KI-Kompetenz aus China
Am Montag verkündet Handelsblatt-Kolumnist Daniel Stelter: »Deutschland fehlt die Kompetenz für KI«. Europa, also die EU, benötige die aber und dazu KI-Teilhabe: »Kompetenz heißt eigene Grundlagenforschung, eigene Modelle, eigenes technisches Verständnis. Nur wer selbst baut, versteht die Risiken. Teilhabe heißt: an den globalen Standards mitschreiben, statt sie aus der Zuschauerloge zu beklagen. Beide Vokabeln fehlen im deutschen Diskurs.«
Es gebe hier »kein Frontier-Modell«, reguliert werde »ein Produkt, das andere bauen«. Der entscheidende Punkt aber sei: »KI ist Strom. Frontier-KI ist sehr viel Strom.« Die Lage in Deutschland sei aber: »die höchsten Strompreise Europas, gebremster Netzausbau, ein beendetes Kernkraftkapitel ohne Ersatz – und keine Strategie, die den Zusammenhang von KI und Energie überhaupt anerkennt.« Das sei »die eigentliche Fehlleistung des Sommers 2026«, nicht die Ausbrüche von KI-Agenten in den USA, »sondern der deutsche Ausbruch aus der eigenen Zukunft«. Strom, Kompetenz und Teilhabe wären »die richtige Reihenfolge einer deutschen KI-Politik«.
Am Mittwoch meldet FAZ-Wirtschaftskorrespondent Gustav Theile aus Shanghai, dass deutsche Unternehmen daraus die Konsequenz ziehen und zum Beispiel verstärkt mit dem offenen KI-Modell Kimi K3 der chinesischen Firma Moonshot AI arbeiten. Die Vorstellung des Modells hatte kürzlich die Börsen weltweit durchgerüttelt. Nun arbeitet Moonshot AI laut FAZ daran, seine Geschäfte international auszuweiten. Eine von zwei anonym zitierten Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien, habe der Zeitung gesagt: »Deutschland steht auf der Topliste der priorisierten Länder«. Das Startup spreche dafür gezielt deutsche Unternehmen an, prüfe eine erste Werbekampagne in der Bundesrepublik und stelle deutschsprechende Angestellte ein. Eine Internetseite, auf der Abonnements abgeschlossen werden können, sei ins Deutsche übersetzt worden. Nach der Veröffentlichung des Modells hätten die Umsätze in Deutschland so stark zugenommen wie in kaum einem anderen Markt. Demnach hat Moonshot AI die Umsätze mit Privatkunden nach der Veröffentlichung von K3 insgesamt verdreifacht, in Deutschland aber mehr als verzehnfacht.
Moonshot AI verdiene sein Geld mit Abonnements, die sich vor allem an kleinere Unternehmen richten, für die das Aufsetzen einer eigenen Infrastruktur zu aufwendig ist. Die Gebühren reichen demnach von 19 bis 199 US-Dollar im Monat. Für größere Unternehmen, die das Modell auf eigenen Servern betreiben, ist die Verwendung für interne Zwecke kostenlos, für externe Anwendungen werden Lizenzgebühren fällig. Insgesamt seien das »rund die Hälfte der Preise für das neueste Modell von Open AI und ein Drittel der Preise für das neueste Modell von Anthropic.«
Am Donnerstag setzt der Spiegel wieder einmal Karl Marx auf den Titel: »Marx hat es geahnt. Der KI-Kapitalismus bedroht unsere Jobs – und unsere Demokratie«. Das letzte Mal, dass die Herrengeist-Illustrierte Marx bemühte, war 2023 mit »Hatte Marx doch recht?« Der Text beweist lediglich, dass Spiegel-Autoren keine Ahnung von Marx haben müssen, um über ihn zu schreiben. Hier ist er wieder einmal Verfechter eines automatischen Endes des Kapitalismus, den er »quasi wie ein Uhrwerk, das sich selbst überdreht« dargestellt habe. Marx wusste im Gegensatz zu solch mechanistisch-fatalem Flachsinn allerdings etwas von kämpfenden Klassen, von handelnden Subjekten. Die machen offenbar bereits einiges in deutsch-chinesischer Kooperation, was Spiegel-Leser nicht wissen dürfen.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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