Triumph der Langeweile
Von Jens Walter
Es sind Worte, die die nahezu chancenlose Konkurrenz von Tadej Pogačar eigentlich gar nicht hören möchte. »Tadej ist stärker als je zuvor, er wird immer besser. Er überrascht uns immer wieder«, sagte Mauro Gianetti nach dem historischen vierten Triumph Pogačars beim Schotterspektakel Strade Bianche am 7. März.
Zugegebenermaßen ist Gianetti nicht unbedingt neutral, schließlich ist er der Teamchef des überragenden Slowenen. Doch was Pogačar auf den staubigen Pisten der Toskana veranstaltete, kann bei der lediglich um Platz zwei fahrenden Konkurrenz nur für Ernüchterung und bei Fans für Langeweile sorgen. Allein Frankreichs Wunderknabe Paul Seixas konnte Pogačar bei dessen Attacke rund 80 Kilometer vor dem Ziel kurz folgen, doch dann musste auch der 19jährige erst einmal Luft holen und sich zurückfallen lassen.
Es war letztlich ein Saisoneinstieg von Pogačar, der eine Wiederholung der vergangenen beiden Jahre vermuten lässt. Auch da hatte der 27jährige auf der Piazza del Campo von Siena überlegene Siege geholt. »Mir gibt der Sieg Bestätigung und Motivation für den Rest der Saison«, sagte Pogačar, der nun als einziger Profi vier Strade-Erfolge aufweisen kann.
Dieser große Rest der Saison ist es, der für den Weltmeister zählt. Schon in zwei Wochen will er endlich eine Lücke in seinem Lebenslauf füllen. Dann steht er bei der 117. Ausgabe von Mailand-Sanremo am Start – einen Sieg bei La Primavera jagt Pogačar so vergeblich wie Kapitän Ahab den weißen Wal Moby Dick. Trotz mehrerer taktischer Varianten war immer mindestens ein anderer Profi auf der Via Roma von Sanremo schneller.
Drei Wochen später soll dann im zweiten Versuch das nächste Radsportmonument gewonnen werden. Pogačar startet erneut bei Paris-Roubaix. Im Vorjahr kostete ihn ein Fahrfehler im Duell mit Mathieu van der Poel einen möglichen Sieg in der Hölle des Nordens. Der Niederländer wird sowohl in Sanremo als auch in Roubaix der wohl größte Konkurrent Pogačars sein.
Bei den Strade Bianche bekam Pogačar trotz seiner Überlegenheit einen kleinen Blick in die Zukunft präsentiert. Denn Seixas wurde nicht nur Zweiter, der Teenager präsentierte sich in herausragender Form – und heimste ein Lob des großen Meisters ein. »Ich war von Paul beeindruckt«, sagte Pogačar. »Er hat gezeigt, dass er unter Druck fahren kann und ein Resultat erzielen kann. Er ist eine große Maschine.«
Auch Gianetti stimmte in das Loblied ein. »Paul Seixas war unglaublich und vielleicht die Entdeckung der diesjährigen Strade Bianche. Er ist erst 19 und man kann sich vorstellen, was er in der Zukunft leisten wird«, sagte der 61jährige.
Pogačar selbst dürfte die neue Konkurrenz ganz lieb sein. Trotz seiner Überlegenheit liebt der Slowene das direkte Duell mit der Konkurrenz, zieht daraus viel Motivation. Und auch dem Radsport dürfte es guttun, auf absehbare Zeit keine One-Man-Show mehr zu haben.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Sport
-
Ein bekanntes Muster
vom 09.03.2026
