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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Gegen eigene Interessen

→ Zu jW vom 12./13.9.: »›Man stirbt für Industrielle‹«

Danke für diesen literarisch wirklich gelungenen und inhaltlich in diesen Zeiten so wichtigen Artikel, der mich tief betrübt zurücklässt. Wie sich die Situationen gleichen. Wie fürchterlich stumpf ein Großteil der Menschen sich nach wie vor gegen seine eigenen Interessen mobilisieren lässt. Um so wichtiger, dass es Menschen gibt, die sich an solche erinnern wie Corday und diese Erinnerungen teilen. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Krieg dem Kriege!

Andreas Buderus, Berlin

Gegenteiliger Effekt

→ Zu jW vom 11.9.: »Ein Raum der Unsicherheit«

Die feinen Differenzierungen im Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen und dadurch zum Beispiel den Unterschied zwischen dem Hitler-Attentat von 1944 (oder allgemeiner: einem Tyrannenmord) und dem RAF-Attentat auf den Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts 1986 besser verstanden. Allerdings möchte ich die Moral nicht so stark ausklammern, wie Kai Köhler das getan hat. Denn zu den Nachteilen des Linksterrorismus zählt, denke ich, auch, dass die unmittelbare Wirkung eines Terroranschlags dem langfristigen Ziel der Linken, solidarische Gesellschaften durchzusetzen, widerspricht. Sowohl der Tod eines herausgegriffenen Opfers widerspricht diesem Ziel als auch der Schrecken, der sich unter Menschen verbreitet, die sich mit dem Opfer verbunden fühlen. Linksterroristen schließen mit ihren Taten praktisch die Verwirklichung ihrer politischen Ziele aus. Das gilt um so mehr, je mehr der Erhalt der eigenen Organisation das zentrale Motiv aller Handlungen wird. Diesen Effekt hat der Linksterrorismus mit dem Militär gemeinsam, das im Namen einer Demokratie Kriege führt und dabei vor allem das eigene, auf Befehl und Gehorsam gegründete Herrschaftssystem stärkt.

Jens Jürgen Korff, Bielefeld

Wer hat, dem wird gegeben

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→ Zu jW vom 12./13.9.: »Ein politisches Armutszeugnis«

Der »Sozialstaat« ist unterfinanziert, weil auf die Besteuerung der wirklich Reichen und großen betrieblichen Einheiten verzichtet wird. – Die Steuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen durch den Verkauf strategischer Beteiligungen ist nie als eine »Steuersubvention« erfasst worden. Kapitalgesellschaften (wie AG und GmbH) konnten durch die Steuerfreistellung zig Milliarden Steuerentlastungen seit 2002 (!) erzielen. Auch die Dividendenerträge aus strategischen Beteiligungen bleiben seit 2002 steuerfrei. Die riesigen Konzerne und Holdings nutzen diese Regelungen auch noch heute. Der Einnahmenverzicht des Staates beträgt auch heute noch jährlich viele Milliarden Euro. Zukünftig werden Kapitalgesellschaften zudem mit einem von 15 auf zehn Prozent herabgesetzten Körperschaftsteuersatz begünstigt. Cum-Ex-Geschäfte etc. bringen zusätzliche Vorteile; sie werden nicht verunmöglicht. Diese Gelder – und auch die Nichterhebung der Vermögensteuer – fehlen bei der Sozialstaatsfinanzierung.

Thomas Ewald, Nidderau

Für Hoffnung, gegen Kriege

→ Zu jW vom 31.8.: »Mit wem kooperieren Sie im Kampf gegen den Krieg?«

Die Äußerungen der Sprecherin von »Rheinmetall entwaffnen« im Interview mit Gitta Düperthal haben mich angesprochen, weil ich ein sogenannter »älterer Friedensbewegter« bin. Vieles von dem, was Camille Dietrich zum besten gab, sollte innerhalb der sogenannten Linken konsensfähig sein. So ziemlich alles, was gegenwärtig viele Menschen bewegt, wird angesprochen. Meine kurdischen Freunde und Freundinnen wird es ebenso erfreuen. Es bleibt zu hoffen, dass der eingeforderte solidarische Umgang miteinander auf fruchtbaren Boden trifft. Leider ist es in den vergangenen mehr als 60 Jahren, die ich als politischer Mensch erlebt habe, nicht so gewesen, dass die linke Bewegung in der BRD eine breite Basis für ein solidarisches und konsensuales Handeln in einem stets schwierigen politischen Umfeld schaffen und halten konnte. Die zunehmende Zersplitterung war und ist eine schwere Last. Camille Dietrich tritt dieser Tendenz deutlich entgegen, was Zustimmung verdient. Nicht zuletzt folgere ich dies aus der meines Erachtens zutreffenden Beurteilung des nun schon so lange andauernden Krieges zwischen Russland und der Ukraine, weil die Hintergründe für diesen Krieg kurz und prägnant erwähnt werden. Die Menschheit überstand in der langen Zeit ihrer Existenz eine Vielzahl von Seuchen und Epidemien, zuletzt die ausufernden Infektionen mit dem Coronavirus. Sie zeigte sich jedoch unfähig im Umgang mit der größten Seuche, nämlich dem Krieg. Es ist die ehrenvollste, von Vernunft und Verantwortung geprägte Aufgabe, sich weltweit dafür einzusetzen, dass Kriege unumkehrbar in die Vergangenheit verbannt werden. »Rheinmetall entwaffnen« kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. So könnte dem Blochschen Prinzip der Hoffnung mehr Geltung verschafft werden.

Dieter Hagen, Mittelhessen

Gefahr Atomkrieg

→ Zu jW vom 12./13.9.: »Mühlstein Merz«

In der überlieferten Militärgeschichte kamen bisher alle Kriegswaffen zum Einsatz, so bereits auch die Nuklearwaffe gegen Japan. Aktuell befeuert die deutsche Parlamentsmehrheit und die Bundesregierung mit ihrer Vervielfachung der Rüstungsausgaben – auf Kosten der drastischen Reduzierung der Sozialausgaben – die konventionelle militärische Aufrüstung: für einen Einsatz gegen die Russische Föderation und damit für einen Nuklearkrieg unter Beteiligung Frankreichs und Großbritanniens. Ein Atomkrieg in Europa würde die gesamte Bevölkerung Deutschlands und Polens und größtenteils und dauerhaft Europas vernichten!

Reinhold Schramm, Berlin

Die Menschheit überstand in der langen Zeit ihrer Existenz eine Vielzahl von Seuchen und Epidemien, zuletzt die ausufernden Infektionen mit dem Coronavirus. Sie zeigte sich jedoch unfähig im Umgang mit der größten Seuche, nämlich dem Krieg.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.09.2026, Seite 14, Leserbriefe

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