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Jemen

Der Krieg ist wieder da

Seit 2022 galt der Jemen-Krieg als eingefroren – mit der Offensive der Ansarollah ist das vorbei. Neben Kontrolle der Küste am Roten Meer geht es auch um Ölfelder im Norden

Foto: Stringer/Reuters
Vor den Kämpfen Geflohene in der jemenitischen Provinz Taiz (13.9.2026)

Die Ansarollah im Jemen haben eine neue Angriffswelle auf Saudi-Arabien gestartet und dabei Dutzende Raketen und Drohnen auf einen Militärflugplatz im südwestlich gelegenen Khamis Muschait abgefeuert. Dabei habe die im Westen als »Huthis« bezeichnete Gruppe nach eigenen Angaben Flugzeughangars, Radarsysteme, Start- und Landebahnen sowie Munitionsdepots ins Visier genommen, meldete Reuters am Dienstag. Bei den Angriffen seien 13 Zivilisten verletzt sowie Häuser und Autos beschädigt worden, hieß es am selben Tag in einem Statement der von Riad angeführten Militärkoalition auf X. Laut Ansarollah-Sprecher Jahja Sari stellen die Attacken die Antwort auf mehr als 300 saudische Luftangriffe gegen den Jemen in den vergangenen Tagen dar.

Die Ansarollah, die seit mehr als zehn Jahren die großen urbanen Zentren im Norden und Westen des Landes kontrollieren, darunter die Hauptstadt Sanaa und die wichtigste Hafenstadt Hodeida, hatten in den vergangenen Tagen eine großangelegte Offensive gestartet und bei Kämpfen gegen Regierungstruppen die gesamte strategisch bedeutende Küste am Roten Meer erobert. Nach Angaben der jemenitischen Regierung kontrollieren die Ansarollah nun die für den Welthandel wichtige Meerenge Bab Al-Mandab, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet, hieß es bei AFP.

Während sich die »Huthis« an der Küste des Roten Meers festsetzen, finden in Riad Eilberatungen darüber statt, wie auf den Vormarsch reagiert werden soll. Ende Juli kündigte die Gruppe eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an und griff seither saudische Öltanker im Roten Meer sowie Ölförderanlagen im Königreich an. Mit der nun erfolgten Offensive ist der Krieg im Jemen erneut eskaliert, der mit dem Überfall der vom Westen ausgerüsteten arabischen Koalition unter Führung Riads und der Vereinigten Arabischen Emirate im März 2015 begann und seit einer im April 2022 verkündeten Waffenruhe als eingefroren galt.

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Die von Saudi-Arabien geführte Koalition werde »verantwortungsbewusst und entschlossen gegen diese Angriffe vorgehen, um die Souveränität des Königreichs zu schützen«, erklärte Koalitionssprecher Turki Al-Maliki laut dem katarischen Sender Al-Dschasira am Dienstag. Demnach habe man bereits Dutzende Luftschläge gegen die Ansarollah geflogen. Jemens Regierung versuche, sich dabei dem Vormarsch entgegenzustellen, berichtete gleichentags Al-Dschasira-Korrespondent Yousef Mawri vor Ort. So wurden militärische Einrichtungen und Versorgungsrouten der Gruppe rund um die zweitgrößte Stadt Taiz und das jüngst von ihr eroberte Mokka angegriffen. Die türkische Zeitung Anadolu berichtete zudem von Luftangriffen auf ein Treffen von Ansarollah-Führern im Gebäude des Gemeinderats in Khadir, östlich von Taiz, ohne Angaben über mögliche Opfern.

Priorität bei den Gegenschlägen habe für die Regierungstruppen Linie nicht die Rückeroberung der verlorenen Gebiete an der Küste, sondern die Sicherung der unter ihrer Kontrolle stehenden Provinzen rund um die Frontlinie, insbesondere Marib im Norden Jemens, östlich der von den Ansarollah kontrollierten Gebieten – »das Öl- und Gaszentrum des Landes«, so Korrespondent Mawri. Dort arbeiten die Ansarollah an einer zweiten bedeutenden Verschiebung der Frontlinien und verlegen verstärkt Truppen und Material in die Region. Mawri berichtete von »heftigen Kämpfen am Rand von Marib« am Wochenende. Die Regierungstruppen hätten mit Luftschlägen Waffenlager der Ansarollah im Bezirk Al-Dschubah in Marib angegriffen, meldete Anadolu am Dienstag unter Berufung auf regierungsnahe jemenitische Quellen, ohne jedoch Einzelheiten zu Opfern oder Schäden zu nennen. Demnach hätten Regierungstruppen in Marib auch einen Infiltrationsversuch der Ansarollah im Bezirk Harib vereitelt.

Neben den dünnbesiedelten Wüstengebieten des Hadramaut in der östlichen Landeshälfte befinden sich die größten Öl- und Gasvorkommen in Marib und der angrenzenden Schabwah-Provinz, wo auch ein Großteil der entsprechenden Industrie des Landes samt Raffinerien und Pipelines angesiedelt ist. Marib gilt als ökonomisches Rückgrat der prowestlichen jemenitischen Regierung und damit als bedeutende Quelle für Steuereinnahmen. »Die Kontrolle über die Öl- und Gasvorkommen in Marib ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein Ziel der Huthis«, zitierte Al-Dschasira den jemenitischen Politkommentator Saddam Al-Huraibi. »Solange sie in Marib keine vernichtende Niederlage erleiden, werden sie weiterkämpfen, um dieses Ziel zu erreichen.« Die Regierungstruppen würden diese Schlacht als existentiellen Krieg betrachten. Durch die Eroberung Maribs könnten sich die Ansarollah ein bedeutendes Faustpfand für künftige Verhandlungen verschaffen, schließt Al-Huraibi.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.09.2026, Seite 7, Ausland

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