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Kino

Das große Flattern

Am Nerv der Zeit: Nepomuk Pfaffs Film »Insekten – Helden im Verborgenen«

Foto: Camino Film/CZAR Film
Abendessen ist fertig

Sie flattern, kriechen, fleuchen – und leuchten manchmal. Im trendigen Kinofilm »Insekten – Helden im Verborgenen« von Regisseur Nepomuk Pfaff spielen sie ganz ungezwungen die Hauptrollen. Insekten, früher als beißende, stechende, surrende Biester verpönt, sind die neuen Stars in unserem Naturverständnis. Denn Insekten sind, als Nahrungsgrundlage und bestäubende Helfershelfer in den Biokreisläufen, überlebenswichtig für den Rest der lebendigen Welt.

Und jetzt? Sie sterben uns buchstäblich weg wie die Fliegen, was unser aller Existenz bedroht. Die altersweise, dennoch kindhafte Stimme von Katharina Thalbach erzählt mit eindringlichem Tonfall aus dem Off: von der Bedeutung und den Eigenheiten der kleinen Tiere. Dazu kommen faszinierende Großaufnahmen von Schmetterlingen, Hummeln, Wildbienen. Auch von Glühwürmchen. Und von Raupen, Larven, Raubmilben – also von sehr kleinen Fressmaschinen. Was für eine abenteuerliche Welt ist das.

Die erste Einstellung lässt einen in Blautönen schillernden, hauchzart gebauten Libellenflügel vor schwarzem Grund über die Leinwand schweben. Fraglos ein Kunstwerk der Natur. Später futtern sich – für Laienaugen schier undefinierbare – Nützlinge durch das Angebot aus Schädlingen. Insekten retten die Landwirtschaft vor anderen Insekten. Wie praktisch, wenn man das zu nutzen weiß: Raubmilben statt Chemie, Permakultur statt Totackerei, so geht moderne Ökologie. Pfaff taucht mit uns tief in die Materie ein. Er präsentiert einen dokumentarisch umfassenden Aufklärungsfilm, der mehr Spaß macht als die meisten deutschen Fernsehserien zusammen.

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Dabei berichtet er von selten zu hörenden Fakten. Etwa Dreiviertel aller Insektenarten sind nachtaktiv. Wenn wir schlafen, krabbelt und kriecht, liebt und frisst die Natur. Wobei nur eine Million Arten von Insekten bisher bekannt und einigermaßen erforscht ist. Etwa fünf Millionen warten noch auf menschliche Entdeckung. Oder lieber nicht? Denn der Mensch ist der größte Feind der für den Erdball vielleicht wichtigsten Tiergattung.

Verantwortung. Auch um sie geht es hier im Film. Ohne zu stark zu moralisieren, redet er uns ins Gewissen. Wann hören wir endlich auf, Pestizide zu benutzen? Wann lassen wir endlich gewohnheitsmäßig Knicks und Hecken an Feldrändern stehen? Wann mähen wir abwechselnd nur jeden zweiten Wiesenstreifen? Das geht nämlich: Kompromisse mit der Natur zu schließen, die letztlich unser Überleben als Spezies sichern.

Doch wenn das Insektensterben anhält, werden wir uns bald von Mehlwürmern aus dem Labor ernähren. Die Welt wird kahl und überhitzt, stinkend und potthässlich werden. Welche Folgen das für unsere Gesundheit haben wird, ist noch nicht abzusehen. Unser Wohlbefinden wird auf jeden Fall stark leiden. Zur impressionistischen Musik des Films, mal von Claude Debussy, mal vom Synthi, lässt sich vorzüglich darüber nachdenken, wie man sein eigenes Verhalten verbessern kann, um der Insektenwelt eine Chance zu geben. Denn dieser Film ist: Schönheit. Natur. Verstand. Inspiration. Bravo.

→ »Insekten – Helden im Verborgenen«, Regie: Nepomuk Pfaff, BRD 2026, 90 Min., bereits angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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