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Eishockey

Hallo ­Vergangenheit!

Foto: Andreas Gora/dpa
Für Westdeutsche unverständlich: Fans der Eisbären erinnern an Dynamo-Vergangenheit (Berlin, 26.4.2026)

Der Zusammenschluss zur »Liga« markiert Wachstum, Tragweite, Belang. Wie für Politgruppen, so für den Sport. Im Herbst 1950 beschloss der Deutsche Sportausschuss der DDR die Gründung einer Eishockeyliga, noch im selben Jahr holte Ostglas Weißwasser ungeschlagen den ersten Titel gegen SG Frankenhausen, BSG Textil Pleißengrund Crimmitschau und BSG Empor Berlin. Ein erster Sieg für den späteren DDR-Rekordmeister (25 Titel). In den Folgesaisons wurden aus vier Mannschaften sieben, und eine Oberliga wurde etabliert, in die aufgestiegen werden konnte.

Dann kam der Leistungssportbeschluss von 1969. In Vorbereitung auf die olympische Konkurrenz legte das Politbüro einige förderungswürdige Sportarten fest. Andere fielen hinten runter, darunter das Eishockey. Eine in sich recht nachvollziehbare Rechnung lag dem zugrunde: »Wir brauchen zum Aufbau der sozialistischen Wirtschaft jede Mark. Um Eishockey zu betreiben, benötigt man jährlich die Finanzen von etwa zwei hochseefischverarbeitenden Kühlschiffen. Also, liebe Sportler, was brauchen wir dringender: Eishockey oder Kühlschiffe?«, soll der Staatssekretär für Körperkultur und Sport, Rudolf Hellmann, gesagt haben. Dass mit nur zwei Teams, SG Dynamo Weißwasser und SC Dynamo Berlin, die nun »kleinste Liga der Welt« fortbestehen konnte, ist angeblich einer Intervention Erich Mielkes zu verdanken, der qua seines Amtes als Minister für Staatssicherheit auch Vorsitzender der Sportvereinigung Dynamo war. Nun konnte sich, mangels Konkurrenz, eine etwas kuriose Vereinsgeschichte entwickeln, die aus Sicht Weißwassers so zusammengefasst werden kann, dass je nach Jahr im Wechsel »DDR-Meister-Titel – Erster vor SC Dynamo Berlin« oder »Vize-DDR-Meister – Zweiter nach SC Dynamo Berlin« vermerkt werden konnte, so etwa auf der Webseite des Weißwasser-Nachfolgevereins Lausitzer Füchse.

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Die haben am Sonntag im ausverkauften Ostberliner »Welli« ein Testspiel gegen die Nachfolger der Berliner Dynamos, die Eisbären Berlin, gespielt. Ein Rest Vergangenheit bleibt hier erhalten, sei es in »Ost-Ost-Ost-Berlin«-Rufen aus der Eisbären-Fankurve oder den »Dynamo, Dynamo«-Slogans beider Teams. Nun gut, beide sind nicht, was sie mal waren. Die Berliner stehen heute nicht mehr unter dem Protektorat Mielkes, sondern gehören dem US-Sport- und Entertainmentmulti Anschutz Entertainment Group. Auch von der einstigen Konkurrenz ist wenig geblieben: Die DEL-2-Füchse hatten gegen die amtierenden Erstligameister kaum was zu bieten, auch wenn sich die Weißwasseraner wacker genug schlugen, dass das erwartete Schützenfest ausblieb. Mit Toren von Yannick Veilleux, Ty Ronning und Jonas Müller gewannen die Eisbären nur 3:1.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.09.2026, Seite 16, Sport

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