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Musik

Dirigent Herbert Blomstedt gestorben

Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Herbert Blomstedt (1927–2026)

Göteborg/Leipzig. Die Musikwelt trauert um einen weltberühmten Dirigenten: Herbert Blomstedt ist am Mittwoch im Alter von 99 Jahren gestorben. Das teilte das Gewandhaus Leipzig mit. Laut Berichten seiner Agentur starb er zu Hause in Göteborg im Kreis seiner Familie.

Blomstedt prägte Orchester in Europa und den USA: Er leitete die Staatskapelle Dresden, das Gewandhausorchester Leipzig und das NDR-Sinfonieorchester als Chefdirigent, zehn Jahre lang auch die San Francisco Symphony. Als Gastdirigent war er unter anderem in Boston, Chicago und Los Angeles gefragt. Bis ins hohe Alter wagte sich der Grandseigneur an frische Interpretationen.

Von 1998 bis 2005 stand Blomstedt als Gewandhauskapellmeister an der Spitze des Leipziger Orchesters. Er folgte auf Kurt Masur und blieb dem Gewandhaus danach als Ehrendirigent verbunden. Während seiner Amtszeit führte er die traditionelle deutsche Sitzordnung wieder ein, setzte auf historisch informierte Aufführungspraxis und erweiterte das Repertoire etwa um Werke skandinavischer Komponisten wie Sibelius und Nielsen. Zum 275. Geburtstag des Gewandhausorchesters leitete er 2017 eine vierwöchige Jubiläumstournee durch Europa und Asien.

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Blomstedt wurde 1927 als Sohn schwedischer Eltern, eines Predigers und einer Pianistin, in den USA geboren. Von seiner Mutter erhielt er ersten Musikunterricht. Als Kind wäre er wie am liebsten Lokführer geworden. Als Abiturient hatten es ihm Fächer wie Mathematik, Geschichte, Geografie und Sprachen angetan. Auf den Spuren seines Vaters hätte er aber auch Theologie studieren können. Blomstedt war Sieben-Tage-Adventist. Dann entschied er sich für die Musik, studierte in Stockholm Geige, später auch Dirigieren unter anderem bei Leonard Bernstein. 1954 gab Blomstedt sein Dirigentendebüt bei den Stockholmer Philharmonikern.

Nach ersten Chefstellen in Skandinavien debütierte er 1969 bei der Dresdner Staatskapelle, die er von 1975 bis 1985 als Chefdirigent leitete. Danach machte er die San Francisco Symphony zu einem Spitzenorchester. 1996 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Chef des NDR-Sinfonieorchesters und 1998 Gewandhauskapellmeister in Leipzig.

Für sein Wirken erhielt Blomstedt zahlreiche Ehrungen. Die Stadt Leipzig verlieh ihm 2017 ihre Ehrenmedaille, 2022 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im September 2026 erhielt er den japanischen Kunstpreis Praemium Imperiale. (dpa/jW)

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Erschienen am 05.11.2026, Feuilleton

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