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»Vor allem brauchen wir Kuba«
Auftakt der einwöchigen Protestwache »No War on Cuba« in Berlin. Kritik an Blockade und Berichterstattung
Mit Fahrrädern, Transparenten und Musik wurde am Sonnabend in Berlin Solidarität mit dem sozialistischen Kuba gezeigt – der Beginn einer einwöchigen Protestwache des Bündnisses »Unblock Cuba«, an der sich mehr als 50 Organisationen, Parteien, Medien und Einzelpersönlichkeiten beteiligen. Bis zum nächsten Sonnabend soll das Protestcamp vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor rund um die Uhr besetzt sein.
Vom Sitz der kubanischen Botschaft im Bezirk Prenzlauer Berg zogen die Teilnehmenden des jährlich stattfindenden Fahrradkorsos zunächst zum Auswärtigen Amt und anschließend zur US-Botschaft. Dort wurde die Blockade symbolisch beendet: Eine Kartonwand mit der Aufschrift »¡Fin al bloqueo! – Sanktionen töten« wurde Stück für Stück abgerissen. Bei jedem Karton nannte Edgar Göll vom Netzwerk Cuba einen Grund, warum die Sanktionen beendet werden müssen. »Wir wollen, dass Kuba seinen seit dem Sieg der Revolution eingeschlagenen Weg selbstbestimmt gehen kann«, erklärte er. Die US-Blockade sei ein Wirtschaftskrieg gegen die Insel: »Deshalb weg mit der Blockade, viva Kuba!«
Die Blockade ist dabei weit mehr als eine Ansammlung einzelner Sanktionen. Seit mehr als 60 Jahren versucht der US-Imperialismus, die kKubanische Revolution durch ökonomischen Druck zu schwächen und ihre politischen und sozialen Grundlagen zu zerstören. Der kubanische Staat wird dabei nicht nur am direkten Handel mit den USA gehindert. Auch Banken und Unternehmen anderer Länder werden sanktioniert, wenn sie Geschäfte mit Kuba machen oder Finanztransaktionen mit kubanischen Institutionen abwickeln. Die Folgen treffen die Bevölkerung. Der Zugang zu Treibstoff, Medikamenten, Lebensmitteln, Ersatzteilen und technischer Ausrüstung wird erschwert. Besonders dramatisch ist die Blockade der Energieversorgung. Washington hat die Maßnahmen zuletzt weiter verschärft. Damit wird der Druck auf ein Land erhöht, dessen gesellschaftliche Ressourcen durch die jahrzehntelange Blockade ohnehin angegriffen sind.
Die Protestwache soll Kubas Situation eine Woche lang einen sichtbaren Ort in der Hauptstadt geben. Jeden Abend um 18 Uhr sind Veranstaltungen geplant, unter anderem soll täglich ein aktueller Bericht aus Kuba verlesen werden. Auf dem Programm stehen unter anderem Veranstaltungen zu Gesundheit, Solarenergie, gewerkschaftlicher Solidarität und der Bericht einer Solidaritätsbrigade der SDAJ. Die Protestwache sei wichtig, um längerfristige Aufmerksamkeit zu schaffen, damit die Solidarität mit Kuba nicht nach einer kurzen Kundgebung wieder aus dem Berliner Stadtbild verschwinde, sagte eine Teilnehmerin gegenüber jW. Es soll deutlich werden, dass es Widerstand gegen die Politik der USA gibt. Die gewachsene Beteiligung am Fahrradkorso wertete sie als ermutigendes Zeichen.
Zum Auftakt gehörte eine Diskussion über die Kuba-Berichterstattung deutscher Medien. Auf dem Podium saßen Nick Brauns von junge Welt, Martin Ling vom ND, Matthew Read von der UZ sowie Fabian Goldmann, Autor des Buches »Staatsräsonfunk«. Im Mittelpunkt stand die Frage, weshalb die Lage Kubas in großen deutschen Medien vergleichsweise wenig vorkommt und wie über die Folgen der Blockade berichtet wird.
Washington beanspruche weltweit seine Vormachtstellung und versuche, Staaten unter politischen und ökonomischen Druck zu setzen, die sich dieser Ordnung entziehen. Dass es den USA seit mehr als sechs Jahrzehnten nicht gelungen ist, die kleine Insel vor der eigenen Küste unter Kontrolle zu bekommen, sollte den Menschen Hoffnung geben, so jW-Chefredakteur Brauns. Kuba sei damit auch ein Beispiel dafür, dass imperialistische Hegemonie nicht widerspruchslos hingenommen werden muss: »Kuba braucht uns, aber vor allem brauchen wir Kuba.«
Der erste Tag der Protestwache klang mit einem Konzert von Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel aus. Da es zu Beginn im Protestzelt noch keinen Strom gab, sang Wenzel kurzerhand zur akustischen Gitarre, und die Versammelten stimmten ein in den Refrain seines Liedes »Havanna wartet«. Auch das Improvisieren lässt sich von den Kubanern lernen.
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