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Union Busting Monitor

The Dark Side of Mainz: Mobbing und verbrannte Erde

Jessica Reisner und Elmar Wigand kommentieren Union Busting

Von Jessica Reisner und Elmar Wigand
Foto: jW

Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz gilt als charmante, etwas verschlafene, aber schnuckelige Stadt. Manchen kommt Karneval in den Sinn, manchen die Mainzelmännchen, die den Adenauer-Sender ZDF zwischen Voltaren und Hagebaumarkt verniedlichen. Gunaaabnd! Hart arbeiten hat man Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen, wie die Müßiggänger angeblich heißen, allerdings nie gesehen – obwohl sie doch mit den Kölner Heinzelmännchen verwandt sein müssten, die des Nachts die Drecksarbeit für die braven Bürger erledigten. Auch der Fußballverein Mainz 05, der sich erstaunlich solide in der 1. Bundesliga der Männer hält und mit Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hintereinander gleich zwei internationale Toptrainer hervorgebracht hat, gilt landläufig als sympathisch.

Mainz kann aber auch anders. Mindestens zweimal innerhalb weniger Wochen setzten hier Firmenleitungen Angestellte, die eine Betriebsratsgründung geplant haben sollen, ohne Vorwarnung vor die Tür. Im Mai traf es 70 Beschäftigte der Bank C24. Als sie am Montag morgen ihren Dienst antreten wollten, war die Filiale verrammelt: »Gesellschaft geschlossen! Kein Zutritt!« Die überraschten Bankangestellten mussten die Polizei bemühen, um überhaupt ihre persönlichen Gegenstände aus der Firma holen zu können. Laut Verdi sei eine Betriebsratsgründung in Vorbereitung gewesen. Das Management schob »betriebliche Gründe« vor – die faule Ausrede schlechthin in einem Land, das Eigentum, Profit und »unternehmerische Freiheit« über Arbeitsrechte und Menschenwürde stellt.

Gleiches Muster, andere Branche, andere Gewerkschaft: Ende Juni feuerte die Hotelgruppe Novum Hospitality den Großteil der Belegschaft des Mainzer Hotels Garner. Zudem sollen auch Beschäftigte eines zweiten Hotels der Gruppe betroffen gewesen sein. Weder die Gewerkschaft NGG, die im Aufsichtsrat vertreten ist, noch der Betriebsrat können genauer sagen, was da läuft. Die NGG wertete die Massenentlassung als Union Busting, um eine geplante Betriebsratsgründung zu vereiteln. Auch hier traf es die Angestellten ohne Vorwarnung, auch hier wurden »betriebliche Gründe« vorgeschoben. Das Management stelle auf Leiharbeiter um, ist zu hören.

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Beide Mainzer Übeltäter, die Bank und das Hotel, boten im Anschluss an ihre Coups Abfindungen, die das übliche Maß übersteigen sollen. C24 zahlt offenbar den vollen Lohn bis Ende 2026. Wenn es darum geht, betriebliche Mitbestimmung zu verhindern, spielt Geld keine Rolle.

Auch das Image von Mainz 05 hat einige Kratzer. Wegen eines privaten Social-Media-Posts (»Vom Fluss bis zum Meer, Palästina wird frei sein«) feuerte der Klub Ende Oktober 2023 den niederländischen Spieler Anwar El Ghazi, dessen Eltern aus Marokko kommen. Zu Unrecht, wie das LAG Rheinland-Pfalz befand. Die Äußerung sei von der Meinungsfreiheit gedeckt. Und diese wiege schwerer als die Interessen des Unternehmens. Das Gericht sprach El Gazhi Gehalts- und Bonusansprüche in Höhe von 1,5 Millionen Euro zu. Eine Nichtzulassungsbeschwerde wies das Bundesarbeitsgericht 2026 ab. El Ghazi spielte nie wieder in Deutschland; er ging erst nach Cardiff und dann nach Katar.

Gegen den Mainzer Trainer Thomas Tuchel klagte der langjährige Torhüter Heinz Müller, der von 2009 bis 2014 im Kasten stand. Nach seiner Degradierung zur zweiten Mannschaft habe er am ersten Trainingstag nach der Winterpause feststellen müssen, dass sein Spind ausgeräumt worden sei. »Sogar die Bilder meiner Kinder waren rausgerissen und in eine Kiste geworfen, die neben der Toilette stand.« Mobbingvorwürfe ereilten außerdem den damaligen Mainzer Manager Christian Heidel, nachdem er zu Schalke 04 gewechselt war – erhoben vom Nationalspieler Max Meyer.

Auch hinter den Kulissen des ZDF herrscht nicht immer eitel Sonnenschein: Die Moderatorin Birgit Schrowange machte 2025 sexuelle Übergriffe und Mobbing durch einen Sendeleiter öffentlich, der ZDF-Journalist Peter Welchering berichtete ebenfalls von Mobbing und einem Klima der Angst im Staatsfunk – leider im Podcast des unappetitlichen Cicero. Sein Fazit: »Das ZDF ist nicht mehr reformierbar. Macht den Laden dicht.« Spätestens wenn Conni, Det und Edi Betriebsratswahlen planen, dürfte es soweit sein.

→ Unsere Autoren gehören zur »Aktion gegen Arbeitsunrecht« und moderieren den Podcast Arbeitsunrecht FM.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.07.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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