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Nahostkonflikt

Öl unter Feuer

Ansarollah attackieren saudische Militärbasis. Pipelineausfall und Tankerkrieg könnten Ölpreise explodieren lassen

Foto: Uncredited/Ansar Allah Media Office via AP/dpa
Ansarollah-Kämpfer in einem am 9. September veröffentlichten Video des Medienbüros der Rebellengruppe

Die Lage in der Golfregion spitzt sich weiter zu. Die jemenitischen Ansarollah haben am frühen Sonntag einen Angriff auf die saudische Militärbasis Scharura für sich beansprucht. Ballistische Raketen und Drohnen hätten Waffendepots und Kommandoeinrichtungen getroffen, erklärte Militärsprecher Yahya Sari der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Saudi-Arabien bestätigte die Angaben zunächst nicht. Bereits am Sonnabend war in At-Tuwal in der Provinz Dschisan ein Geschoss eingeschlagen. Nach saudischen Angaben wurden zwei Menschen verletzt, zudem eine Moschee, Gebäude und Fahrzeuge beschädigt. Die Angriffe erfassen inzwischen weite Teile vom Süden des Landes. Die mit Iran verbündete Ansarollah hatte in der vergangenen Woche bereits die gesamte jemenitische Küste zum Roten Meer unter ihre Kontrolle gebracht.

Eine zweite Offensive richtet sich gegen die saudische Ölinfrastruktur: Drohnen trafen Pumpstationen der 1.200 Kilometer langen East-West-Pipeline, über die täglich vier bis fünf Millionen Barrel Rohöl zum Roten Meer transportiert werden. Satellitenbilder zeigen schwere Brandschäden an mindestens einer Pumpstation. Unklar blieb zunächst, ob auch die eigentliche Pipeline getroffen wurde. Genau daran entscheidet sich die strategische Wirkung: Sind vor allem Pumpanlagen beschädigt, kann der Ausfall vergleichsweise kurz bleiben. Wurde die Leitung selbst getroffen, drohen deutlich längere Reparaturen – und damit ein empfindlicher Schlag gegen Saudi-Arabiens wichtigste Umgehungsroute für Hormus.

Die Drohnen kamen nach irakischen Ermittlungen aus dem Grenzgebiet zu Iran. Berichten von Al-Dschasira zufolge beschlagnahmte Bagdad eine Startplattform, entließ Sicherheitsverantwortliche und schloss zeitweise Übergänge nach Iran. Wer den Angriff steuerte, bleibt offen. US-Präsident Donald Trump verkündete ohne Belege, Teheran sei »wahrscheinlich« für den Drohnenangriff verantwortlich. Er behauptete am Sonnabend in Dublin, die Ansarollah wollten »viel lieber nicht« gegen die USA kämpfen und ließen die meisten Schiffe passieren. Lediglich Schiffe eines Landes seien ausgenommen; um welches es sich handelte, sagte er nicht. Eine saudische Bitte um direkte US-Militärhilfe gegen die jemenitische Organisation lehnte er ab.

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Dabei verfügt Saudi-Arabien über eine nominell starke Armee. Auf die aus dem Irak gestarteten Drohnen reagierte Riad bislang nicht militärisch; Bagdad hatte ausdrücklich um Zurückhaltung gebeten. Das Problem ist strukturell: Die Ansarollah hat seit 2015 jahrelange saudische Luftangriffe überstanden und konnte militärisch nicht ausgeschaltet werden. Zugleich steht die saudische Ölinfrastruktur bereits unter erheblichem Druck. Jede weitere Eskalation droht daher, neue Angriffe auf Pipelines, Raffinerien und Häfen auszulösen. Riad besitzt derzeit weder im Jemen noch gegenüber den aus dem Irak operierenden Gruppen einen überzeugenden militärischen Hebel.

Der wirtschaftliche Schaden ist bereits erheblich: Saudi-Arabiens Ölproduktion ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten gefallen. Riad meldete der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) für August 6,24 Millionen Barrel pro Tag. Zugleich sanken die saudischen Rohölverladungen auf 3,5 Millionen Barrel täglich, die Lagerbestände schrumpften ebenso.

Auch der fortdauernde Tankerkrieg gefährdet die globale Ölversorgung: Vor der iranischen Insel Qeschm ist am Sonntag ein iranisches Handelsschiff getroffen worden. Ein Besatzungsmitglied starb, mehrere weitere wurden verletzt. Iranische Behörden sprachen von einem »terroristischen Feind«, nannten aber weder Waffe noch Urheber. Parallel meldete die britische Schiffahrtsüberwachung UKMTO einen von einem Projektil getroffenen Tanker mit Brand an Bord. Der Vorfall ereignete sich unmittelbar vor einem Treffen, bei dem Iran den Golfstaaten seine Vorstellungen für die Schiffahrt durch Hormus erläutern will.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.09.2026, Seite 1, Titel

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