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Konzert von Pablo Miró

»›Basta!‹ drückt meine Empörung aus«

Konzert in Berlin: Über das Weinen der Gitarre, die aufschreien möchte. Ein Gespräch mit Pablo Miró

Foto: Ferran Cornellà/Wikimedia Commons
Pablo Miró spielt für die Demonstration »Nein zu Kriegen« am Brandenburger Tor (Berlin, 25.11.2023)

Das Konzert in der Berliner UFA-Fabrik am Freitag wird live aufgezeichnet für Ihre neue CD »Basta!«. Das Album bündelt Lieder, die von Widerstand, Empörung und Hoffnung handeln. Wogegen protestieren Sie damit?

Mit »Basta!« gesprochen: »Sekt schon am Morgen, Kaviar zum Mittag und Kinder in Hungersnot«. Die Kluft zwischen Reich und Arm wächst weiterhin, in Deutschland, weltweit und dort, wo ich herkomme: Südamerika, Argentinien. Es braucht Umverteilung. Wir müssen raus aus der Dominanz des Dollars und faire Wirtschaftsverhältnisse zwischen Nord und Süd herstellen. Eine andere Welt ist möglich. Alle, die am Profit des Waffengeschäfts beteiligt sind, kümmern sich nicht um Deeskalation und Frieden. Ein Völkermörder darf in den Vereinten Nationen sprechen. Ein anderer Präsident wird in Venezuela gekidnappt und eingesperrt. Gegen die zunehmende Gleichgültigkeit wenden sich meine Lieder.

Beim UZ-Friedensfest hörte ich Hüseyin Doğru zu. Er wurde im Mai 2025 vom Rat der Europäischen Union sanktioniert wegen mutmaßlicher Verbindungen zur russischen Staatspropaganda. Ohne faires Gerichtsverfahren wurde entschieden, dass er mit seiner Familie von 506 Euro monatlich leben soll. Als Journalist und Dokumentarist darf er weder arbeiten noch Geld verdienen. Am Schluss seines Vortrags sagte Hüseyin etwas, das zum Refrain eines meiner Songs wurde: »Einen Finger kann man brechen, aus fünf wird eine Faust.« (einer der berühmten Sätze des von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, jW)

Welche Stilrichtung schlagen Sie mit der neuen CD ein?

Meine familiäre Geschichte hat mich sehr geprägt. Daher meine Liebe zum Lebensgenuss der Bossa Nova, dem getanzten Schmerz des Tangos, dem inspirierenden Reichtum der klassischen Gitarre und des Jazz. Mercedes Sosa, Víctor Jara, Chico Buarque und auch Konstantin Wecker, mit dem ich oft musizierte, sind meine Wegweiser gewesen. Mit zwei wunderbaren Musikern werden wir den Abend gestalten: dem Uruguayer Rolo Rodriguez an der Percussion und dem Latin-Jazz-Pianisten Joni Morgenstern.

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Meine Großeltern sind Ende der 1930er Jahre als Juden nach Argentinien, mein Urgroßvater nach England geflüchtet. Wir wiederum sind 1976 vor der Militärdiktatur Argentiniens nach Deutschland geflüchtet. Meine Urgroßmutter, Else Behrend-Rosenfeld, konnte aus Nazideutschland nicht raus. Als die Deportationen begannen, ist sie untergetaucht. Sie schrieb ein wunderbares Tagebuch: »Ich stand nicht allein.« Dort zitiert sie ein anonym geschriebenes Gedicht namens »Deportation«. Dieses Gedicht ging von Hand zu Hand, von Mund zu Mund, und machte der zum Tode verurteilten jüdischen Gemeinschaft Mut. Ich habe dieses Gedicht vertont, und es wird Teil des Repertoires am Freitag sein.

Als zweiter Teil des Abends ist das Release-Konzert der im 2025 entstandenen Live-Aufnahme von »El Manantial – Die Quelle« angekündigt. Was verbindet »Manantial« mit »Basta!«?

Es sind die beiden Seiten meines Mondes. Beide Dimensionen sind für mich wesentlich. »Basta!« ist die extrovertierte Seite. Sie ist Ausdruck meiner Beziehung zur Welt, zur Gesellschaft, zur Geschichte, zur Zukunft. »Basta!« drückt meine Empörung über den Völkermord aus, der vor aller Augen in Gaza und im Westjordanland stattfindet, und über das mafiöse Auftreten des nordamerikanischen Präsidenten in den Vereinten Nationen, der einen anderen Staat mit totaler Vernichtung bedroht.

»El Manantial« richtet sich hingegen nach innen. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, schrieb Antoine de Saint-Exupéry. Aber es ist hörbar. Nach diesen Klängen suche ich, wenn ich komponiere, nach dem Wahrsten in mir. In diesen Momenten wird Musizieren zu einer Meditation. Ich entdecke dann Dimensionen, Gefühle, Reflexionen, die mich zutiefst bewegen und ergreifen. Ich werde mir meiner Menschlichkeit, meines Humanismus bewusst, meiner Fähigkeit des Liebens, des Mit-Leidens, des inneren Friedens.

Sie haben »Basta!« auch bei einer Protestwache für Kuba in Berlin gesungen.

Wie viele unter uns, leide auch ich sehr mit und für Kuba. Kuba ist ein heldenhaftes Beispiel. Kuba hat über Jahrzehnte weltweit großartige medizinische Unterstützung geboten, trotz der Blockade. Sogar Diego Maradona ließ sich hauptsächlich auf Kuba behandeln. Sie haben eigene Impfungen entwickelt, auch gegen das Coronavirus. Bis zur letzten brutalen Phase der Blockade hatte Kuba die geringste Säuglingssterblichkeit ganz Südamerikas. Ohne die Blockade wären 1.800 Kinder bei der Geburt nicht gestorben. Die USA tun alles, um zu verhindern, dass Kuba sein sozialistisches Potential verwirklicht. Wenn Kuba dies tun würde, dann hätten wir höchstwahrscheinlich eine blühende, vorbildliche Alternative zu der kapitalistischen Klassengesellschaft. Meine Gitarre weint und möchte vor Empörung schreien.

Pablo Miró ist argentinischer Liedermacher und lebt in Berlin. Am Freitag spielt er in der UFA-­Fabrik die Stücke seiner neuen CD »BASTA«

→ Ticketpreis: ab 28,50 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2026, Seite 2, Feuilleton

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