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Metalcore

Das Album danach

»Yearning: The Unbeautiful After« von Boundaries

Foto: Christian Grube/imago
Balladen als Therapie: Die Band verarbeitet nicht zuletzt den Tod mehrerer Kolleginnen und Freunde bei einem Flugzeugabsturz im vergangenen Jahr

Als 2024 mit »Death Is Little More« der dritte Langspieler von Boundaries herauskam, hatte dessen Shouter Matthew McDougal gegenüber dem Onlineportal The Noise den vierten natürlich noch nicht im Blick. Mit dem ersten Album meldet man sich an, das zweite soll beweisen, dass man beim ersten nicht »einfach nur Glück« gehabt habe, so McDougal damals, erst ab dem dritten wird es dann interessant. Worauf er damals nicht einging: Spätestens ab dem vierten wird es auch heikel, wenn Erwartungen mit Innovationszwang kollidieren. Spielt den Song noch mal, aber anders! Das Metalcore-Quintett aus Hartford (Connecticut, USA) hat mit »Yearning: The Unbeautiful After« die Herausforderung angenommen.

Erst im März hatten Boundaries bei Emo- und Knüppellabel Sumerian Records unterschrieben. Da mit »Death Is Little More« jedoch der Schritt ins Dunklere und Pathologische bereits getan war, sollte mit »Yearning: The Unbeautiful After« wohl mehr Dresche her. Das Ergebnis: Boundaries bedienen sich ausgiebig am Beatdown. Breakdowns werden oftmals nur von einzelnen Distortion-Akzenten und zweistimmigen Bendings verziert. So wird der Breakdown als Herzdruckmassage zur luftabschneidenden Pressur, als hätte man wen wiederbelebt, nur um ihn dann totzuquetschen. Wem das zu rabiat und stumpf ist, der muss die ersten beiden Songs des Albums skippen und gleich zu »May This Pain Never Leave« gehen.

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Boundaries lassen hier zwischen den Parts Luft, die Breakdowns in der Strophe werden von einer gezupften Leadgitarre untermalt. Damit schaffen sie eine exakte Vertonung dessen, was man im Falle einer sich anbahnenden Panikattacke zur Beruhigung tut: Mit genug, aber nicht eskalierender Gewalt hämmert man sich selbst auf die Brust, dann bleiben vielleicht blaue Flecken, aber das Gefühl von Verzweiflung lässt sich unter Kontrolle bringen. »May this pain never let me forget«, singt dann Drummer Tim Sullivan, lyrisch wenig fordernd, im Refrain – mit dem Poppigen inmitten der Metalcorehärte wie Butter, die durch das Messer geht, erinnert das an alte Haste­-the-Day-Tage –, McDougal shoutet das Echo.

Die Balladenform als Traumatherapie: Die Band verarbeitet damit den Tod mehrerer Kolleginnen und Freunde bei einem Flugzeugabsturz im vergangenen Jahr. Verarbeitung meint, dass etwas bleibt: Der Schmerz gemahnt an die Größe des Verlusts. Und »Yearning: The Unbeautiful After« bestätigt, wie schwer es ist, das Album nach »Death Is Little More« zu sein.

→ Boundaries: »Yearning: The Unbeautiful After« (Sumerian Records)

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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