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KI im Journalismus

Schreiben und schreiben lassen

KI im Journalismus: Berufsverbände sind wegen einiger Skandale besorgt um Glaubwürdigkeit und ­fordern Kennzeichnungspflicht; Presserat sieht das anders

Foto: IlluPics/imago
Ob dieses Bild wohl mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde?

In Landtagen werden emotionale Reden und noch emotionalere Gegenreden gehalten; in Zeitungen und auf Nachrichtenseiten wird über die hitzigen Auseinandersetzungen berichtet. Sie werden eingeordnet, kritisiert, kommentiert. Doch es steht die Frage im Raum, zu welchem Grad hier tatsächlich gesellschaftliche Debatten zwischen Menschen stattfinden – und zu welchem Anteil der Austausch bereits durch künstliche Intelligenz (KI) automatisiert wurde: pfiffige Sprüche, Ausraster und Anteilnahme inklusive. Die Frage stellt sich nicht nur, wenn einer der Redner Mario Voigt oder einer der Journalisten Stephan-Andreas Casdorff heißt.

Thüringens Ministerpräsident und der frühere Tagesspiegel-Chefredakteur sind bloß die Gesichter der aktuellen Debatte. Wobei Voigt diese Rolle nicht nur seiner mehr peinlich- als skandalösen KI-Rede zum Holocaustgedenken und dem Todestag Bernhard Vogels zu verdanken hat, sondern vor allem seinem KI-Gastbeitrag in der FAZ. Die fraglichen Beiträge haben FAZ und Tagesspiegel schnell gelöscht. Wie groß der übriggebliebene KI-Anteil noch ist, weiß niemand. Weitere Enthüllungen und Löschungen werden folgen. Schließlich gibt es online mittlerweile zahlreiche Detektoren, mit denen Texte ganz unkompliziert auf ihren KI-Gehalt hin untersucht werden können.

Wie zuverlässig diese Tools sind, steht allerdings auf einem anderen Blatt. »Wir stellen fest, dass die untersuchten Verfahren zur Erkennung maschinell erzeugter Texte häufig nur für bestimmte Formen KI-generierter Texte gut funktionieren, nicht jedoch als allgemeine Detektoren«, heißt es etwa in einer aktuellen Studie der New Yorker Cornell University. Die Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff von der HTW Berlin kam schon Ende 2023 auf Basis einer breitangelegten Untersuchung zu dem Ergebnis: »Die Hoffnung, dass es eine einfache Softwarelösung zum Enttarnen von KI-Texten gibt, wird sich nicht erfüllen.« Doch wenn der Detektor eine KI-Quote von 100 Prozent behauptet, kommt der vermeintliche Autor zumindest in Erklärungsnöte.

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Zur Rettung der Journalistenehre soll nach dem Willen von Berufsverbänden nun eine Kennzeichnungspflicht für KI-Texte her. »Die aktuelle Diskussion um künstliche Intelligenz in journalistischen Texten zeigt, dass die Glaubwürdigkeit des Journalismus auf dem Spiel steht«, sagte etwa der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Mika Beuster. Sein Verband werde im Presserat um Zustimmung für den Vorschlag werben. Unterstützung kommt von der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion bei Verdi (DJU): »KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden«, heißt es da. Solange es keine gesetzliche Regelung gebe, solle eine Selbstverpflichtung her.

Die Führung des Presserats sieht es anders: Redaktionen müssten die Einhaltung des Pressekodex immer sicherstellen, insbesondere in Sachen Sorgfalt, betonte der Sprecher der Organisation, Moritz Döbler, gegenüber KNA. Dabei sei es »zunächst mal unerheblich, wieviel Anteil die KI an der Erstellung eines Textes hatte.« Der Pressekodex verlange keine Kennzeichnung und es sei »sehr schwer zu definieren, ab wann ein Text ganz oder überwiegend KI-generiert ist«. Ohnehin habe der Presserat nicht darüber zu befinden, welche Technologien in den Redaktionen eingesetzt werden.

Aus Sicht des Herausgebers der New York Times, Arthur Gregg Sulzberger, geht die größte Gefahr für den Journalismus nicht von der KI-Nutzung in Redaktionen aus, sondern von den Konzernen, die die Tools entwickeln. Diese Firmen »stehlen dreist geistiges Eigentum« und gefährden so den Journalismus, monierte er vergangene Woche bei einem Kongress in Marseille. Die Branche »war zu still, zu passiv und zu zersplittert angesichts der Missbräuche, die von jenen Unternehmen begangen werden, die die KI-Revolution vorantreiben«. Nachrichtenseiten würden »ohne Genehmigung und Vergütung« geplündert. Deshalb werde es künftig »immer weniger Journalisten geben, die die kostspielige und mühsame Arbeit der investigativen Berichterstattung leisten«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.06.2026, Seite 14, Medien

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