Im Abstieg
Independence Day
Gespalten ist das Land, gespalten sind auch die Feiern am Sonnabend zum 250. Gründungstag der Vereinigten Staaten. Eigentlich werden sie schon seit 2016 vorbereitet; damals installierte der US-Kongress die Organisation »America 250«, die die Festivitäten als ein überparteiliches Event gestalten sollte. US-Präsident Donald Trump, Anfang 2025 kaum erneut ins Amt gelangt, machte sich damals umgehend daran, alternative Jubelveranstaltungen anzuvisieren, die nun ein Verein namens »Freedom 250« organisiert. Und dies, na klar, ganz im MAGA-Stil. Dass »Freedom 250« Staatsgelder zu Lasten der überparteilichen »America 250« abzieht, dass Unternehmen, die für Trumps Wahlkämpfe tätig waren, nun lukrative Aufträge erhalten, dass also der Staat zur PR-, zur Geldmaschine des Milliardärs mutiert, der sich seiner bemächtigt hat – nun, im Westen nichts Neues.
Die USA begehen ihr historisches Jubiläum in einer tiefen Umbruchphase. Übten mächtige Wirtschaftsbosse ihren prägenden Einfluss gewöhnlich diskret, abseits des Rampenlichts, aus, so hat 2025 eine merkwürdige Milliardärskoalition vor allem aus Immobilienhirschen und Silicon-Valley-Oligarchen die Herrschaft in Washington persönlich an sich gerissen. Sie nutzt sie nicht bloß, um sich ihre Gesetze maßzuschneidern und ihre globalen Interessen mit Hilfe des State Department zur Geltung zu bringen; sie setzt ihre Macht auch ein, um sich selbst ganz unmittelbar zu bereichern. Trump etwa kassierte alleine mit Kryptowährungen im ersten Jahr seiner Amtszeit mehr als eine Milliarde US-Dollar mit Hilfe von Gesetzen, die er selbst auf den Weg brachte, und mit Investitionen auswärtiger Mächtiger, die sich damit Einfluss im Weißen Haus kauften. Die USA treten in eine Phase nicht mehr stillschweigender, sondern offener Plünderung ein.
Und das in einer Zeit, in der die bislang scheinbar alles dominierende, unangefochtene globale Macht der Vereinigten Staaten schwindet. Die Bilanz kurz vor ihrem Jubiläum: Im Wirtschaftskrieg gegen China haben sie allenfalls ein Unentschieden erzielt. Den Krieg gegen Iran, ein militärisch weit unterlegenes Land, haben sie politisch-strategisch sogar verloren. Ihr internationaler Abstieg dauert an; und ihre Milliardäre plündern im Äußeren wie im Inneren, spalten die Welt wie die eigene Bevölkerung – jetzt auch mit den Feierlichkeiten zu ihrem Gründungstag –, ganz so, als gäbe es kein Morgen mehr. Sie spielen va banque.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
