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Reallohnverlust tarifiert
Zum Tarifabschluss im bayrischen Handel
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Dienstag einen Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel in Bayern erzielt. Über die Laufzeit von 24 Monaten sind für die Beschäftigten im Freistaat Tarifentgelterhöhungen von fünf Prozent vorgesehen, zunächst 2,9 Prozent ab August und weitere 2,1 Prozent ab Mai kommenden Jahres. Für die Auszubildenden erhöhen sich die Vergütungen ab diesem September um 40, ab September 2027 um 30 Euro pro Monat.
Verdi feiert sich selbst, spricht von einem »sehr guten Tarifabschluss« und einer »klaren Signalwirkung«, wie es Silke Zimmer, im Verdi-Bundesvorstand für den Bereich Handel zuständig, formulierte. In Wahrheit zementiert die Gewerkschaft jedoch ein weiteres Mal Reallohnverluste in der Branche. Die vereinbarten Entgelterhöhungen liegen unter der Inflationsrate. Im Juni lag die für die gesamte Bundesrepublik bei 2,3 Prozent, nur auf Bayern bezogen sogar bei 2,5 Prozent. Zudem bleibt man weit hinter den Zielen zurück, die man sich zu Verhandlungsbeginn im März gesteckt hatte: Da wollte man noch eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent, eine Ausbildungsvergütungssteigerung von 150 Euro durchsetzen – und das bei einer Laufzeit von nur einem Jahr! Wenn das mal keine klaffende Lücke zwischen Anspruch und Ergebnis ist.
Und nicht einmal den deutlich schlechteren nun verkündeten Zahlen kann man uneingeschränkt trauen. Rechnen wir nach: Der alte Tarifvertrag lief Ende April dieses Jahres aus. Die erste vereinbarte Steigerung von 2,9 Prozent soll ab August greifen – für Mai, Juni und Juli gehen die Beschäftigten also leer aus. Damit enthält der neue Tarifabschluss de facto nur eine Steigerung für neun der zwölf ersten Monate seiner Laufzeit – legt man die Monate ohne Erhöhung auf das Jahr um, entspricht das einer tatsächlichen Entgelterhöhung von nur 2,175 Prozent. Im zweiten Tarifjahr sollen die Entgelte dann um 2,1 Prozent steigen. Im Ergebnis steigen die Entgelte für die 24 Monate der Laufzeit also um gerade 4,275 Prozent! Verdis offizielle öffentliche Verlautbarungen von fünf Prozent kommen somit nicht einmal mit Zinseszinsrechnung hin!
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Verdi schon in der vergangenen Tarifrunde im Handel, 2024 in Hamburg, Reallohnverluste beschlossen hat. Auch dort lag der Abschluss weit entfernt von den Zielen, die die Gewerkschaft sich gesteckt hatte – unter anderem war die Laufzeit mit 36 Monaten dreimal (!) so lang wie ursprünglich anvisiert, und die Entgelterhöhungen lagen auch da schon unter der Teuerungsrate für den fraglichen Zeitraum. Somit ist die jüngste Tarifrunde in Bayern die zweite, bei der unter Leitung von Verdi-Vorständin Silke Zimmer in der Praxis Verschlechterungen für die Arbeiter beschlossen werden.
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