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»Global Sumud Flotilla«

Palästina ist nicht allein

Die Aktivisten der »Global Sumud Flotilla« erreichen ihr Ziel Gaza nicht und erleiden nach dem Aufbringen Misshandlungen durch die israelischen Besatzer. Aber ihre Botschaft kommt an

Foto: David Melero
Alberto Andrés trägt auch Wochen nach der Aufbringung sichtbare Spuren der Misshandlung durch israelische Einsatzkräfte

Als sich die spanischen Aktivisten María García, Alberto Andrés und Javier Aparicio der »Global Sumud Flotilla« auf dem Weg nach Gaza anschlossen, waren sie sich bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit groß war, ihr Ziel niemals zu erreichen. Was sie jedoch nicht erwartet hatten, war das Ausmaß der Gewalt, der sie ausgesetzt waren, nachdem israelische Streitkräfte den zivilen Hilfskonvoi im östlichen Mittelmeer abgefangen hatten.

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Spanien erholen sich die drei Aktivisten noch immer von ihren körperlichen Verletzungen und psychischen Traumata. Gegenüber junge Welt berichten sie, was ihrer Aussage nach an Bord der israelischen Militärschiffe geschah, nachdem die Flottille in internationalen Gewässern abgefangen worden war. Ihre Vorwürfe umfassen heftige Schläge, Demütigungen, Bedrohungen mit Schusswaffen, Elektroschockeinsätze und sexualisierte Gewalt gegen Teilnehmende. Doch die Aktivisten sagen, ihre Erfahrungen hätten lediglich in kleinerem Maßstab offenbart, wie Palästinenser, die unter Besatzung und Belagerung leben, routinemäßig behandelt werden.

Die »Global Sumud Flotilla« war einer der größten zivilen Seeeinsätze, die seit Oktober 2023 gestartet wurden, um Israels illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Die Aktion mit Dutzenden von Schiffen hatte zum Ziel, Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter zu liefern und gleichzeitig die internationale Aufmerksamkeit auf die humanitäre Katastrophe zu lenken, die sich in den palästinensischen Gebieten abspielt. Der Konvoi, der Hunderte von Aktivisten aus aller Welt beförderte, wurde im April und Mai 2026 von israelischen Streitkräften abgefangen. Die spanischen Behörden verurteilten daraufhin die Festnahme spanischer Staatsbürger und stellten die Rechtmäßigkeit der Operation in Frage.

Noch mehr Gewalt

Wie mehrere frühere Versuche, Gaza seit Oktober 2023 auf dem Seeweg zu erreichen, kam auch diese Flottille nie an. Israelische Streitkräfte fingen den Konvoi in mehreren Etappen ab, noch während er sich in internationalen Gewässern nahe Zypern und Kreta befand. Die Teilnehmenden wurden festgenommen, die Schiffe daran gehindert, ihre Reise fortzusetzen. Während schon frühere Teilnehmer der Flottillen von Einschüchterung, Festnahmen und Misshandlungen berichtet hatten, sagen Aktivisten, die an dieser »Sumud«-Mission beteiligt waren, dass die während dieser Operation angewendete Gewalt eine erhebliche Eskalation darstellte.

Für Alberto Andrés begann die Tortur in der Nacht des 29. April, während der ersten großen Abfangaktion. »Niemand hatte damit gerechnet, dass die zionistischen Streitkräfte in griechische Gewässer vordringen würden, innerhalb der europäischen Wirtschaftszone, mehr als 1.100 Kilometer von der Küste Gazas entfernt«, erinnert er sich. Israelische Truppen stürmten bewaffnet die Schiffe: »Sie richteten praktisch ihre Sturmgewehre auf uns, deren Laservisiere auf unsere Köpfe und Körper zielten, drohten zu schießen und befahlen uns, stillzustehen, nackt und mit erhobenen Händen.«

Foto: David Melero KM4A1228.jpg
Acht gebrochene Rippen, ein Teilriss des Zwerchfells und eine Leberverletzung, an der Alberto Andrés weiterhin leidet

