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Dröhnen, nicht summen

Foto: Christian Charisius/dpa
Deutsche U-Boote – erneut der Hoffnungsträger? Das weckt böse Erinnerungen (Kiel, ohne Datum)

Nur die New York Times erwähnt nach der Ankündigung von TKMS-U-Boot-Lieferungen an Kanada, dass Ottawa als Zugabe verlangt hatte, ein VW-Montagewerk in Kanada zu eröffnen. Das soll VW abgelehnt haben, baut aber in Ontario seine weltweit größte Batteriefabrik. Nur die FAZ erwähnt, dass TKMS-Boss Oliver Burkhard bis 2015 »Gewerkschaftsführer« war: von 2007 bis 2015 Chef des IG-Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen. Rechte »Arbeiterführer« macht den Deutschen keiner nach.

Ob VW in Deutschland Werke schließt, um welche in Kanada zu eröffnen, steht dahin. Die Arbeitsplätze in der Kieler Rüstungsschmiede sind gesichert, falls der Vertrag zustande kommt. Bisher lief laut FAZ alles planmäßig: »Es war schwer vorstellbar, dass Carney sich unmittelbar vor dem Abflug zum NATO-Gipfel nach Ankara gegen die Deutschen entscheiden würde, um dort wenige Stunden später Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) strahlend die Hand zu schütteln. Die TKMS-Aktie legte mit dieser Erwartung schon am Montag zweistellig zu. Die gigantischen Summen, die im Zusammenhang mit dem Auftrag kursieren, beflügeln die Phantasie der Anleger: Burkhard sprach von 167 Milliarden kanadischer Dollar, die im Laufe der Zusammenarbeit an zusätzlicher Wirtschaftsleistung entstünden.« Arbeitsplätze sind Verhandlungsmasse, Rüstungsspekulanten dürfen nicht enttäuscht werden.

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Andere deutsche Redaktionen können das nationale Glück kaum fassen. An der Euphoriespitze die Süddeutsche Zeitung: »Dieser Deal ist mehr als bloßes Geschäft. Er steht für eine neue Allianz der Mittelmächte. Allein das Beispiel TKMS verbindet Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte militärisch. Den Deal kann man deswegen als historisch bezeichnen. Auch deshalb, weil Deutschland ein neues Selbstverständnis als industriepolitischer Gestalter an den Tag legte.« Auch die Rheinische Post sieht mit dem Handel die Eichen in den Himmel wachsen: »Politisch hilft er Europa, seine Ohnmacht gegenüber den USA zu überwinden.« Die Rüstungsindustrie werde »zum Hoffnungsträger«. Die Taz blickt in eine bedröhnte Zukunft: »Der U-Boot-Deal ist dabei gewiss nur der Anfang einer Reihe an milliardenschweren Aufträgen, die während des Gipfels abgeschlossen werden. Die deutsche Regierung kann als Investitionsstreber bereits mit gemachten Hausaufgaben anreisen. Und vor den eigenen Wähler*innen zu Hause wird der Rüstungsrausch der NATO-Partner mit den gesicherten Arbeitsplätzen in Kiel verknüpft werden.« Mark Rutte drückte es schöner aus. Laut FAZ sieht er eine »transatlantische Revolution der Verteidigungsindustrie« voraus und fordert: »Das Summen der Maschinen muss zu einem Dröhnen werden.« Lärmen für den Sieg. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.07.2026, Seite 2, Ansichten

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