»Gewerkschaftsfreie Bauausführung«
In Manhattan droht ein Wolkenkratzer einzustürzen. Seit langem wird fehlender Arbeitsschutz kritisiert
Rettungskräfte evakuierten am Dienstag morgen einen belebten Straßenblock in Manhattan, nachdem in einem umgebauten Wolkenkratzer tragende Säulen nachgegeben hatten. Der ehemalige Hauptsitz des Pharmakonzerns Pfizer nahe dem Grand Central Terminal und dem Hauptquartier der Vereinten Nationen wird derzeit umfassend saniert und von einem Bürogebäude in einen Wohnturm umgewandelt. Auf mehr als 120.000 Quadratmetern sollen rund 1.600 Luxusmietwohnungen entstehen. Nach der ursprünglich für Anfang 2027 geplanten Fertigstellung wäre das Projekt New Yorks größte Umwandlung von Büro- in Wohnraum.
Während der Bauträger Metro Loft Management versicherte, dass keine Gefahr eines vollständigen Einsturzes bestehe, warnten Stadtbeamte weiterhin vor der ernsten Lage. Sie prüfen derzeit, ob das Gebäude sicher genug ist, um es zu betreten und Reparaturarbeiten durchzuführen. »Zwei tragende Säulen sind geknickt, außerdem gibt es zahlreiche Risse und durchhängende Böden. Das Gebäude bleibt instabil. Seit unserem Eintreffen haben wir weitere Bewegungen an einer der beschädigten Säulen festgestellt«, sagte der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani.
Zur Stabilisierung der Konstruktion würden Notstützen und zusätzliche Träger eingesetzt, teilten die Behörden mit. Ingenieure und Inspektoren des Bauamtes setzten zudem eine Drohne ein, um das Ausmaß des Schadens zu beurteilen. In der Umgebung wurden Hotels, Geschäfte, Wohnungen und eine Schule evakuiert sowie Straßen vorsorglich gesperrt. John Esposito, Leiter der New Yorker Feuerwehr, erklärte, man habe Vorkehrungen für einen teilweisen Einsturz getroffen.
Cliff Johnson, Vertreter der Gewerkschaft »Steamfitters Local 638«, der während des Zwischenfalls im Gebäude arbeitete, machte den geplanten Aufbau von 16 Stockwerken für die Schäden verantwortlich. Dieser habe die tragenden Elemente des bestehenden Bürogebäudes überlastet. »Sie bauen immer weiter drauf. Wenn zusätzliches Gewicht aufgebracht wird und die Konstruktion oder Montage fehlerhaft ist, passiert genau das«, sagte er. Nach 21 Jahren im Baugewerbe habe er noch nie erlebt, dass sich ein Träger in der Mitte verbiege, eine »extrem gefährliche« Situation.
Johnson kritisierte zudem die Entscheidung des Generalunternehmers für eine gewerkschaftsfreie Bauausführung. »Wir wollen lediglich, dass in New York City verantwortungsbewusst gebaut wird«, sagte er. Die Baustelle sei nicht ausreichend abgestützt worden, Träger und Decken hätten begonnen nachzugeben. Deshalb müsse möglicherweise auch die andere Gebäudeseite evakuiert werden.
Der 28jährige Bauarbeiter Eddie berichtete gegenüber AFP, er sei von der Baustelle evakuiert worden und habe »unten gestanden und gesehen, wie alle anfingen, herunterzukommen. In diesem Moment teilte man mir mit, dass eine Säule gebrochen ist.«
Es ist nicht der erste Zwischenfall in dem Gebäude. Aus den Unterlagen des New Yorker Bauamts (DOB) geht hervor, dass es im Zusammenhang mit dem Umbauprojekt in der 235 East 42nd Street im Jahr 2025 bereits sieben Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften auf der Baustelle gegeben hatte. Im Oktober hatte eine Beschwerde auf »nicht zugelassene Arbeiter« und »unsichere Arbeitsbedingungen« auf der Baustelle hingewiesen. Genannt wurden unter anderem ein herabgestürzter Gegenstand, der beinahe einen Arbeiter getroffen hätte, unzureichend belüftete Gasmaschinen, fehlende Schutzvorrichtungen und nicht zugelassene Schweißer. Zudem seien wiederholt Betonstücke von oben herabgefallen, ein Problem, auf das auch mehrere Beschwerden in den vergangenen zwei Jahren hingewiesen hatten.
Zuletzt wurde das mit dem Umbau beauftragte Unternehmen im Dezember wegen der unterlassenen Meldung eines Bauunfalls an das DOB verwarnt. Die sieben im vergangenen Jahr festgestellten Verstöße wurden jeweils beseitigt, alle bis auf einen galten als unmittelbar gefährlich.
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