Zuwenig Profit
Studie: Entwicklungshilfe fördert Export
Undank ist der Welt Lohn und nicht nur eine ostdeutsche Charaktereigenschaft. Also zog zum Beispiel Friedrich Merz schon in seiner Festrede zum 3. Oktober 2025 Bilanz: »Die Ausstrahlungskraft dessen, was wir den freien Westen nennen, nimmt jedenfalls erkennbar ab.« Da war das Scheitern der deutschen Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat am 3. Juni noch in weiter Ferne. Nur die AfD reagierte sofort auf die Frechheit der noch nicht zertrümmerten N-Staaten und verlangte am 8. Juni per Antrag im Bundestag, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) aufzulösen, seinen Etat um 80 Prozent zu schrumpfen und Entwicklungshilfe deutschnational einzusetzen: Sie müsse dazu dienen, »strategische Bündnisse zu knüpfen, die deutsche Sprache und die deutsche kulturelle Identität zu fördern«. Was letztere in Afrika oder Asien auch immer sein soll.
Der BMZ-Etat schrumpft aber auch ohne AfD in der Regierung: In den vergangenen drei Jahren um fast 20 Prozent auf gut zehn Milliarden Euro, 2027 soll es um weitere 650 Millionen Euro abwärts gehen. Am Montag aber grätschte die Kreditanstalt für Wiederaufbau in die bevorstehenden Haushaltsberatungen und veröffentlichte eine Studie der Uni Göttingen zum Ertrag deutscher Entwicklungshilfe für die deutsche Wirtschaft von 2005 bis 2014. Überraschung: Es gab Profit. Und das im Kapitalismus. Die Göttinger Wissenschaft hat jedenfalls festgestellt: Jeder Euro Entwicklungshilfe lässt deutsche Exporte um 2,50 Euro steigen, wenn man nämlich Dienstleistungen und nicht nur Waren in die Statistik einbezieht. 380.000 Arbeitsplätze sichere das hierzulande.
Für AfD und Bundesregierung dürfte das zu mickrig sein. Mit solch mageren Zahlen kommt die deutsche Identität nicht voran, und bei rund 120 Milliarden Euro im Jahr 2026 für Krieg und Rüstung muss sich das BMZ hinten anstellen. Was von den 2,50 Euro in der Kasse von Unternehmen übrigbleibt, ist ohnehin eine offene Frage. Das reicht einfach nicht.
Das war bei der Kolonialisierung, also Entwicklungshilfe, für Ostdeutschland anders: Bevölkerung ohne Krieg dezimiert, die Übriggebliebenen zu jedem Lohndumping gezwungen, höhere westdeutsche Beamte mit Busch- und Schmutzzulage in allen Behörden. Sie sorgten dafür, dass die Profis aus dem Heimatberitt überdimensionierte Kläranlagen, Autobahnen ohne Ende usw. hinstellten. Der »Aufbau Ost« war ein Förderprogramm West, das in der Wirtschaftskrise versackte. Aber es soll bald eine Neuauflage geben, diesmal mit Krieg. Johann Wadephul hat soeben erneut die Idee ins Spiel gebracht, Wiederaufbauhilfe für die Ukraine von der Schuldenbremse auszunehmen. Irgendwoher muss die nächste höhere Rendite kommen. Bis es sich lohnt, muss allerdings noch allerhand zertrümmert werden, also der Krieg weitergehen. Kommt bei westlicher Entwicklungshilfe öfter vor.
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