Bangladesch in grüner Schuldenfalle
Von Thomas Berger
Die globalen Aufgaben stehen bei der Weltklimakonferenz COP 30 im brasilianischen Belém im Vordergrund. Etwa, das bis zum Ende des Jahrhunderts dereinst in Paris gesetzte 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Das kann als abgeräumt gelten. Auf der Erde wird es nach jüngsten Prognosen eher einen knapp doppelt so hohen Temperaturanstieg geben. Ein anderes, beinahe gleichbedeutendes Thema ist die fortgesetzte Auseinandersetzung um den globalen Klimafonds, dessen Mittel gerade den ärmeren und zugleich oft besonders stark betroffenen Ländern die Finanzierung von Maßnahmen zur besseren Anpassung an die Folgen des Klimawandels ermöglichen sollen. Farida Akhter, Fischereiministerin in der Übergangsregierung von Bangladesch, hat auf der COP 30 am Sonnabend vor allem von reichen Industrieländern entsprechend mehr finanzielle Zusagen angemahnt. Die Zuflüsse in den Fonds müssten »planbar, als Zuschussförderung und auf Gerechtigkeit basierend« ausfallen, forderte die Delegationsleiterin bei einer interministeriellen Fachtagung der Gruppe der am wenigsten entwickelten Staaten (Least Developed Countries, LDC). Nur so sei es überhaupt möglich, dem schon jetzt enormen Ausmaß der Zerstörung von Lebensgrundlagen effektiv zu begegnen, zitierte unter anderem The Business Standard aus ihrem Appell.
Insbesondere die nachdrückliche Forderung, statt Krediten mehr auf tatsächliche Beihilfen umzuschwenken, kommt nicht von ungefähr. Denn die bisherigen Zahlungen, die zumeist nur als Darlehen mit üblichen Zinsen gewährt werden, treiben die betroffenen Länder nur noch stärker in die Schuldenkrise. Fast zugleich mit dieser erneuten Mahnung hatte am selben Tag einige tausend Kilometer entfernt in Dhaka die »Change Initiative« ihre Studie »Climate Debt Risk Index 2025 (CDRI-25)« vorgestellt. Demnach hat Bangladesch ganz besonders unter dieser Praxis zu leiden. Laut den Berechnungen kommt das dichtbesiedelte südasiatische Land schon jetzt auf einen Schuldenstand von statistisch 79,6 US-Dollar pro Einwohner aus den Klimakrediten. Das liegt darin begründet, dass Bangladesch für jeden Dollar an »echten« Zuschüssen 2,70 US-Dollar nur über Darlehen erhält, die samt Zinsen zurückzuzahlen sind. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt dabei bereits beim mehr als Dreifachen des LDC-Durchschnitts, der sich aktuell auf 23,12 US-Dollar beläuft.
Wie das Portal The Climate Watch in einem Beitrag unter Berufung auf die Studie erinnert, hat der in großen Teilen besonders flach gelegene östliche Nachbar Indiens von 2000 bis 2023 bereits ökonomische Schäden in Höhe von 13,6 Milliarden US-Dollar durch Naturkatastrophen erlitten, die durch den menschengemachten Klimawandel bedingt sind. Nicht nur die Zahl von Zyklonen im Golf von Bengalen nimmt tendenziell zu, vor allem entfalten Stürme immer größere Zerstörungskraft, wie sich gerade erst wieder auf den Philippinen gezeigt hat. Auch die jährlichen Monsunregenfälle fallen teils deutlich heftiger aus, was zur Überflutung riesiger Flächen führt. Hinzu gesellen sich Dürren und die Versalzung von Böden und Grundwasser in küstennahen Gebieten, hatte auch Ministerin Farida Akhter bei einer Gesprächsrunde in Belém unterstrichen. Während Bangladesch als besonders gefährdet gilt und allein rund 130 Millionen Menschen mindestens temporär aus ihren Heimatorten flüchten mussten, hat das Land nur einen verschwindend geringen Anteil von unter 0,5 Prozent am klimaschädlichen Ausstoß von Treibhausgasen, die die Atmosphäre aufheizen. Bereits Mitte Oktober hatte Zakir Hossain Khan, Direktor der »Change Initiative«, bei einer Diskussion darauf verwiesen, dass die LDC in Summe lediglich 3,3 Prozent zur globalen Erwärmung beitragen, aber zu 70 Prozent die Auswirkungen zu spüren bekämen.
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