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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

»Ein Bundesproblem«

→ Zu jW vom 28.8.: »War es das nun mit der ­Verkehrswende?«

Für den VCD, uns autofreie Mobile und den Umweltschutz mag – leider nicht kurzfristig – tröstlich sein: 1988 betrieb der junge VCD eine verdienstvolle Kampagne, an der ich mich nach Kräften beteiligte; da die (Bundes-)Bahn zwar Junior-, Senior- und Familienpässe anbot, aber noch kein Halbtax-Abo für Singles mittlerer Altersgruppen, war genau dessen Einführung Gegenstand einer Petition an den (Bonner) Bundestag. 108.000 Unterschriften bescherten dem VCD zunächst nur einen »Umweltpreis«. Doch schon 1989 gab es den »Rosaroten Reisepass«: nur eine halbe Sache, da nicht gültig für EC- und IC-Züge und da nur mit 30 Prozent statt 50 auf den übrigen Zuggattungen. Drei Jahre später gab es die Bahncard (für Schweizer: So heißt das deutsche Halbtax-Abo; für Österreicher: So heißt die deutsche Rabbit-Card). – Geht doch! Nur für aktuelle Umwelterfordernisse eben viel zu langsam. Der große Zerstörer Hartmut Mehdorn, dem dafür demnächst ewige Höllenstrafen gewiss sind, wollte samt seiner von Airlines (!) mitgebrachten Managern die Abschaffung der Bahncard! Das Presseecho war sogar im bürgerlichen Spektrum einstimmig dagegen, auch ich lancierte ein halbes Dutzend Leserbriefe dazu. Die Bahncard wurde – wenn auch mit völlig überteuertem Jahrespreis – strukturell beibehalten. Sie stellt eine der wenigen echten Win-win-win-Situationen dar: Rabattierung für Fahrgäste nimmt bei steigendem Gebrauch zu, was den zu niedrigen variablen Kosten beim fixkostenreichen Pkw entspricht; Anbieter verbessert die Einnahmesituation; und: Die evozierte Vermeidung von Flügen und Pkw-Abusus nützt der Umwelt! Die hessenspezifischen Katastrophen sind vor allem »Kaulquappe« Roland Koch (CDU) zu »verdanken«. Der klüngelte mit dem CDU-U-Boot in der SPD, Peer Steinbrück, sogar schon vor irgendwelchen »Grokos« die generelle ÖPNV-Schädigung aus (»Steinbrück-Koch-Papier«, das sogar von der CSU kritisiert wurde, weil die beiden den Subventionsbegriff irrtümlich auf Leistungseinkauf angewandt hatten). Sein indirekter Nachfolger Boris Rhein servierte die Grünen als Koalitionspartner ab, und die SPD steigt ja mit jedem ins Bett, selbst mit der CDU. Da hilft daher nur, bitte keine CDU und keine inhaltsähnlichen wie FDP/AfD zu wählen. Ausnahmen gibt es ausschließlich auf kommunaler Ebene: Das vorbildliche Energiedorf Alfhausen (in Niedersachsen) hat eine CDU-Bürgermeisterin – und erhält demnächst wieder einen Systemhalt auf der Strecke Osnabrück–Oldenburg. Die Komplettelektrifizierung ist tatsächlich ein Bundesproblem. Die Schweiz schloss sie schon in den 1960er Jahren mit der Mittelthurgaubahn ab (mit Ausnahme der Brienzer Rothornbahn im Traditionsbetrieb), Dänemark (mit bislang hohem Dieselanteil) strebt sie ernsthaft an. Mit Merz? Kaum: Der bekam ja, im Gegensatz zum Bocholter Hendrik Wüst (CDU), noch nicht mal vor seiner Briloner oder sonstigen sauerländischen Haustür eine Elektrifizierung hin. Platz machen, Merz – für die, die etwas können!

Bernhard May, Wuppertal

Eine Frage des Komparativs

→ Zu jW vom 1.9.: »Hormus bleibt dicht«

Zwei kurze Eckpunkte. Gibt es eigentlich lange Punkte? Egal. Meines Wissens äußerte sich Wiglaf Droste dazu. 1. Wer Frauen zwingt, Kopftücher zu tragen, ist mir suspekt. Sehr! 2. Wer ein Land aufgrund des Öls zerbombt, ist mir suspekter. Gibt es suspekter? Sprachwissenschaftler sind gefragt. Sachverhalt bleibt.

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Frank Lukaszewski, Oberhausen

Eine Weltklasse

→ Zu jW vom 3.9.: »Eberhard Vogel ­verstorben«

Der frühere DDR-Weltklasse-Linksaußen Matz Vogel ist im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Der Weserkurier schreibt, dass Matz in seiner aktiven Zeit das Spiel eines Linksaußen völlig neu interpretierte. 440mal spielte er in der DDR‑Oberliga, 74mal in der DDR‑Nationalmannschaft. Mit dem Außenrist verwandelte er einen Eckball direkt gegen die Sowjetunion 1964. Eberhard Vogel und Dragan Džajić, jugoslawischer Linksaußen genauso wie Vogel für die DDR, galten als die besten Flügelspieler der weltweiten Fußballgeschichte. Unser Pelé bezeichnete beide als die besten Linksaußen überhaupt. In der jungen Welt bringt es sein einstiger Mitspieler und späterer Trainer Hans Meyer, sehr erfolgreich bei Gladbach und Nürnberg, auf den Punkt: »Er war ein begnadeter Stürmer, der in jeder Weltklassemannschaft gespielt hätte!« Aber mal ehrlich: Wer kannte ihn schon wirklich in der westlichen Wertegemeinschaft BRD? In der BRD kickten auch ausgezeichnete Außenstürmer zu dieser Zeit wie Heinz Hornig von Köln oder Sigi Held vom BVB.

Gerd-Rolf Rosenberger, Bremen

Eine Sorge

→ Zu jW vom 3.9.: »Aus Leserbriefen an die ­Redaktion«

Ich kann der Lesermeinung von Dietmar Breme, abgedruckt in der jW vom 3. September, nur zustimmen. Wo bleibt in der BRD der Protest – von Widerstand ganz zu schweigen – gegen die immer weiter vorangetriebene Militarisierung und dadurch zunehmende Kriegsgefahr? Wollen wir wieder so lange warten, bis es erneut zu spät ist? Haben zwei verheerende Weltkriege nicht gereicht? Dieses Schweigen, diese Gleichgültigkeit vieler Menschen machen mir Angst. Ich gehöre mit meinen fast 70 Jahren zu einer Generation, die Krieg selbst nicht erleben musste und auch nicht erleben möchte. Ich sorge mich besonders um meine Enkelkinder, deren Zukunft, soweit sie eine haben werden, mit jedem Tag ungewisser scheint. Deshalb gilt: Sozialismus oder Barbarei!

Joachim Becker, per E-Mail

Wo bleibt in der BRD der Protest – von Widerstand ganz zu schweigen – gegen die immer weiter vorangetriebene Militarisierung und dadurch zunehmende Kriegsgefahr? (…) Dieses Schweigen, diese Gleichgültigkeit vieler Menschen machen mir Angst.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.09.2026, Seite 14, Leserbriefe

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