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Überschwemmungen

Land unter in Bangkok

Zwei Tage wasserfrei in Thailand. Regierung reagiert auf Regenflut

Foto: Sakchai Lalit/AP/dpa
Trotzen den Fluten: Händler in Bangkok (29.9.2026)

Mit zwei arbeitsfreien Tagen für vier Regionen hat Thailands Regierung auf massive Überflutungen reagiert. Montag und Dienstag wurden kurzerhand zu Feiertagen erklärt. Viele Beschäftigte – gerade in der sonst so turbulenten Hauptstadt Bangkok – konnten bereits zuvor kaum zur Arbeit kommen. Auch viele Schulen waren zu Wochenbeginn geschlossen. Mit den beiden freien Tagen wollte die Koalition unter dem konservativen Premier Anutin Charnvirakul den lokalen Behörden mehr Zeit einräumen, um die Lage einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Am Wochenende waren die Überschwemmungen gerade im rund zwölf Millionen Einwohner zählenden Ballungsraum Bangkok so dramatisch wie seit 2011 nicht mehr – mit unter Wasser stehenden Straßen und überfluteten Wohnvierteln. Exzessive Regenfälle sind im September keine Seltenheit. Das Problem in diesem Jahr war, dass es in Bangkok von Donnerstag morgen bis in die Nacht zu Montag unablässig regnete. Solch riesige Wassermengen konnten schlicht nicht abgeführt werden. Sie stauten sich an den tiefsten Punkten und brachten in der Innenstadt auf vielen wichtigen Hauptverbindungsstraßen den Verkehr zeitweise zum Erliegen.

Das auf Marschland errichtete Bangkok galt einst als »Venedig Südostasiens«. Ein Teil der Klongs, der diversen Kanäle, die die Stadt durchziehen, wurde aber zugeschüttet und überbaut. Die verbliebenen waren nun schnell randvoll, so dass weiteres Wasser nicht gleich in Richtung des Flusses Chao Phraya abfließen konnte. Der durchschneidet die Metropole in etwa in Nord-Süd-Richtung. Sein Wasserstand ist unter anderem erhöht, weil es auch in den zentralen Provinzen nördlich der Hauptstadt massiv regnete. Zuflüsse leiten stromaufwärts erhebliche Wassermengen ein.

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Allein in Bangkok seien von den Überschwemmungen rund 700.000 Menschen direkt betroffen, hieß es von Stadtverwaltung und Regierung zu Wochenbeginn. Landesweit sind 1,7 Millionen Bürger in 27 Provinzen betroffen. Während der Regen über Bangkok derzeit pausiert und die Wasserpumpen dort auf Hochtouren laufen, regnet es andernorts heftig weiter. In etlichen Gebieten sind die Notfallteams bereits im Einsatz oder in Alarmbereitschaft versetzt. Da mehrere Stauseen bis zum Anschlag gefüllt sind, müssen zügig zusätzliche Wassermengen abgeleitet werden. Am Montag erging deshalb eine Warnung des Königlichen Wasserwirtschaftsamts zum Mae-Klong-Damm: Mit dessen Öffnung könne der Pegel im Unterlauf des Flusses um zweieinhalb Meter steigen und viele Orte überfluten.

Eine eher kuriose Meldung: Ein großes Krokodil wurde vorsorglich aus seinem Becken in einem Tempel evakuiert, damit es nicht durch die Überschwemmungen entkommen und Einwohner benachbarter Dörfer gefährden kann. Darüber hinaus sind unterspülte Straßen instabil, in Rayong stürzte ein Pick-up-Truck in ein metertiefes Loch, das sich unter der Last spontan auftat.

In Teilen Bangkoks gab es Ausfälle bei der Wasser- und Stromversorgung. Allein in der Hauptstadt, schätzt ein Team der Universität der thailändischen Handelskammer, könnten sich die Schäden auf 11,8 Milliarden Baht (310 Millionen Euro) summieren, zitierte die Bangkok Post. Das seien etwa 57 Prozent aller Schäden landesweit. Premier Anutin präsentierte am Dienstag bei einer Kabinettssitzung erste Pläne für ein großangelegtes Kanalbauprojekt. Mit Investitionen von 165 Milliarden Baht (4,3 Milliarden Euro) soll Wasser im Oberlauf des Chao Phraya bei Chainat angezapft und über Kanäle direkt in den Golf von Thailand abgeleitet werden – an Bangkok vorbei.

In Thailand kamen in Zusammenhang mit den extremen Regenfällen seit dem 16. September bisher acht Menschen ums Leben. Meldungen von weiteren acht Todesopfern kamen aus Myanmar. Während die thailändischen Behörden gut vorbereitet sind, es intakte Befehlsketten und ein solides Ineinandergreifen verschiedener Kräfte gibt, sind im bürgerkriegsgeplagten Nachbarland viele staatliche Strukturen de facto zusammengebrochen. Selbst die Opferzahlen könnten dort deutlich höher sein als bislang bekannt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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