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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Gleichheit im Reiche der Freiheit

Zu jW vom 10.9.: »Um Jahrhunderte voraus«

Danke für diesen schönen Text. Und danke auch für den Verweis auf das Winstanley-Buch von Hermann Klenner aus dem Jahre 1986 (Leipzig, DDR). Der damals 60jährige Klenner hat 2026 seinen Hundertsten gefeiert, und die lange Liste der von ihm herausgegebenen Bücher zur Geschichte der Weltbetrachtung und des darauf fußenden Veränderungsstrebens umfasst aus dem britischen Königreich außer Winstanley auch John Locke, John Milton, James Harrington, Thomas Hobbes, Mary Wollstonecraft, William Godwin und Francis Bacon. In den 1990er und 2000er Jahren hat Hermann Klenner zudem die Zeitschrift Utopie kreativ mit Aufsätzen zu diesen Persönlichkeiten beschenkt. Da wird, wenn’s denn gewollt wird, ein schöner Zugang zu ihnen ermöglicht. Was ziemlich nützlich sein kann auf dem Weg, sich zu vergewissern, dass Revolution zur Menschheit gehört.

Wolfram Adolphi, Potsdam

Zum Gipfel des Schwachsinns

→ Zu jW vom 10.9.: »Intelligenzbestien«

Zwei Dinge benötigt ein kapitalistisches System, um politisch und kulturell an der Macht zu bleiben. Herrschaft mittels Zwang und Herrschaft durch Zustimmung. Herrschaft mittels Zwang wie Polizei, Militär, Justiz und Staat kennt jeder. Herrschaft, die stabiler ist als Zwangsherrschaft, kennt nicht jeder. Das ist die Herrschaft, wenn die Beherrschten die gesellschaftliche Ordnung freiwillig akzeptieren. Dabei ist »Zustimmung« nicht unbedingt bewusste Zustimmung. Vielmehr geht es darum, dass bestimmte Vorstellungen so selbstverständlich erscheinen, dass man sie kaum noch hinterfragt. Bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen können so tief in den Alltag eindringen, dass sie wie natürliche Tatsachen erscheinen. Wie Menschen die Gesellschaft verstehen sollen, wird uns in der Schule, der Literatur, der Presse, der Religion, der Philosophie, der Kunst, der Sprache und der Wissenschaft vermittelt.

Die Herrschenden müssen kulturelle und moralische Führung ausüben. Die herrschende Elite muss versuchen, ihre eigenen Absichten und Ideen als Ideen und Absichten des Volkes erscheinen zu lassen. Eine gesellschaftliche Elite herrscht besonders dauerhaft, wenn ihre Vorstellungen über Gesellschaft, Moral, Politik und das »Normale« so weit verbreitet sind, dass sie als allgemeiner gesellschaftlicher Menschenverstand erscheinen und dadurch Zustimmung zur bestehenden Ordnung erzeugen. Die PISA-Studie beweist, dass geistige Verzerrung und wenig Bewusstsein in den Köpfen der Kinder vorherrschen. Der Alltagsverstand hat die Köpfe der Schulkinder erobert und hat die Treppe zur Verblödung freigegeben, die zum Gipfel des Schwachsinns führt.

Manfred Guerth, Hamburg

Töten als Hobby

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→ Zu jW vom 2.9.: »Töten als Naturerlebnis«

Danke für diesen fundierten Artikel zum Thema Jagd. Leider bestätigen diese Zahlen und Fakten den in Deutschland herrschenden Krieg gegen Natur und Wildtiere. Töten von Wehrlosen ohne wissenschaftlich nachweisbaren Effekt als Passion und Hobby. Mahatma Gandhi sagte dazu: »Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.«

Toralf Köhn, Wandlitz

Farbenfroh und verlogen

Zu jW vom 28.8.: »Kein Recht auf Rendite«

Das Recht auf Wohnen ist elementares Menschenrecht. Warum hören wir heute nicht den millionenfachen Aufschrei der Menschenrechtsrevolutionäre von einst? Wo sind die Millionen Demokraten, die ihr Recht auf bezahlbares Wohnen machtvoll einklagen und sich ihre demokratischen Abstimmungen gegen die Wohnungskonzerne nicht verwässern, entwerten und ignorieren lassen? Wie weit entfernt ist eine SPD heute von dem, was ein früherer Bundeskanzler Brandt 1987 in einem Essay noch auszusprechen wagte? »Leute, die ihre Absichten verschleiern, indem sie Menschenrechte vorschieben, wo Besitz- oder Machtinteressen gemeint sind, handeln nicht nur zynisch und heuchlerisch, sie gefährden auch die politische Lösung großer sozialer Probleme.«

Die gesamte politische Klasse und ihre Parteien jedweder Farbe mit ihrem formalen, verlogenen Anspruch beweisen gerade (…), was wirklich linke Politik immer wusste: dass sogenannte Menschenrechte nichts als eine Waffe im Klassenkampf sind, zu nichts anderem dienen als der ideologischen Manipulation des Denkens der Massen zur Erhaltung der Macht des Kapitals. (…) Warum begreifen unsere Marktwirtschaftsversteher noch immer nicht, dass Menschenrechte nicht dem Markt zu opfern sind, dass ein Wohnungsmarkt letztlich im Menschenmarkt endet und der dümmliche Spruch von preisbestimmendem Angebot und Nachfrage immer mit jedem Menschenrecht kollidiert, immer künstlicher Mangel die Preise für Wohnen utopisch explodieren lassen muss? Die freie, soziale Marktwirtschaft ist Geschichte (…). Die Zeiten sind mit dem Ende des Sozialismus vorbei, wo sich auch Kapital und Profiteure am Sozialen orientieren mussten. Nicht Menschenrechte wurden erkämpft, weder Freiheit noch Demokratie wurden erkämpft, den Profitrechten wurde Tür und Tor geöffnet.

Wer wundert sich (…), warum vor allem im Osten Betrogene, dem Selbstbetrug verfallene Massen der moralischen, politischen und sozialen Phrasen und Versprechen überdrüssig sind? Wer wundert sich noch bei einer nicht minder machtgeilen Linken, dass sich große Teile der Bevölkerung einer rechtsextremen Partei zuwenden? (…) Von einfältigen Opfern sprach Lenin, die Opfer bleiben, solange sie nicht die Interessen der Herrschenden erkennen. Von rot bis schwarz, von grün bis gelb und auch bis blau.

Roland Winkler, Aue

Von grün zu dunkelgrün

→ Zu jW vom 2.9.: »Sonne und Solidarität«

Schon im Mai 1988 beriet eine Delegation der damals noch linken Grünen unter Jutta Ditfurth über die Förderung der Solarenergie in Kuba, auch mit Fidel Castro. Die Grünen wollten dabei Unterstützung leisten. Dieser Besuch sorgte beim erstarkenden rechten Flügel für Kritik, und mit der Unterstützung ist es nichts geworden. Es wäre für Kuba ein großer Vorteil gewesen, wenn damals schon auf Solarenergie umgestellt worden wäre.

Peter Nowak, Berlin

Die gesamte politische Klasse und ihre Parteien jedweder Farbe mit ihrem formalen, verlogenen Anspruch beweisen gerade (…), was wirklich linke Politik immer wusste: dass sogenannte Menschenrechte nichts als eine Waffe im Klassenkampf sind.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.09.2026, Seite 14, Leserbriefe

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