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Konflikt im Sudan

Geheimoperation aufgedeckt

Sudan: Recherchen nähren Verdacht, dass Washington Logistik für die aufständischen RSF-Milizen bereitgestellt hat

Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Spuren des Grauens: In Omdurman reichen improvisierte Gräber bis an den Straßenrand (19.4.2026)

Unterstützt Washington im sudanesischen Krieg heimlich die Schnellen Eingreiftruppen (Rapid Support Forces, RSF)? Firmen des früheren US-Soldaten Steven Shaulis sollen nämlich jahrelang Frachtflüge zu zentralen Nachschubpunkten der Miliz im Sudan betrieben haben, die sich seit 2023 einen mörderischen Krieg mit den Regierungstruppen liefert. Das legt eine mehrmonatige Reuters-Recherche mit dem Titel »Ein US-Veteran und die geheimnisvollen Boeings, die Sudans Kriegsrouten abfliegen« nahe, die die Investigativjournalisten Alexander Dziadosz, Reade Levinson und David Lewis am Mittwoch veröffentlicht haben. Ausgewertet wurden Flugbewegungen, Satellitenbilder, Luftfahrtregister und Firmenunterlagen.

Im Zentrum steht der ehemalige Green-Beret-Soldat Shaulis, heute Oberhaupt einer verzweigten Unternehmensgruppe und Gründer der Central Asia Development Group, die von Singapur aus operiert und im nachmilitärischen Entwicklungshilfeumfeld Aufträge für UN-Organisationen, mehrere US-Militärkommandos, das US-Außenministerium sowie die inzwischen nahezu aufgelöste Behörde USAID ausführt. Reuters zufolge summieren sich diese Aufträge auf mindestens 419 Millionen US-Dollar. Zum Unternehmensgeflecht gehört auch die von Libyen aus operierende Logistikfirma Occidental Support Services mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Kern der Vorwürfe: Mindestens drei ältere Boeing-Maschinen aus Shaulis’ Gruppe flogen wiederholt Flughäfen an, die als Logistikzentren der RSF gelten. Die Routen verliefen zwischen den üblichen Verdächtigen – dem Tschad, Libyen, Somalia und RSF-kontrollierten Gebieten im Sudan –, zeitlich korrelierend mit militärischen Schlüsselereignissen wie der Belagerung und Eroberung der Stadt Al-Fascher durch die RSF, die mit genozidaler Gewalt einherging. Die beteiligten Journalisten betonen: Eine direkte Unterstützung von RSF-Kriegsverbrechen belegen die Daten nicht. Sie liefern aber ein zentrales, weiteres Puzzleteil, nachdem zuvor bereits Enthüllungen über Kriegsverbrechen und Waffenrouten kursierten, und nähren den Verdacht der mindestens passiven Duldung durch die US-Regierung sowie der aktiven Unterstützung durch Golf-Kapital.

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Zwei Fälle stechen dabei in der aktuellen Recherche besonders heraus: Im Mai 2025 zerstörte die sudanesische Armee eine aus N’Djamena kommende Boeing 737 auf dem RSF-kontrollierten Flughafen Nyala – 54 Tote, davon 51 RSF-Kämpfer sowie ein Pilotenduo aus Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo und ein peruanischer Bodeningenieur. Die drei Letztgenannten standen auf der Gehaltsliste einer Occidental-Support-Services-Tochter. Die offizielle sudanesische Armee behauptete direkt danach in einer Stellungnahme, dass es sich um einen für die RSF bestimmten Waffentransport gehandelt habe – eine Vermutung, die sich nun bestätigt haben könnte.

Der zweite Fall: Eine ausgemusterte Boeing 727 der brasilianischen Fluggesellschaft Total Linhas Aéreas wurde über einen US-Makler via Südafrika an die Occidental Support Services verkauft und über den Tschad in Betrieb genommen. Die Maschine flog fortan regelmäßig den libyschen Umschlagplatz Kufra an – laut UN-Analysen ein zentraler Logistikhub der RSF. Human Rights Watch bezeichnet zudem den angeflogenen Tschad als »Schlüsseltransitpunkt« für Waffen und den Einsatz kolumbianischer Söldner. Hunderte Frachtflüge zwischen den VAE und dem Tschad begründeten seit 2024 den Verdacht einer golfstaatlich finanzierten RSF-Luftbrücke.

Auch wenn die Recherchen eine direkte Verwicklung Washingtons nicht belegen, nähren sie doch Zweifel an der offiziell proklamierten US-Neutralität, vor deren Hintergrund man in der Vergangenheit Verhandlungen in Washington um den Sudan vorantreiben wollte: Shaulis’ Firmen waren enge Geschäftspartner der US-Regierung, verdankten ihr frühere Aufträge in Afghanistan oder im Irak. Shaulis selbst entstammt dem militärisch-industriellen Komplex – und er und seine Firmen bleiben trotz offizieller US-Verurteilung der RSF-Greuel ohne jede Sanktion. Petrodollar aus Abu Dhabi, Drohnen aus aller Welt, ehemalige US-Soldaten als Logistiker im Hintergrund: Eine Art imperialistischer Arbeitsteilung wird sichtbar. Für den Friedensprozess in Washington, dem die sudanesische Regierung ohnehin skeptisch gegenübersteht, dürfte das der finale K.-o.-Schlag sein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.07.2026, Seite 6, Ausland

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