Er berichtet, dass die Festgenommenen auf ein großes Militärschiff gebracht wurden, wo sich die Bedingungen sofort verschlechterten. »Von dem Moment an, als wir das Schiff betraten, herrschten nur noch Aggression, Misshandlung und Gewalt.« Dann gingen taktische Einheiten durch die Reihen der Festgenommenen. »Sie fingen an, alle niederzumähen, schlugen uns nacheinander, traten uns, schossen mit Gummigeschossen, Schrot und Blendgranaten auf uns. Es war ein allgemeines Durcheinander.« Jeder Gefangene wurde in einen Schiffscontainer gebracht, wo weitere Übergriffe außer Sichtweite stattfanden. »Ich bekam Schläge auf Brust und Rücken. Dann warfen sie mich zu Boden, und mehrere Soldaten schlugen auf mich ein.« Ein Bild hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt. »Ich sah eine Mitstreiterin bewusstlos auf dem Boden liegen. Ich wusste nicht, ob sie tot war.«

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Die körperlichen Folgen waren verheerend. Nach seiner Verlegung nach Kreta, so Alberto, habe das freiwillige medizinische Personal die Schwere seines Zustands sofort erkannt, doch die griechischen Behörden hätten keine Soforthilfe geleistet, und die verletzten Aktivisten seien stundenlang ohne angemessene Versorgung geblieben. »Die Polizei hat nicht kooperiert, sie hat uns keine Hilfe angeboten, sie hat uns nicht einmal Wasser gegeben.« Medizinische Untersuchungen ergaben später schwere Verletzungen. »Ich erlitt einen Teilriss des Zwerchfells. Acht Rippen waren gebrochen und ich habe eine Leberverletzung, die ich immer noch behandeln lasse.«

Albertos Verletzungen waren kein Einzelfall. Laut María García verloren mindestens zwei Aktivisten während des Einsatzes das Bewusstsein. Sie berichtet, dass es unter den Teilnehmern zahlreiche Kopfverletzungen, Dutzende von Knochenbrüchen und mehrere innere Blutungen gab. »Mehreren Personen wurde mit Tasern ins Gesicht geschossen, und sie erhielten Stromschläge an verschiedenen Körperstellen, darunter auch im Gesicht.«

Weitermachen für Gaza

María hatte ihre Familie bereits gewarnt, dass eine Aufbringung unmittelbar bevorstand. In ihrer letzten Nachricht, bevor der Kontakt abbrach, teilte sie ihren Angehörigen mit, dass sich israelische Schiffe näherten und sich die Aktivisten mental auf das vorbereiteten, was passieren könnte. Ihre Familie verbrachte Tage voller Angst, fast ohne Informationen über ihren Verbleib oder ihren Zustand. Die spanischen diplomatischen Dienste bestätigten schließlich, dass die Festgenommenen in israelische Gewahrsam genommen worden waren.

María berichtet von systematischer Gewalt während der Haft. »Sie zogen uns die Kleider aus und steckten uns in diesen Container, wo sie uns schlugen, und dann wurden wir wieder mit unseren Begleitern vereint.« Sie sagt, sie habe zu den letzten Häftlingen gehört, die abgefertigt wurden. »Ich war die letzte, die auf dieses Boot stieg. Sie schlugen mich, traten mich, gossen zwei volle Wasserflaschen über mich und zerrten mich weg. Ich war desorientiert. Mein Kopf tat weh. Ich habe nicht wirklich verstanden, was geschah.« Als sie schließlich wieder zu den anderen kam, sagt sie, hätten viele kaum noch laufen können.

Foto: David Melero KM4A1207.jpg
María García, Alberto Andrés, Mer La Frossia (Landkoordinatorin der Flottille) and Javier Aparicio werden weiter für Gaza kämpfen (v. l. n. r.)

