ab, unsere gesamte Organisation zu schwächen.
Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren für unsere Rechte und Forderungen gestreikt. Wir gehen gegen die Praktiken von Ripley hier in Peru vor. Die jüngsten Repressionen sind eine Antwort auf unsere Beschwerde bei der OECD in Santiago de Chile: Die ersten Kündigungen ergingen nur elf Tage danach.
Was ist der Inhalt dieser Beschwerde?
Bei Ripley herrscht ein Klima der Angst und Einschüchterung. Wer sich uns anschließt, kann entlassen, in einen anderen Bereich oder sogar in eine andere Filiale versetzt werden. Das Unternehmen sucht nach Vorwänden. Gleichzeitig hat Ripley vor acht Jahren eine »gelbe« Gewerkschaft, die im Sinne des Unternehmens handelt, gegründet und unterstützt sie aktiv. Ripley beschäftigt in Peru rund 6.000 Menschen: In unserer Gewerkschaft sind derzeit lediglich 350 davon organisiert. Die andere Gewerkschaft zählt rund 100 Mitglieder mehr. So wurde durchgesetzt, dass Leistungen für die bei Sutragrisa organisierten Beschäftigten gestrichen werden. 2024 gewährte Ripley den nicht gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten Lohnerhöhungen, während unsere Tarifverhandlungen seit vier Jahren verschleppt werden.
Warum kann sich Ripley das erlauben?
Die peruanische Arbeitsaufsicht hat das zwar für illegal und einen Angriff auf die Gewerkschaftsfreiheit erklärt sowie das Verhalten entsprechend sanktioniert. Ripley geht gegen diese Beschlüsse auch vor Gericht vor; die Verfahren ziehen sich über Jahre hin, und am Ende kommt es zu einer lächerlich geringen Strafzahlung. Das tangiert das Unternehmen überhaupt nicht. Es ist offensichtlich eine gewerkschaftsfeindliche Praxis, die darauf abzielt, unsere Organisation zu zerstören. Denn die Justiz arbeitet zu langsam, die Unternehmer haben erkannt, dass die Gesetzgebung zu ihren Gunsten spielt, und die Arbeitsbehörden verfügen nicht über ausreichende Befugnisse oder zeigen keine Härte bei ihren Entscheidungen.
Wie wollen Sie gegen dieses Union Busting vorgehen?
Wir haben in der vergangenen Woche mehrere Protest- und Streikaktionen vor Ripley-Standorten abgehalten. Außerdem haben wir den Manager für Arbeitsbeziehungen, Renzo Rufasto Lira, und die Personalmanagerin Patricia Amanda Subauste Uribe zu unerwünschten Personen erklärt. Wir haben ihnen das Vertrauen entzogen und Ripley aufgefordert, einen substantiellen Wandel der Arbeitsverhältnisse einzuleiten. Bisher waren wir insofern erfolgreich, als dass Rufasto Lira das Unternehmen verlassen hat. Das wurde uns am vergangenen Freitag bestätigt.
Es ist wichtig, dass die Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO sowie die Standards bei Sorgfaltspflichten und unternehmerischer Sozialverantwortung auch in Peru zur Geltung kommen. Firmen wie Ripley machen Milliardenumsätze und -gewinne, lassen uns aber gleichzeitig prekär arbeiten. Gerade für Länder wie Peru, wo die Gewerkschaftsbewegung noch in den Kinderschuhen steckt und auf so heftigen Widerstand stößt, ist Solidarität elementar.
Wer kann Sie dabei unterstützen?
Wir haben uns auch direkt an die Gewerkschaft Verdi, die in Deutschland für den Handel verantwortlich ist, und die dänische Gewerkschaft HK Danmark gewandt. Wir hoffen, in den kommenden Tagen ein Zeichen der Solidarität zu bekommen, sei es durch öffentliche Stellungnahmen oder durch Schreiben an die chilenische Regierung oder an die jeweiligen OECD-Kontaktstellen in Deutschland oder Dänemark. Denn Gewerkschaftsarbeit kennt keine Grenzen. Wenn wir uns der internationalen Unterstützung starker Gewerkschaften sicher sein können, dann wird uns das auch helfen, unseren Kampf hier in Peru erfolgreich zu führen.
Hugo Visosa ist Generalsekretär der Gewerkschaft Sutragrisa beim Unternehmen Ripley in Peru
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