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Eishockey

No means no

NHL: Die Edmonton Oilers verpflichten den aus dem sogenannten Hockey-Canada-Skandal bekannten Alex Formenton

Von Max Grigutsch
Foto: Carlos Osorio/REUTERS
Alex Formenton auf dem Weg ins Gericht in London, Ontario (24.7.2025)

Die Fans der Edmonton Oilers müssen sich in dieser Offseason ganz doll festhalten. Als neuer Coach kam zuerst Mike Babcock, der es versteht, gestandenen Profihockeyspielern via Psychoterror zu bleibenden Schäden zu verhelfen, und jetzt kommt auch noch der Stürmer Alex Formenton, der es seinerseits versteht, Frauen in Hotelzimmern knapp unter der strafrechtlich belangbaren Grenze zu begegnen. Diesen Mann haben die Oilers, die wegen des deutschen Starspielers Leon Draisaitl auch in der Bundesrepublik beliebt sind, jetzt für 850.000 US-Dollar für die Saison 2026/2027 verpflichtet, wie das NHL-Franchise am Mittwoch mitteilte.

Dass der Vertrag nur für ein Jahr läuft, dürfte dabei eine Vorsichtsmaßnahme sein, denn der erwartbare Imageschaden zeichnet sich bereits ab. Nicht nur das: Auch spielerisch wirft der Neuzugang Fragen auf. Sein letztes NHL-Spiel bestritt Formenton Ende April 2022 für die Ottawa Senators. Seither spielte der 26jährige Flügelstürmer für den HC Ambrì-Piotta in der Schweizer National League, wo er nicht sonderlich herausstach. Mit 23 Punkten in 42 Spielen in der vergangenen Saison (0,55 Punkte pro Match) landete Formenton nur auf Platz 82 der Scorerliste – will heißen: nicht unbedingt NHL-Kaliber.

Fragt sich: Warum? Warum einen mutmaßlichen Letztreihenstürmer in seinen Mittzwanzigern nach Edmonton holen, wenn dessen Name quasi synonym mit dem Sexualmissbrauchsskandal bei Hockey Canada ist? Im deutschsprachigen Raum kaum diskutiert, führte die Affäre in Kanada dazu, dass die kanadischste aller Restaurantketten, Tim Hortons, dem Dachverband der kanadischsten aller Sportarten, Eishockey, ihr Sponsoring entzog. Die Ereignisse spielten sich nach dem Goldgewinn des Juniorteams Kanadas bei der U20-Weltmeisterschaft 2018 ab. 2022 brachte eine Frau eine Klage gegen Hockey Canada vor, in der acht Spielern der Canadian Hockey League vorgeworfen wurde, sie gemeinsam sexuell misshandelt zu haben. 2025 wurde gegen fünf der Spieler strafgerichtlich verhandelt, darunter Formenton. Nach einem von vielen Beobachtern mit der Phrase »not guilty but not innocent« (nicht strafrechtlich schuldig, aber auch nicht unschuldig) quittierten Verfahren wurden die Angeklagten freigesprochen.

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Vor Journalisten zeigte sich Formenton am Mittwoch dankbar für die Möglichkeit, bei den Oilers aufzulaufen. Er habe »viele ausführliche Gespräche geführt« und gab zum Besten, während des Prozesses »offen und ehrlich« mit seinem Handeln umgegangen zu sein. Auch der wohl weltbeste Eishockeyspieler und Oilers-Kapitän Connor McDavid gab sich ob der Causa Formenton betont gelassen: »Er hat einen Prozess durchlaufen, hat sich dabei transparent verhalten, und dieser Prozess hat ihn heute hierher geführt.«

Jedenfalls sind die Oilers, einst die Heimat des legendären Wayne Gretzky, auf dem besten Weg, wie die Vegas Golden Knights im Stanley-Cup-Finale ausgebuht zu werden. Das meistgehasste Team der Liga beherbergt einen anderen Hockey-Canada-Skandalspieler, den Goalie Carter Hart, der bei Auswärtsspielen regelmäßig mit »No means no«-Sprechchören empfangen wurde. Ähnliche Impulse zeichnen sich unter den Edmonton-Fans ab. Unter der Ankündigung auf der Onlineplattform Instagram sind augenscheinlich nur negative Reaktionen zu erkennen. Der Edmonton-Fankanal »Austin Hockey« übertitelte ein Video zum Thema am Mittwoch schlicht mit »Yikes« und zog das Fazit, der Move stehe für »das Schlimmste der Eishockeykultur« und für einen »Old-Boys-Club«. Kurz: Die Fans sind angepisst.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.09.2026, Seite 16, Sport

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