Die Aktivistin berichtet auch von sexualisierter Gewalt und erniedrigender Behandlung während der Haft. Neben körperlichen Übergriffen haben sie und andere Teilnehmende sexuelle Demütigungen und Misshandlungen durch israelische Soldaten angeprangert. Sie gibt an, dass die Festgenommenen invasiven Leibesvisitationen ausgesetzt waren, einschließlich des Greifens an die Genitalien und des Einführens von Fingern in den Anus. Diese Erfahrung bestärkte Maria nur noch mehr in ihrer Überzeugung, dass die Mission notwendig war. »Diese Gewalt, die wir am eigenen Leib erfahren haben, wird in großem Maßstab gegen Palästinenser ausgeübt, und es wird nichts unternommen, um sie zu stoppen.«

Javier Aparicio hatte bereits eine israelische Aufbringung erlebt, bevor er sich der Flottille wieder anschloss. Der spanische Aktivist war während der Operation im April in griechischen Gewässern festgenommen und kurz darauf wieder freigelassen worden. Obwohl er durch das Vorgehen der israelischen Streitkräfte eine gebrochene Nase davongetragen hatte, entschied er sich, weiterzumachen. »Im Vergleich zu einigen meiner Kollegen hatte ich Glück. Meine Nase war gebrochen, aber das reichte nicht aus, um mich aufzuhalten.«

Später beschrieb Javier Fotos, die weltweit kursierten und Aktivisten zeigten, die stundenlang unter der Sonne knieten, während sie von israelischen Streitkräften bewacht wurden. Für ihn spiegelten sie etwas Tieferes wider. »Die israelische Armee und die Besatzungstruppen lassen diese Bilder zu, weil sie sich über dem Gesetz stehend fühlen. Sie sind so überzeugt von dem, was sie tun, dass sie es nicht einmal als problematisch ansehen.« Wie seine Mitaktivisten argumentiert Javier, dass es bei der Aktion nicht nur darum ging, Hilfe zu leisten, sondern auch darum, auf das Leid in Gaza aufmerksam zu machen. »Es ergibt Sinn, weiterzumachen.«

Das Trauma bleibt

Während die Aktivisten in Haft saßen, warteten ihre Familien hilflos in Spanien. Die Angehörigen von María und Javier verbrachten Tage damit, kaum oder gar keine verlässlichen Informationen darüber zu erhalten, wohin sie gebracht worden waren, ob sie verletzt waren oder wann sie zurückkehren würden. Die Familienangehörigen wandten sich wiederholt an diplomatische Stellen und verfolgten gleichzeitig die bruchstückhaften Berichte, die aus dem Mittelmeerraum eintrafen.

Für viele war die Ungewissheit fast ebenso schmerzhaft wie die späteren Enthüllungen über die Gewalt. Die Aktivisten wurden schließlich freigelassen und abgeschoben, doch einige benötigten bei ihrer Ankunft in Griechenland und nach ihrer Rückkehr nach Hause medizinische Behandlung. Alberto wird wegen seiner gebrochenen Rippen weiterhin regelmäßig medizinisch versorgt und ruht sich einige Tage in seinem Haus in den spanischen Pyrenäen aus, während auch María und Javier versuchen, wieder in ihr normales Leben zurückzufinden. Ihre Blutergüsse heilen schneller als die Erinnerungen. Ob ihre Vorwürfe zu Ermittlungen führen werden, bleibt unklar. Doch die Aktivisten sind entschlossen, dass ihre Erfahrungen und die Erfahrungen der Palästinenser, die sie unterstützen wollten, nicht aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden.

Für die drei geht die Bedeutung der Flottille über das unmittelbare Ziel der Lieferung humanitärer Hilfe hinaus. Immer wieder kommen sie auf dieselbe Botschaft zurück: Die Palästinenser dürfen sich nicht im Stich gelassen fühlen. »Es geht nicht nur darum, nach Gaza zu gelangen«, sagt María. »Es geht darum, sicherzustellen, dass sich die Menschen in Palästina nicht allein fühlen.« Die »Global Sumud Flotilla« kam nicht bis Gaza. Wie viele Versuche zuvor wurde sie abgefangen, bevor sie ihr Ziel erreichte. Dennoch betonen die Aktivisten, dass die Mission etwas anderes erreicht habe: Sie habe die Blockade erneut ins internationale Rampenlicht gerückt und Beweise geliefert, die die Welt ihrer Meinung nach nicht ignorieren könne.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.06.2026, Seite 4, Wochenendbeilage

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