-
05.06.2026
- → Sport
Der Zweck heiligt die Mittel
Die Vegas Golden Knights stehen im Stanley-Cup-Finale. Vielen Eishockeyfans gefällt das nicht. Den Ligabösewichten dürfte das egal sein
Das unbeliebteste NHL-Team ist auf bestem Wege, sich im Schnelldurchlauf den Stanley Cup zu holen. Wer Polemik erwartet, irrt. Einer Mitte Mai veröffentlichten Erhebung von Rotowire zufolge sind die Vegas Golden Knights in elf US-Bundesstaaten der meistgehasste Verein und toppen damit die Liste. Völlig unerwartet hat sich nun genau dieses Franchise ungeschlagen gegen die Besten der Regular Season, die Colorado Avalanche, im Western Conference Final behauptet und so bewiesen: Es ist nicht wie Schwerkraft, Pucks bewegen sich nicht den Gesetzen der Physik entsprechend, und Überraschungen – in diesem Fall: Enttäuschungen – sind möglich. In der Nacht zum Mittwoch holten die Bösewichte aus Vegas dann noch das erste Finalspiel gegen die ebenfalls favorisierten Carolina Hurricanes. Zum Freitag (nach Redaktionsschluss) könnten sie noch eins draufsetzen.
Wirft zunächst die Frage auf: Geht da alles mit rechten Dingen zu? Dass Paranormales im Gange ist, zeigt sich ja schon an der Leistung des zertifizierten Playoff-Zauberers Mitch Marner. Mit inzwischen 22 Punkten hat sich der Stürmer an die Spitze der Postseason-Scorer-Liste gepasst und geschossen.
Frage, die zweite: Warum sind die Knights überhaupt so verhasst?
Erstens ist da die Vereinsgeschichte, die keine zehn Jahre spannt. Erst in der 2017/18er Saison nahm das Franchise für eine Expansionsgebühr von 500 Millionen US-Dollar den Spielbetrieb auf. Mehrheitseigner wurde der Milliardär Bill Foley, laut Berichten ein früher finanzieller Unterstützer Trumps. Seither ist das Unternehmen bei vielen wegen fragwürdiger Geschäftstechniken in Ungnade gefallen. So nutzten die Golden Knights, die nur dem Sieg loyal sind, Lücken in den NHL-Gehaltsregeln, um bessere Kader aufzustellen und einen Blitzstart in der Liga hinzulegen. Mit Erfolg: In ihrer ersten Saison erreichte die Mannschaft das Stanley-Cup-Finale, 2023 holte sie den Pokal. Das dürfte besonders Fans missfallen, deren Teams sich ihre Lorbeeren teils mühsam und über mehrere Dekaden erkämpfen mussten.
Dann der Coach, John Tortorella, der Gerüchten zufolge pro Wutausbruch bezahlt wird. Der 67jährige steht erst seit neun Wochen an der Bande der Golden Knights, nachdem sein Vorgänger Bruce Cassidy nur acht Spiele vor den Playoffs rausgeworfen wurde. In dieser kurzen Zeit hat »Torts« dem Franchise einerseits schon eine NHL-Geldstrafe von 100.000 US-Dollar und den Verlust eines Zweitrunden-Draftpicks eingeheimst, weil er und seine Spieler einem verpflichtenden Medientermin fernblieben; hat die zuvor eher enttäuschende Mannschaft aber andererseits ins Finale katapultiert. Love him or hate him – seine Magie ist unbestreitbar.
Schließlich: Carter Hart. Der Goalie war im Conference Final spielerisch unbezahlbar für die Knights. In allen vier Partien gegen die Avalanche aufgestellt, ließ der 27jährige nur sieben Gegentore durch, zeigte sich insgesamt von seiner besten Seite. Seine andere Seite könnte er nach dem Golderfolg seines kanadischen Juniorteams bei der U20-Weltmeisterschaft 2018 gezeigt haben. Die Geschehnisse sind als Teil des Hockey-Canada-Skandals in Erinnerung geblieben: Eine Frau brachte 2022 eine Klage gegen Hockey Canada vor, in der acht Spielern der Canadian Hockey League vorgeworfen wurde, sie gemeinsam sexuell misshandelt zu haben. 2025 wurde gegen fünf der Spieler strafgerichtlich verhandelt, darunter Hart. Nach einem umstrittenen Verfahren wurden die Angeklagten freigesprochen, unter anderem weil nach Ansicht der Richterin nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass die Handlungen damals gegen den Willen der Klägerin erfolgt waren. Führte dann dazu, dass Hart bei Spiel eins zu Gast bei den Hurricanes mit „No means no“-Sprechchören empfangen wurde. Die NHL selbst hatte die vorgebrachten Vorwürfe, »auch wenn sie nicht als strafbar eingestuft wurden«, als »äußerst beunruhigend«, das beanstandete Verhalten als »inakzeptabel« beurteilt und die Spieler für den Beginn der auslaufenden Saison suspendiert.
Beunruhigend für die einen, für Carter Hart kein Beinbruch. Er startete im Dezember 2025 unter Protest der Eishockeyöffentlichkeit für die willigen Golden Knights. Hart sei eine »sehr gute Person«, sagte General Manager Kelly McCrimmon am Montag auf Nachfrage von The Athletic. Er habe den Torwart schon »lange bevor er NHL-Spieler wurde« gekannt. Das Team habe mit Hart einen »langwierigen Due-Diligence-Prozess durchlaufen«, behauptete McCrimmon, und jetzt habe er sich »nahtlos in die Mannschaft integriert«. Auch der Goalie selbst fühlt sich offenbar wohl. Er habe »viel gelernt«, und die Vegas Golden Knights Foundation habe »einen tollen Job gemacht«, um ihm »die Eingliederung in die Community zu erleichtern«, bekundete der sich glücklich schätzende Käfighüter.
So ergibt sich, dass in Vegas alle happy sind; das Franchise darf seine Tricks weiter aufführen. Die restliche Eishockeywelt ist gezwungen, zuzuschauen.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
