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Wie wollen Sie die Ansiedlung verhindern?
Sachsen-Anhalt: Lokale Bevölkerung ist entsetzt über geplante Fabrik der israelischen Waffenschmiede Elbit Systems, sagt May Sebastian
In Sangerhausen soll eine Fabrik des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems gebaut werden. Die Ansiedlung ist mittlerweile auch Gegenstand einer Anfrage der Linke-Fraktion im sachsen-anhaltinischen Landtag. Was wissen Sie über das Vorhaben?
Im Raum steht als Standort eine bis zu 150 Hektar große bisherige Ackerfläche bester Bodenqualität am westlichen Stadtrand. Inoffiziell ist die Rede von 400 möglichen Arbeitsplätzen. Wenn es nach CDU-Oberbürgermeister Torsten Schweiger geht, soll Elbit bereits im kommenden Jahr die Produktion in Sangerhausen aufnehmen.
Im nichtöffentlichen Teil einer Stadtratssitzung im Mai hatte Schweiger darüber abstimmen lassen, ob Gespräche über die Ansiedlung eines Rüstungskonzerns geführt werden sollen. Erst ein Bericht der Mitteldeutschen Zeitung machte diese Gespräche öffentlich. Die Informationen stammten vermutlich von einem Insider. So wurde bekannt, dass die Stadt mit Elbit verhandelt. Lediglich die Partei Die Linke stimmte gegen die Konsultationen. AfD, CDU und SPD waren einträchtig dafür! Bevor es zum ersten Spatenstich kommt, können und wollen wir die Ansiedlung verhindern. Denn: Noch ist nichts entschieden. Bei der Abstimmung im Stadtrat ging es zunächst nur um Verhandlungen. Im September sollen dann Baupläne diskutiert werden.
Sie engagieren sich nicht nur gegen die geplante Rüstungsproduktion in Sangerhausen, sondern auch im »Palästina-Aktionsbündnis Leipzig«. Was können Sie über Elbits Rolle im Genozid in Gaza sagen?
Elbit Systems ist ein israelischer Rüstungskonzern und einer der wichtigsten Ausrüster der israelischen Armee. Die Firma stellt zahlreiche Waffen her, die der Staat im Völkermord am palästinensischen Volk sowie bei seinen Angriffen auf Iran und den Libanon einsetzt. Elbit will seine Produktionskapazitäten in Deutschland enorm ausbauen. Mit Waffen, die der Konzern als »einsatzerprobt« vermarktet, will er von der Hochrüstungspolitik der Bundesregierung profitieren.
Es gab schon viele Proteste gegen Elbit in Deutschland. Was genau planen Sie in Sangerhausen?
Die Kampagne »Shut Elbit Down« hat erfolgreich für die Schließung mehrerer Elbit-Standorte in Großbritannien gekämpft. Und auch in Deutschland haben fünf Aktivistinnen und Aktivisten im September 2025 den Elbit-Standort in Ulm sabotiert. Gegen die als »Ulm 5« bekanntgewordenen Genossinnen und Genossen führt der deutsche Staat derzeit in Stuttgart einen Schauprozess.
Das Palästina-Aktionsbündnis Leipzig hat nun gemeinsam mit der Internationalen Jugend Sangerhausen die Kampagne »Keep Elbit Out – Keine Waffenfabrik in Sangerhausen« initiiert. Inzwischen tragen Dutzende Zusammenschlüsse die Kampagne. Dazu gehören mit Palästina solidarische Gruppen aus vielen Städten, der Verein »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost«, »Shut Elbit Down«, »Ende Gelände«, außerdem Strukturen der Partei Die Linke und ihres Jugendverbandes sowie das BSW Sachsen-Anhalt.
Wir wollen den Widerstand vor Ort mit der überregionalen Bewegung für Palästina und gegen Aufrüstung und Kriegsproduktion verbinden. Bei unserem ersten Aktionstag Anfang Juli haben wir 5.000 Exemplare unseres offenen Briefes an die Haushalte in Sangerhausen verteilt. Der nächste Aktionstag folgt am 15. August. An Infoständen wollen wir mit den Menschen ins Gespräch kommen, zusätzliches Infomaterial verteilen und Unterschriften für den von der örtlichen Linken geplanten Bürgerantrag sammeln. Außerdem mobilisieren wir überregional zu einer Demonstration Ende August in Sangerhausen.
