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Fähnrich des Tages: Jürgen Klopp

Foto: Boris Roessler/dpa

Waren doch schönere Zeiten, als Christoph Daum noch heiß gehandelt wurde bei der Frage der Fragen: Wer trainiert die deutsche Auswahl im Balltreten? Motiviert bis in die Haarspitzen, lernte der Mann bereits DFB-Jargon, als der sinistere Ulrich Hoeneß ihm mittels Probe eben jener Haarspitzen einen Strich durch die Rechnung machte. Die Haare schön hat auch Jürgen Klopp, zumindest seit er sie sich hat transplantieren lassen. Schöne postpolitische Zeiten, als die Sorgen noch dieser Art waren.

Mittlerweile ist Klopp selbst Bundestrainer, seinen Vorgänger Nagelsmann hat er ja während der WM im Sommer eigenmündig von der Seitenlinie her nach Kräften destabilisiert. Der Zeit gemäß muss er jetzt auch ein paar tragbare Sätze äußern. »Was für eine Rede!« jubelt ein Henning Feindt in Bild. Und meint Klopps Statement bei der DFB-Pressekonferenz vom Donnerstag. Der Bundestrainer hatte dort anlässlich der AfD in Sachsen-Anhalt geäußert: »Ich würde uns gern die Fahne zurückholen. Positiver Patriotismus – gern!« Auch in dieser Hinsicht also wird er zum Messias. Endlich habe man »wieder einen Bundestrainer, der genau weiß, welche Verantwortung er für das gesamte Land trägt – und der vor allem auch den Mut hat, genau das auszusprechen«. Weil es ja unsagbar viel Mut erfordert, das obskure Sommermärchen von 2006 gegen die AfD in Stellung zu bringen. Feindt indessen mochte die große Kiste mit den Phrasen nicht gleich wieder schließen. Klopp sei »einer, der anpackt und vorangeht«, einer, der »ein Wir-Gefühl statt Ihr-gegen-mich-Gefühl vorlebt«. Lustige Worte für den Sportchef einer Zeitung, zu deren Blattlinie Subsidiarität statt Solidarität gehört. In sozialen Fragen niemals sozial, in nationalen Fragen darf man dann schon mal sozial werden.

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Nichts übrigens gegen Fahnen im Fußball. Vorausgesetzt, sie kommen vom Bier.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.09.2026, Seite 3, Ansichten

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