Zum Inhalt der Seite
Spritpreis

Wucher an der Zapfsäule

Die BRD ist sich uneins: Wie umgehen mit dem hohen Spritpreis?

Foto: IMAGO/Manfred Segerer
Nicht Jetset: Jet-Tankzug auf einer Autobahn

Der Iran und die USA bekriegen sich wieder schonungslos. Bemerkbar macht sich das in der BRD zunächst an den Zapfsäulen, wo wieder Mondpreise für Kraftstoffe verlangt werden – und in den Bilanzen der Ölfürsten. Laut NDR kostete der Liter Benzin am Sonnabend im bundesweiten Durchschnitt 2,19 Euro und Diesel einen Cent weniger – beide damit rund 40 Cent mehr als vor Kriegsbeginn. Der Tankrabatt, eine Steuersenkung von rund 17 Cent je Liter, ist allerdings seit Ende Juni Geschichte. Für spürbare Entlastung hatte er nicht gesorgt. Wie nun die Kriegsfolgen abfedern?

»Diese Gießkanne mit dem Tankrabatt, da wurde Geld verbrannt ohne einen Mehrwert«, versuchte der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Helmut Martin (CDU) am Sonntag via dpa einen zweiten Schnellschuss abzuwenden. Wichtig war ihm zu betonen, dass jedes »Preissignal eine Bedeutung hat«. Als ungeeignet bewertete er auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale, da diese nicht allen gleichmäßig zugute komme. Schließlich warb er für ein Preissignal, das schon die Ampel beschäftigt hatte: Klimageld. Das helfe »denen, die weniger haben und weniger CO2 ausstoßen, überproportional« und fördere nebst Entlastung die Zustimmung zur Emissionsbepreisung.

Anzeige

Fraglich ist, ob die Bundesregierung überhaupt etwas unternehmen wird. Dass die »Wirtschaftsministerin achselzuckend hinnimmt, dass sich das Konsumklima erneut eintrübt und Inflationssorgen nochmals steigen, ist aktive Arbeitsverweigerung«, zitierte die Augsburger Allgemeine gleichentags mit Sören Pellmann den Vorsitzenden der Fraktion Die Linke im Bundestag. Statt »den Ölmultis auch noch zusätzliches Steuergeld in den Rachen zu werfen«, sollten deren Übergewinne besteuert und für Entlastungen der Bedürftigsten herangezogen werden.

Aus der zuständigen Taskforce zitierte das Blatt Sebastian Roloff, Chef der SPD Bayerns: »Ein Spritpreisdeckel wäre eine effiziente Maßnahme, die die Menschen breit entlastet, den Bundeshaushalt aber nicht belastet.« Festhalten will man, womöglich um dem Vorwurf absoluter Untätigkeit vorzubeugen, an der Zwölf-Uhr-Regel, gegen die allerdings vermehrt verstoßen wird.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2026, Seite 5, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!