Wie ist Ihr Eindruck aus den bisherigen Gesprächen mit der lokalen Bevölkerung?
Nach dem Willen des Oberbürgermeisters sollten die Menschen vor Ort und in der Region vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Mit unserem offenen Brief haben wir das Thema in die Stadt getragen und eine öffentliche Debatte angestoßen. Inzwischen haben wir mit vielen Menschen in Sangerhausen gesprochen. Die allermeisten reagierten schockiert und entsetzt. Unserem Eindruck nach ist die Mehrheit der Sangerhäuser gegen eine Waffenfabrik. Auch das Versprechen neuer Arbeitsplätze verfängt kaum.
Die Forderung nach Arbeitsplätzen ist dabei völlig berechtigt und drängend. Sangerhausen war eine Stadt der Industrie und des Bergbaus. Doch nach der Wende (Anschluss der DDR an die BRD, jW) wurde die gesamte Region deindustrialisiert. Bis heute ziehen deshalb viele junge Menschen weg. Statt Profiten aus Genozid und Krieg braucht Sangerhausen zivile, tarifgebundene Arbeitsplätze und eine Zukunft für die Jugend. Mit dieser Orientierung stoßen wir bei vielen Menschen auf Zustimmung.
Was können Menschen tun, die den Protest unterstützen möchten?
Sie sollten auf jeden Fall am 29. August zur Demonstration nach Sangerhausen kommen. Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt werden wir auf der Straße zeigen, wie groß der Widerstand gegen diese Pläne ist. Weitere Möglichkeiten zum Mitmachen finden sich online bei »Keep Elbit Out«.
May Sebastian ist im Palästina-Aktionsbündnis Leipzig und bei »Keep Elbit Out – Keine Waffenfabrik in Sangerhausen« aktiv
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Andreas Weniger aus Sangerhausen 4. Aug. 2026 um 23:19 UhrZunächst möchte ich meine Freude über das Interesse der Tageszeitung junge Welt am Thema »Keine Rüstungsfabrik in Sangerhausen« zum Ausdruck bringen. Ehrlich gesagt, hatte ich auch nichts anderes erwartet. Seit einigen Jahren spreche ich Abend für Abend den Text unter der Bezeichnung Junge Welt mit »Kurz notiert und unsere Empfehlungen« für den nächsten Tag auf Band. Unsere Fangruppe auf Telegram erwartet besonders sehnsüchtig unsere Aufnahmen. Nun sind meine Frau (Kerstin, 62 Jahre) und ich (Andreas, 65 Jahre) leider nicht mehr die Jüngsten. Zudem sind wir beide noch berufstätig. Wer unseren Sender Radio MSH AK711 kennt, weiß, dass wir ein informatives Programm Tag für Tag senden. (Ich sitze meistens bis 2 Uhr und bereite bis dahin Nacht für Nacht die Sendungen für den nächsten Tag vor.) Wir wirken antifaschistisch und sozialistisch und wo es Sozialismus gibt, dort herrscht nicht nur das Volk, sondern auch Frieden. Wir haben deshalb auf unserer Seite www.Radio-MSH-AK711.com am 29. Juli unsere Erklärung niedergelegt, welche von Jedermann jederzeit gern zur Kenntnis genommen werden kann. Zudem haben wir auch einen Spot und ein eigenes Lied »Sangerhausen muss Stadt des Friedens werden« initialisiert. Ich bin in Sangerhausen geboren. Nachfolgend ein kleiner Auszug unserer Erklärung: Stellungnahme von Radio MSH Unsere Position: Gegen den Bau einer Rüstungsfabrik in Sangerhausen. Radio MSH spricht sich entschieden gegen die geplante Rüstungsfabrik in Sangerhausen aus. Wir wollen eine Zukunft für unsere Stadt, die auf Gemeinwohl, Sicherheit und Zusammenhalt setzt – nicht auf Waffenproduktion. Die Herstellung von Rüstungsgütern wirft grundlegende moralische Fragen auf, die nicht allein wirtschaftlich beantwortet werden können. Als lokales Medium sehen wir eine Verantwortung, auf die möglichen Folgen von Waffenproduktion und -exporten hinzuweisen …
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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