Zum Inhalt der Seite

Feindbild des Tages: Kommunismus

Foto: Xinhua/imago

Taiwans Militär reagierte am schnellsten und führt laut einer Meldung vom Sonntag nach einer Pause seit 2002 wieder Antikommunismuskurse ein. Zuvor nannte Donald Trump bei der 250-Jahr-Feier zur US-Unabhängigkeit vorm Mount Rushmore den leibhaftigen Karl Marx beim Namen, was den Orangenmann aus dem Weißen Haus zu dem Ausruf veranlasste: »Kommunismus ist der Feind des 4. Juli 1776.« Er sei »wie ein Krebsgeschwür – man muss es herausschneiden, und zwar schnell«. Und gefährlicher als der Überfall Japans auf Pearl Harbor 1941 oder die Attacken des 11. September 2001. Der »tiefe Staat« als Hauptfeind der Menschheit hat ausgedient. Die New York Times notierte, Trump habe das Wort »Kommunismus« so oft gebraucht, »man hätte meinen können, der Kalte Krieg dauere noch an«.

Trump meint nicht nur die Sozialdemokraten unter den US-Demokraten und setzt Kommunismus nicht mit einer gesetzlichen Krankenversicherung gleich. Es geht um mehr. Das weiß auch Friedrich Merz, der zum Abschluss des Bundestagswahlkampfs 2025 verkündete: »Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland.« Als Kanzler mit Hilfe der »linken« SPD machte er sich folgerichtig sofort daran, die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland zu zerstören.

Anzeige

Denn Trump, Merz und Taiwans Militär wissen, dass vorzeigbare Gebisse und Gesundheit für alle nur der Anfang vom Ende sind. Sie haben einfach recht: Eine gerechte Gesellschaft ist wahren Untertanen unerträglich. Von Zeit zu Zeit müssen die bloß daran erinnert werden, notfalls mit etwas bewaffneter Nachhilfe. Das Kriegsministerium in Taipeh will daher an der Militärakademie künftig wieder erreichen, »bei den Absolventen ein klares Bewusstsein für Freund und Feind zu schaffen«. Das fehlte noch, dass »unsere« Chinesen da etwas verwechselten.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 06.07.2026, Seite 3, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!