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IHK-Umfrage

Auszubildenden fehlt der Platz

IHK-Umfrage: Junge Menschen zumeist mit ihrem Ausbildungsplatz zufrieden, doch Wohnraummangel versperrt viele Möglichkeiten

Foto: IMAGO/Sepp Spiegl
Zu teurer Wohnraum bei mickrigem Gehalt: Die Wohnungskrise ist ein wesentliches Hindernis beim Berufseinstieg

Wer in Berlin einen Ausbildungsplatz ergattert hat, scheint mit ihm recht zufrieden zu sein – anders als mit der Wohnsituation. Darauf lässt eine am Mittwoch vorgestellte Umfrage schließen, mit der die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin das Forschungsinstitut Empirica beauftragt hatte. Befragt wurden mehr als 400 Auszubildende nach dem ersten Lehrjahr sowie 479 Ausbildungsbetriebe aus verschiedenen Branchen.

85 Prozent der befragten jungen Menschen waren zufrieden mit der Wahl ihrer Ausbildung und des Betriebes, in dem sie begonnen hatten. 80 Prozent starteten erstmals mit einer Ausbildung, 78 Prozent in ihrem Wunschberuf. Ebenfalls etwa 80 Prozent der Befragten gaben an, sich bewusst für eine duale Ausbildung entschieden zu haben. Ausbildungsstellen gibt es dabei reichlich: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit mehr als 5.000 Plätze unbesetzt; obendrein würden 44 Prozent der befragten Betriebe freie Ausbildungsplätze nicht oder nur sporadisch an die Bundesagentur melden, ergab die Umfrage.

So ist es nicht verwunderlich, dass 40 Prozent der Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht oder nicht vollständig besetzen konnten. Zur Begründung hieß es in vielen Fällen, es habe an passenden Bewerbungen gemangelt. Während diese Klage von Unternehmersseite schon seit Jahren beständig vorgetragen wird, kam inzwischen allerdings ein weiteres Ausbildungshemmnis hinzu: Die potentiellen Auszubildenden finden in Berlin keine bezahlbaren Wohnungen und müssen deshalb Abstand vom Start ins Berufsleben in der Großstadt nehmen. Das zeigt die parallel von der IHK in Auftrag gegebene Wohnbedarfsstudie.

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65 Prozent der Auszubildenden klagten demnach über Wohnraumbedarf. Woraus die IHK Handlungsvorschläge nicht für sich selbst, sondern in erster Linie für andere ableitet: Der nach den Abgeordnetenhauswahlen im September neu zu bildende Senat müsse das erst kürzlich gegründete Azubiwerk deutlich ausbauen, um den Bedarf zu decken. Es müsse »zum zentralen Steuerungsinstrument für günstigen Wohnraum für Azubis gemacht werden«, forderte IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner. Außerdem solle sich die Regierung um eine bessere Ausbildungsreife an den Schulen kümmern. Die Bundesagentur für Arbeit sei wiederum in der Pflicht, mehr für die passende Zuordnung von Bewerbern und Betrieben zu tun.

Dass möglicherweise auch die Betriebe noch einiges verbessern könnten, zeigt hingegen die Azubibefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Berlin-Brandenburg vom vergangenen Jahr – die Ergebnisse für das aktuelle werden erst Ende August vorgestellt. Für 2025 ergab sich jedenfalls, dass 58 Prozent der Jugendlichen auf ihre Bewerbungen keine Rückmeldung erhalten hatten. 41 Prozent schilderten Diskriminierungserfahrungen im Bewerbungsverfahren. Eine große Mehrheit habe sich für eine solidarisch finanzierte Ausbildungsumlage ausgesprochen, die Firmen entrichten müssten, die nicht oder zu wenig ausbildeten. »Der Weg in eine duale Ausbildung ist für viele junge Menschen noch immer hürdenreich«, stellte die stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Nele Techen, fest. Eine Ausbildung sei für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben ebenso wichtig wie für die Wirtschaft, die dringend Fachkräfte brauche. »Der DGB wird nicht lockerlassen, bis die Bedingungen für Auszubildende in Berlin wirklich besser werden und deutlich mehr junge Menschen in Ausbildung kommen.«

In der diesjährigen Befragung des Gewerkschaftsdachverbandes werden neben Berufsorientierung, Bewerbungsverfahren und Ausbildungsqualität auch die Themen Wohnen und Mobilität ermittelt. In puncto Wohnraummangel dürfte es wohl große Übereinstimmungen mit der IHK-Umfrage geben. Dort hatten drei von zehn Unternehmen angegeben, dass Jugendliche in den vergangenen fünf Jahren ihren Ausbildungsplatz wegen einer fehlenden Unterkunft nicht nutzen konnten. In nahezu jedem sechsten Betrieb kündigte ein Auszubildender die Stelle wegen des Wohnraummangels. Und das Problem spitze sich zu, so die IHK: Bis 2040 würden jährlich rund 3.400 zusätzliche Wohnplätze für die Nachwuchskräfte benötigt, die es aus anderen Regionen nach Berlin zieht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.08.2026, Seite 5, Inland

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